AZ exklusiv Didi Hamann: FC Bayern nur noch Nummer 3 in Deutschland

Hält die Pressekonferenz der Bayern-Bosse für einen Fehler: Dietmar Hamann Foto: Augenklick/GES/firo/dpa

Nach zwei Siegen in Serie will der FC Bayern das zarte Pflänzchen namens Aufschwung schützen. Doch wie stark sind die Münchner wirklich? "Nur die deutsche Nummer drei", sagt Ex-Bayer und heutiger Sky-Experte Didi Hamann der AZ.

 

München - Die Haudrauf-PK und ihre Folgen. Zwei Siege gab es für den FC Bayern nach dem verbalen Donnerwetter der Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge vergangenen Freitag, 3:1 in Wolfsburg, 2:0 in Athen. Folgt am Samstag (15.30 Uhr auf Sky und im AZ-Liveticker) in Mainz der Dreierpack und damit das Ende der Krise?

Während Trainer Niko Kovac und einige Spieler die Münchner im Aufwind sehen, bewertet Ex-Bayern-Profi Didi Hamann die Lage kritischer. "Die Mannschaft wirkt immer noch verunsichert", sagt der Sky-Experte der AZ: "Bayern muss aufpassen, dass der Rückstand auf Borussia Dortmund bis zur Winterpause nicht auf sechs, sieben Punkte anwächst. Das Momentum ist auf Dortmunder Seite. Rummenigge hat es ja schon gesagt: Du musst wieder näher an die Tabellenspitze heranrücken."

Hamann: BVB gegen Bayern Favorit

Vier Punkte ist der gegen Atlético Madrid so famos aufspielende BVB voraus, am 10. November kommt es in Dortmund zum direkten Liga-Duell mit Bayern. Und wenn es nach Hamann geht, hat sich die Favoritenrolle geändert. "Dortmund ist aktuell die Nummer eins in Deutschland. Mit Marco Reus, Christian Pulisic und Jadon Sancho hat der BVB pfeilschnelle Spieler, dazu gerade einen Lauf", sagt Hamann, "das bleibt sicher nicht die ganze Saison so. Aber was Dortmund an Selbstvertrauen hat, das fehlt Bayern."

Laut Hamann sind die Münchner derzeit sogar "nur die deutsche Nummer drei", wie der Ex-Nationalspieler in der AZ erklärt: "Ich sehe auch Borussia Mönchengladbach vor Bayern. Gladbach spielt im Moment den besten Fußball, da ist Tempo in der Mannschaft."

Und die Bayern? Die wollen offenbar mit Pragmatismus, einer gewissen Abschottungsmentalität und neuer Geschlossenheit zurück an die nationale Spitze. "Dieser Klub wird sich in der Öffentlichkeit als Einheit zeigen, wie sie das lange nicht erlebt haben", kündigte Präsident Uli Hoeneß an.

Die AZ erklärt die Wagenburg-Bayern

Der Trainer: Niko Kovac war nach dem Champions-League-Erfolg in Athen extrem darum bemüht, die positiven Aspekte des Auftritts in den Vordergrund zu stellen. "Der Sieg ist voll und ganz verdient, auch spielerisch war es eine sehr gute Leistung", meinte der Coach. So gut hatte die Bayern allerdings kaum jemand gesehen. Thomas Müller etwa sprach davon, dass man es "ordentlich gemacht" habe, "aber eine Galavorstellung war es nicht". Treffend!

Kovac hingegen lehnte kritische Nachfragen ab und zeigte eine ähnliche Anti-Medien-Haltung wie seine Klubbosse Hoeneß und Rummenigge. "Jetzt haben wir gewonnen und es ist wieder etwas nicht in Ordnung. Da müssen wir auch einmal überprüfen, was wir von uns geben", sagte Kovac: "Man kann es sich nicht immer hinlegen, wie man es gern hätte."

Hamann: Bayern-Zusammenhalt nur "Lippenbekenntnisse"

Die Klubführung: Präsident Hoeneß wollte sich in Athen nicht äußern, Vorstandsboss Rummenigge sagte auf dem Bankett, dass man "optimistisch in die Zukunft schauen" könne. Auf weitere Spitzen gegen die Medien verzichtete er.

Doch natürlich waren es Hoeneß und Rummenigge gewesen, die mit ihrer krawalligen Pressekonferenz die Wagenburg-Bayern ins Leben gerufen hatten. "Wir werden uns diese hämische, herabwürdigende, faktische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen", fauchte Rummenigge. Wir gegen euch. Wir gegen den Rest der Welt.

Ob die Bayern nun tatsächlich enger zusammenrücken? Hamann bezweifelt es und spricht von "Lippenbekenntnissen". Er glaube, so der Sky-Experte, "dass gestandene Nationalspieler wie Mats Hummels, Thomas Müller oder Jérôme Boateng auf sich selber aufpassen können. Ich weiß nicht, ob diese Jungs das so positiv sehen, wenn sich die Verantwortlichen vor sie stellen. Sie haben das eigentlich nicht nötig."

Die Spieler: Weltmeister Hummels formulierte die deutlichste Kritik nach dem Athen-Spiel. "Grundsätzliche Dinge" würden nicht stimmen, sagte er, Hummels monierte vor allem die vielen Ballverluste. Und das zu Recht. Andere Stars blieben milder. "So lange wir gewinnen, ist es mir egal, ob wir glänzen oder nicht", sagte Joshua Kimmich. Und Arjen Robben meinte: "Wir müssen unsere Spiele gewinnen. Wenn man verliert, ist alles schlecht und man hat viele Feinde. Dann ist es die Kunst, ruhig zu bleiben."

Die Wagenburg-Bayern – wie gut sind sie wirklich?

Im Video: Kimmich-Kampfansage an den BVB

 

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