AZ-Exklusiv Paul Breitner: "Liverpool ist nicht besser als der FC Bayern"

Ein Gespräch, viele Themen: Den Auftakt von Oliver Kahn beim FC Bayern will Paul Breitner noch nicht beurteilen, zu Robert Lewandowski und Jürgen Klopps Liverpool ist seine Meinung dafür eindeutig. Foto: imago images/Adam Davy, Jan Huebner, MIS, AZ

Bayern-Legende Paul Breitner spricht im exklusiven AZ-Interview über Spitzenreiter RB Leipzig, warum ihn Dortmund nicht interessiert, und wann er sich mal wieder ein Spiel in der Allianz Arena anschaut.

 

AZ-Interview mit Paul Breitner: Die Bayern-Legende (68) unterstützt seit vielen Jahren gemeinnützige Einrichtungen, unter anderem die "Münchner Tafel".

AZ: Herr Breitner, wie haben Sie den Start von Oliver Kahn als neuer Bayern-Vorstand verfolgt?
PAUL BREITNER: Ich habe nur ein Foto gesehen und ein paar Sachen gelesen. Man muss ihn erst mal arbeiten lassen, bevor man ihn beurteilen kann. Ich werde in aller Ruhe abwarten, wie er seine Aufgabe als zukünftiger Vorstandsvorsitzender sieht und sie dann auch lebt. Grundsätzlich rede ich aber eigentlich nur über den rollenden Ball und nicht über die Büroarbeit beim FC Bayern. Die geht mich nichts an und ist mir auch völlig wurscht.

Dann sprechen wir doch über den, der die rollenden Bälle in Zukunft für den FC Bayern abwehren soll. Wie bewerten Sie den Transfer von Alexander Nübel?
Ob dieser Wechsel Sinn macht und welcher dahintersteht, weiß noch keiner. Momentan wird da viel hineinfantasiert. Dabei ist noch überhaupt nix passiert. Mit dem ersten Training wird etwas passieren. Und nach der Vorrunde werden wir sehen, was das genau ist.

Breitner: Davies erinnert ihn an Alaba

Wie gefällt Ihnen denn die Entwicklung von Alphonso Davies?
Das ist für mich ein Déjà-vu zu David Alaba. Den erkenne ich in Davies zu einhundert Prozent wieder. Da wird ein damals 19-Jähriger sozusagen jetzt durch den anderen ausgetauscht. Und du hast die gleiche Situation, als David Alaba plötzlich linker Verteidiger war, jetzt wieder. Dieser Junge ist großartig.

Sie trauen Davies also eine ähnliche Entwicklung wie Alaba zu?
Definitiv. Wobei beide ja auch andere Positionen spielen können. David Alabas Zukunft hätte auch im defensiven Mittelfeld sein können. Jetzt ist er in der Innenverteidigung zum Abwehrchef und dem perfekten Lehrmeister für Davies geworden. Eins ist doch klar…

Was denn?
Dass diese Position links oder rechts hinten die beste ist, um ein Spiel lesen zu lernen. Zu sehen, was in der Vorwärts- und Rückwärtsbewegung abläuft. Was passiert da im Mittelfeld und im Sturm, was neben mir in der Abwehr. Wann schaltest du dich ein und wann nicht. Es ist der perfekte Platz, um zu lernen und dich auch für andere Positionen zu entwickeln.

Wie sehen Sie die Ausgangslage vor der Rückrunde, in die Leipzig als Herbstmeister mit vier Punkten Vorsprung auf Bayern startet?
Grundsätzlich glaube ich immer, bis etwas rechnerisch nicht mehr möglich ist, daran, dass Bayern Meister, Pokalsieger und Champions-League-Sieger wird. Einfach, weil ich das – genau wie jeder andere Fan – will.

"In Leipzig kann etwas Großes entstehen"

Und wie gefährlich können Leipzig und Julian Nagelsmann den Bayern werden?
Man muss festhalten und respektieren, dass RB Leipzig in seiner Entwicklung einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Sie sind jetzt in der Position, dass, wenn entsprechend Geld zur Verfügung gestellt wird, auch absolute Topleute nach Leipzig gehen. RB hat sich auch international etabliert. Es könnte dort jetzt – ähnlich wie beim FC Bayern – eine Mischung geben aus Spielern aus der eigenen Akademie sowie nationalen und internationalen Topleuten. Dieser Weg steht ihnen offen. Da ist in Zukunft noch Luft nach oben. In Leipzig kann etwas Großes entstehen.

Sehen Sie nach der Verpflichtung von Topstürmer Erling Haaland auch bei Dortmund Steigerungspotenzial?
Das kann ein Riese werden, aber auch ein Flop. Da muss man mal die ersten zehn Spiele abwarten, um sich ein erstes Urteil erlauben zu können. Er wird als größtes Stürmertalent gehandelt. Da bin ich schon gespannt darauf. Ansonsten interessiert mich Dortmund aber eigentlich wenig.

Wirklich? Der BVB ist neben Leipzig schließlich der Hauptkonkurrent der Bayern.
Der FC Bayern braucht nicht einen, nicht zwei oder drei Konkurrenten. Der FC Bayern bestimmt ganz allein, wohin der Weg geht und hat sich nie daran orientiert, welche Konkurrenten es gibt. Es geht immer nur um die eigene Leistung und um nix anderes.

Der FC Bayern kann die Champions League gewinnen

Klingt selbstbewusst, nach Mia san mia. Gilt das auch in der Champions League?
Ja, natürlich. Der FC Bayern hat alles in dem Kader, um die Champions League zu gewinnen. Wo soll denn da der Unterschied zu irgendwem anders sein? Die ersten Elf in Liverpool oder bei Manchester City sind doch nicht um 0,1 Prozent besser als die beim FC Bayern. Das ist eine Ebene. Da geht es dann in erster Linie um die Tagesform, ob du ab jetzt jeweils zweimal dein Bestes abrufen kannst. Und wenn du einmal, wie Bayern in den vergangenen Jahren, nur 80 Prozent, bringst, dann bist du weg. Wenn du dagegen deine Topleistung lieferst, dann gewinnst du die Champions League.

Könnte Robert Lewandowski, der in der Form seines Lebens ist, der entscheidende Faktor sein?
Robert war nie anders. Er macht aber aus gewissen Situationen heraus heuer fünf, sechs Tore mehr. Das hat aber mit seiner Klasse nix zu tun. Er war schon vor zwei, drei Jahren einer der absolut größten Stürmer weltweit – und ist es heute noch.

2022 findet das Champions-League-Endspiel wieder in München statt. Wäre das nächste Finale dahoam ein Spiel, das Sie sich mal wieder im Stadion anschauen?
Kann sein. Aber das ist noch so weit hin. Einem Spieler ist es übrigens doch wurscht, wo er die Champions League gewinnt – Hauptsache, er gewinnt sie.

Vermissen Sie es nicht, im Stadion zu sein, nachdem Sie Ihre Ehrenkarte zurückgegeben haben?
Nein. Ich habe damals mit 31 Jahren als Profi aufgehört, weil ich genug vom Fußball hatte. Und ich hatte gerade in den letzten zehn Jahren, in denen ich für Bayern unterwegs war, wieder so viel Fußball. Da tut es mir gut und ich genieße es, ein bisschen Abstand zu bekommen. Momentan bin ich relativ weit weg vom FC Bayern. Aber so, wie ich nach dem Ende meiner Karriere wieder die Lust auf das Stadion und richtigen Fußball bekommen habe, wird es jetzt auch wieder kommen. Aber es pressiert ned. Ich hab’ Zeit.

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