Gillamoos: Krebs-Festrede im Wortlaut

Stoiber, Seehofer und Stoiber als Überraschungsgast: Hier gibt's die Festrede des Parodisten Wolfgang Krebs vom Gillamoos-Volksfest im Wortlaut.
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Lässt Seehofer und Ude aufeinander los: Bayerns mehrfacher Ministerpräsidenten- und Stimmenimitator Wolfgang Krebs.
Karl-Josef Hildenbrand/dpa Lässt Seehofer und Ude aufeinander los: Bayerns mehrfacher Ministerpräsidenten- und Stimmenimitator Wolfgang Krebs.

Stoiber, Seehofer und ein Überraschungsgast: Hier gibt's die Festrede des Parodisten Wolfgang Krebs vom Gillamoos im Wortlaut.

 

Abensberg – Bislang war er für seine Parodien auf CSU-Ministerpräsidenten bekannt, jetzt trainiert Kabarettist Wolfgang Krebs schon einmal für den Fall eines Wahlsieges von SPD-Hoffnungsträger Christian Ude. Bei seinem Auftritt beim Gillamoos-Volksfest in Abensberg trat Krebs am Montag auch mit einer Ude-Handpuppe auf. Dabei betonte Krebs alias Münchner OB: „Ich spreche heute zu Ihnen als zukünftiger Oberbürgermeister aller Bayern.“

„Das kleine Udelein“, wie die Puppe von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer angekündigt wurde, hatte bei seiner Rede erhebliche Schwierigkeiten, sich daran zu erinnern, für welche Partei Ude bei der Landtagswahl 2013 antreten soll. Erst nach einem Blick auf seinen Spickzettel fiel dem designierten Spitzenkandidaten der Sozialdemokraten regelmäßig wieder ein, dass er ja in der SPD sei.

Genüsslich spielte der Satiriker Krebs damit, dass außer Ude kaum ein bayerischer SPD-Politiker auf eine nennenswerte Bekanntheit in der Bevölkerung verweisen kann. So fragte die Ude-Puppe ins volle Bierzelt, ob jemand Landtagsfaktionschef Markus Rinderspacher oder den SPD-Landesvorsitzenden kenne. Als sich niemand meldete, ätzte der Mini-Ude über den Vorsitzenden: „Ich weiß es auch nicht, aber ich habe es mir hier einmal aufschreiben lassen“, und fügte nach einem Blick auf seinen Zettel hinzu: „Florian Pronold.“

Bereits zum fünften Mal war der 45-jährige Krebs als humoristisches Gegenprogramm beim Gillamoos dabei. Einstmals hatte ein Festwirt die Grünen aus seinem Zelt verbannt, um mit dem bekannten Kabarettisten mehr Gäste anzulocken. Die Rechnung ist aufgegangen: Denn während sich bei den anderen Parteien inzwischen bei den Kundgebungen ein Publikumsschwund bemerkbar macht und die Redner oft nur vor halb gefüllten Bierbänken reden, ist das von Krebs bespielte Zelt immer voll. Auch in diesem Jahr trat er wieder in seiner Paraderolle als Ex-Landesvater Edmund Stoiber und als der aktuelle Regierungschef Seehofer auf. Die CSU-Politiker imitiert Krebs seit Jahren bereits im Bayerischen Fernsehen und im Radiosender „Bayern 3“.

Die Festrede im Wortlaut:


 

SEEHOFER:

Danke! Danke, liebe Abensberger und besonders liebe AbensbergerInnen! Danke für diesen großartigen Empfang. Glauben Sie mir, ich weiß mich wirklich zu schätzen!

Liebe Freunde des Gillamoos!
Liebe Nieder- und versprengte Oberbayern!
Liebe Wutbürger! Das Warten hat ein Ende!
Das Sommertheater ist vorbei!
Denn jetzt ist Gillamoos-Montag!
Und da steht im Kalender: Klartext!

Und ich sage es im Brustton der Überzeugung, so wie es ein berühmter Staatsmann vor mir gesagt hat:

Ich bin ein Abensberger!!!

Vor einem Jahr habe ich zuletzt hier in diesem Zelt zu Euch gesprochen.

Und was ist nicht alles passiert seitdem: Euro-Krise! Atomkrise! Guttenbergkrise! Nahostkrise!

Man kommt fast nicht mehr hinterher. Früher war das Krisengeschehen überschaubarer.

Da gab es alle dreißig Jahre eine Ölkrise

und jedes Jahr dreißig Koalitionskrisen.

Und alle von mir verursacht.

Aber zurzeit, da macht es nicht einmal mehr Spaß, die FDP zu drangsalieren. Weil die sich nicht mal mehr wehrt! Früher, wenn der Edmund Stoiber den Westerwelle einen Leichtmatrosen genannt hat, da ist die FDP auf die Barrikaden gegangen.

Oder jedenfalls auf das, was man unter Bankern und Zahnärzten für Barrikaden hält.

Und heute? Wenn ich heute den Westerwelle einen Leichtmatrosen nennen würde, dann würde die FDP sich dagegen verwahren, dass durch diesen unsäglichen Vergleich die Schifffahrtsberufe in den Dreck gezogen werden!

Die FDP von heute, das sind ja sozusagen nur noch die sterblichen Überreste des Liberalismus. Denen ans Bein zu pinkeln, das ist juristisch gesehen ja nichts anderes als Leichenschändung!

Kein Wunder, wenn sich die Vertreter der FDP jetzt mit Halluzinationen behelfen.

Der Guido Westerwelle glaubt ja, er hätte den Ghaddafi quasi im Alleingang aus Tripolis raussanktioniert. Die Kampfeinsätze der Nato waren nach der Lesart vom Großen Guido ja nur Kosmetik.

Entscheidend war Westerwelles Embargopolitik.

Am Ende hat er wahrscheinlich persönlich beim Ghaddafi interveniert. Geheimtreffen im Tunnelsystem unter Tripolis.

Man muss sich das mal vorstellen: Nur die beiden. Auf der einen Seite der größenwahnsinnige bizarre Politclown, den außerhalb seines Landes niemand ernst nimmt, und auf der anderen Seite der Ghaddafi!

Aber wie gesagt, auf den Westerwelle eindreschen, das ruft eigentlich nur noch Mitleid hervor.

Doch keine Sorge, liebe Freunde, es gibt noch genug andere, die sich eine Erwähnung in meiner Rede hart erarbeitet haben. Wenn ich mir alleine die Liste der anderen Redner anschaue, die heute hier auf dem Gillamoos sprechen. Das ist ja ein Horrorkabinett!

Für die Freien Wähler spricht heut mal wieder der Aiwanger Hubert. Wer sonst?

Bis vor ein paar Jahren gabs bei denen wenigstens noch die Gabriele Pauli, da ham die Freien Wähler immerhin noch geglänzt! Vor lauter Lack!

Aber jetzt ist nur noch der Aiwanger übrig, man hat ja das Gefühl, außer dem Aiwanger gibt’s bei denen eigentlich keinen.

Vielleicht ein, zwei irrlichternde Schlagersänger, aber sonst: nur Aiwanger. Und trotzdem hat der bei der letzten Landtagswahl über zehn Prozent geholt! Ja, kein Wunder!

Haben Sie mal den Fernsehspot von den Freien Wählern gesehn?

Ein Quadratschädel von Landwirt, der wenn spricht, ist die eine Hälfte des Satzes unverständlich und die andere Hälfte ein rechter Schmarrn. Ja, kein Wunder, dass zehn Prozent der Wähler da gedacht haben: Der muss von der CSU sein, den wähl ich!

Der Aiwanger ist ja bisher unverheiratet. Der lebt ja im Wesentlichen mit zwanzig Milchkühen und 50 Zuchtsauen zusammen. Gut, sein Privatleben, das ist seine Sache, das soll man raushalten aus der politischen Auseinandersetzung. Ich selbst hatte immer größtes Interesse daran, dass mein Privatleben aus der politischen Auseinandersetzung herausgehalten wird. Aber wenn es den Aiwanger als notorischen Junggesellen schon in die Öffentlichkeit zieht, warum dann in die Politik?

Für ledige Landwirte gibt’s doch andere Möglichkeiten, bekannt zu werden! Bauer sucht Frau!

Immerhin, der Aiwanger ist wenigstens ein Bayer. Man muss ja froh sein, wenn überhaupt noch ein Bayer spricht hier auf dem Gillamoos!!!

Und da spielt ausgerechnet meine eigene Partei heuer ein besonders unrühmliche Rolle. Wer spricht für die CSU?

Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister.

Der ist nicht nur kein Bayer, der ist noch nicht mal ein Preiß! Der ist - ja was ist der eigentlich?

Der McAllister hat in Berlin die Grundschule besucht und in Niedersachsen sein Abitur gemacht. Liebe Freunde, ich finde das erschütternd, dass hierzulande noch immer Menschen ohne jede Bildung aufwachsen müssen!

Gut, jetzt sagen viele, das ist immerhin ein Ministerpräsident der Union und als solcher einer der letzten seiner Art.

Aber da muss man natürlich auch fragen: Wo ist denn der McAllister Ministerpräsident? In Niedersachsen! Das ist doch im engeren Sinne überhaupt nicht Deutschland! Niedersachsens Existenz ist ja eigentlich nur entstanden, weil Hannover so unglaublich hässlich ist, dass man bei der Herstellung der Bundesrepublik beschlossen hat, eine Art Kontaminationszone drumherum zu errichten!

Und wer war da schon nicht alles Ministerpräsident?

Gerhard Schröder, auch bekannt als Vertreter von Gaspipelines.

Sigmar Gabriel, auch bekannt als Vertreter von Gerhard Schröder!

Christian Wulff, auch bekannt als Vertreter des Bundespräsidenten!

Der McAllister, der ist doch nur Ministerpräsident geworden, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel seinen Vorgänger unbedingt ins Schloss Bellevue wegbefördern wollte.

Und das heißt: dieser neigschmeckte Halbschotte ist Ministerpräsident geworden, ohne dafür von den Menschen gewählt worden zu sein!

Genau wie ich!

Was fällt dem ein! Und jetzt spricht der hier auf dem Gillamoos für die CSU! Das ist doch Stalking!

Gut, andererseits muss man natürlich sagen: wen soll die CSU auch sonst aufbieten?

Ich selber kann ja drüben bei meiner Partei nicht reden, weil ich ja hier im Ottenbräu bin. Ich kann zwar problemlos mehrere Meinungen gleichzeitig ausüben, aber nicht an verschiedenen Orten. Und nach mir kommt ja in der CSU erstmal lange: Nichts!

Und dann kommt Markus Söder. Also die fränkische Variante von Nichts!

Ich habe ja schon frühzeitig in der Parteiführung gesagt: Freunde, ich bin beim Gillamoos im Ottenbräu-Zelt. Einigt Ihr euch untereinander, wer im Hofbräu für die CSU spricht.

Der Söder hat gesagt: Horst, ich bin doch dein Kronprinz, ich mach das. Das wird die beste Gillamoos-Rede seit Franz-Josef Strauß.

Die Haderthauer hat gesagt: Ich weiß zwar nicht wer dieser Franz-Josef Strauß sein soll, aber wenn einer geeignet ist für den Gillamoos, dann ich, Christine Haderthauer. Alleine schon aus Gründen der Tradition. Schließlich war der Gillamoos früher mal ein Pferdemarkt und ich bin doch Dein bestes Pferd im Stall!

Der Guttenberg hat sich auch gemeldet, dass er gern als CSU-Redner kommen würde. Und hat gleich eine fertige Rede mitgeschickt, in der er sich auch auf Franz-Josef Strauß berufen hat. Genauer gesagt war die Rede von Franz-Josef Strauß.

Und wie das der Alexander Dobrindt mitbekommen hat, hat er gesagt: Chef, lassens mich in Abensberg reden! Ich schreib garantiert jeden Satz selbst! Oh mein Gott!

Viele fragen mich ja, warum hältst du so eisern an dem Alexander Dobrindt fest? Und meistens sag ich dann: weil der Dobrindt nach dem Atomausstieg die einzige unbeherrschbare Risikotechnologie ist, die uns noch geblieben ist. Aber das ist natürlich Ironie. Ich liebe ja die Ironie: Ich weiß manchmal selber nicht, was ich eigentlich noch ernst meine.

Aber der wahre Grund, warum der Dobrindt immer noch Generalsekretär ist, ist natürlich ein anderer. Denn vor ihm war ja die Christine Haderthauer Generalsekretärin. Die war mir ja vom Erwin Huber überlassen worden, sozusagen zur freien Wiederaufbereitung.

Und der Dobrindt war wirklich CSU-weit der einzige, der in das hohe intellektuelle Niveau gepasst hat, das die Haderthauer dem Generalsekretärsposten verliehen
hatte!

Und jetzt find ich niemand anderen, dessen geistiges Licht ähnlich energiesparend glimmt!

Obwohl sich der Schüttel-Schorsch immer wieder redlich bemüht! Aber den brauch ich als Garanten dafür, dass die Landtagsfraktion nicht auf eigene Gedanken kommt.

Solange der Schüttel-Schorsch Fraktionschef ist, ist die Gefahr gleich null.

Wobei er ja den Spitznamen gar nicht gern hört. Er will ja lieber bei seinem richtigen Namen Georg Schmid genannt werden. Weil Schüttel-Schorsch, das klingt ja wie als wenn er im Wesentlichen aus einer ständig schüttelnden rechten Hand besteht und der Rest von ihm keinen Wert hat. Und das wäre natürlich ein falsches Bild. Denn der Schüttelschorsch besteht tatsächlich im Wesentlichen aus seiner rechten Hand, an die ein Fraktionsvorsitzender angehängt ist. Aber der ist eben auch entscheidend wichtig! Allein schon aus Gründen der Statik!

Liebe Freunde, Sie sehen, die CSU konnte gar nicht anders als den McAllister holen. Eh schon wurscht, wo lauter Nicht-Bayern in den anderen Zelten sprechen.

Zum Beispiel der Markus Rinderspacher. Gut, wenn man den selbst fragen würde, dann würde er von sich behaupten, dass er ein Bayer ist. Falsch! Wo ist er geboren worden? Kaiserslautern!

Gut, das kann man seit den Wittelsbachern im weitesten Sinne bayerisch nennen. Aber der Rinderspacher ist auch noch ein Luthrischer! Und das ist spätestens seit Günther Beckstein in der bayerischen Politik kein Erfolgsmodell mehr!

Außerdem ist dem Markus Rinderspacher die bayerische Lebensart vollkommen fremd. Der ist ja bis zum Obersten Rechnungshof gerannt wegen meiner Resonanzstudien! Simple Meinungsumfragen, die wir für den Wahlkampf gebraucht haben. Und da sagt der Rinderspacher, die muss die CSU bezahlen und nicht die Regierung.

Ja, kann mir mal einer sagen, was da der Unterschied sein soll? Leben wir jetzt hier in einer Demokratie oder was?

So, wen hamma noch? Cem Özdemir! Auf den ersten Blick könnte man meinen, der Özdemir ist von allen am wenigsten bayerisch, der kommt schließlich aus der Türkei. Weil ich aber bekannterweise gelegentlich genauer hinschaue, muss ich sagen, der Özdemir kommt dem Bayern noch am nächsten.

Seine Eltern gehören nämlich zum Stamm der Tscherkessen, und die sind in der Türkei eine Minderheit, deren Sprache kaum jemand versteht.

Und wie wir Bayern sind sie stolz darauf!

Die Männer der Tscherkessen zeichnen sich dem Vernehmen nach durch Kühnheit, Verlässlichkeit und Großzügigkeit aus. So wie wir Bayern.

Schaun Sie, ICH zum Beispiel:

Wegen meiner Kühnheit können Sie gern die Bundeskanzlerin Angela Merkel fragen.

Wegen meiner Verlässlichkeit können Sie fragen wen Sie wollen. Außer vielleicht meiner Frau Karin.

Und wegen meiner Großzügigkeit können Sie die Frau fragen, wegen der Sie meine eigene Frau nicht nach meiner Verlässlichkeit fragen sollten.

Soviel zum tscherkessischen Idealmann. Dann gibt’s bei den Tscherkessen auch noch das Ideal der Frau. Laut Wikipedia schaut die ideale Frau an der Seite des Tscherkessen so aus, ich zitiere: „großer und schlanker Wuchs und charakterlich die Eigenschaft auf anständige, zurückhaltende Art und Weise sich zu geben und zu reden.“ Und da frage ich mich: warum duldet der Cem Özdemir dann an seiner Seite jemanden wie die Claudia Roth? Und kann jemand, der seine eigene Kultur derart verrät, glaubwürdig in einem bayerischen Bierzelt auftreten? Nein!

So, hamma jetzt alle? Achso, der Lindner ist auch noch da. Christian Lindner, die Hoffnung der FDP.

Ich mach ja manchmal so naturwissenschaftliche Experimente. Zum Beispiel sag ich die Begriffe Hoffnung und FDP in einem Satz, und schau ob irgendwas passiert. Blitze, Erdbeben, schwarze Löcher...

Weil da ja Materie und Antimaterie zusammenkommen. Bisher ist nix passiert.

Das kann man ja auch für die Regierungsbeteiligung der FDP in Bayern sagen: bisher ist nix passiert.

Also gar nix.

Gut, die bayerische FDP, das ist ja im Wesentlichen Martin Zeil. Sie wissen schon, der Erfinder der Zeitlupe.

Der Martin Zeil und ich, wir sind nicht immer einer Meinung. Manchmal widerspricht er meinem Standpunkt.

Aber wir einigen uns immer umgehend.

Weil in der Zeit, die der Martin Zeil braucht, um meinem Standpunkt zu widersprechen... da hat sich MEIN Standpunkt mindestens dreimal verändert.

Kein Wunder, dass die FDP gesagt hat: wenn auf dem Gillamoos der Zeil spricht, dann ist das Festzelt abgebaut, bevor der mit der Begrüßung fertig ist.

Dann lieber der Christian Lindner. Der spricht schneller. Vor allem, weil er vor dem Sprechen nicht nachdenkt. Der Christian Lindner kommt ja aus Wuppertal. Das heißt, der bezieht seine Bodenhaftung aus der Stadt der Schwebebahn!

Nach Fukushima war der Lindner der erste FDP-Politiker, der gefordert hat, die sieben ältesten deutschen Meiler dauerhaft vom Netz zu nehmen. Da schau her, hab ich mir gedacht, der Lindner. Macht jetzt MIR Konkurrenz im brutalstmöglichen Atomausstieg.

Dabei hat sich doch die FDP eigentlich immer als der parlamentarische Arm der Kernspaltung begriffen.

Gut, die CSU war in ihrer Geschichte auch nicht immer hundertprozentig gegen Atomkraft.

Aber sie hat immer auf die richtigen Personen gesetzt. Zum Beispiel auf mich! Wer sonst hätte denn die Atomwende der CSU durchsetzen können? Die anderen Politiker, die wären doch dazu gar nicht in der Lage! Weil sie diese Dinger haben! Sie wissen schon, diese…diese... Helfens mir, diese störenden Dinger, die manchmal so weh tun! Überzeugungen, genau!

Die hätten doch nach Fukushima gesagt: wir haben immer behauptet, Atomkraft ist sicher, da können wir jetzt nicht von heut auf morgen das Gegenteil vertreten.

Ich sage: von heut auf morgen natürlich nicht! Aber von jetzt auf gleich!

Wenn die Menschen Angst vor der Strahlung haben, dann müssen wir das ernstnehmen! Dann sollen sich halt die Tiefflieger der Bundeswehr eine andere Wendemarke suchen als den Kühlturm von Isar1!

Aber die Menschen haben nicht nur Angst vor der Strahlung. Liebe Freunde, natürlich weiß ich, dass viele von Ihnen jetzt auch Angst um ihr Geld haben.

Stichwort Eurokrise.

Meine Partei hat schon immer gesagt, dass der Euro im Grunde genommen eine Schnapsidee ist. Gut, der Erfinder des Euro kommt auch aus meiner Partei. Aber man muss den Theo Waigel hier ausdrücklich in Schutz nehmen!

Weil zu seiner Zeit ja niemand damit rechnen konnte, dass irgendwann Griechenland zum Euroraum gehört! Das gemeinsame Geld war doch nur für Länder gedacht, die eine ähnliche Mentalität haben wie wir! Österreich! Baden-Württemberg, jedenfalls bis zur letzten Landtagswahl.

Franken vielleicht noch...

Aber doch nicht Griechenland!

Athen und Haushaltsdisziplin, das ist doch wie Sodom und Sittsamkeit! Oder Italien! Wenn der Berlusconi seine Bungaparties mit dem gleichen Geld bezahlt wie wir unser Wiesnbier, dann kann das doch nicht gutgehn! Wobei die Bungaparties natürlich nicht annähernd so kostspielig sind wie mittlerweile das Wiesnbier!
Aber daran sieht man doch den Zusammenbruch des Euro! Neun Euro zwanzig für eine Mass, wenn das keine Hyperinflation ist, dann weiß ichs nicht!

Jetzt schreien natürlich alle nach Eurobonds. Bonds, das ist englisch und heißt Anleihe. Oder Fesseln.

Da muss man natürlich fragen, wer wird da gefesselt? Und wer leiht sich was? Die Antwort ist natürlich: die Griechen leihen sich was, und wir sind mit unseren Steuergeldern an deren Schulden gefesselt.

Trotzdem werden die Rufe nach Eurobonds immer lauter. Und von wem kommen sie? Von der SPD.

Die SPD glaubt ja, wenn man den Griechen strenge Grenzen setzt, dann machen die schon nicht zuviel Schulden.

Jetzt ist natürlich die SPD in Sachen Schulden machen grundsätzlich schon kompetent. Also wie stellen sich die Genossen das vor? Wenn die Griechen mal wieder Hellas und Pfennig verprassen, kommt dann der
Sigmar Gabriel über den Peloponnes gerannt und ruft: Mein Name ist Bond! Euro-Bond!
Und sind die Griechen dann gerührt?
Oder geschüttelt, vor Lachen?

Nein, liebe Freunde, so was ist mit meiner CSU nicht zu machen! Jedenfalls nicht solange ich von strikter Haushaltsdisziplin überzeugt bin. Und ich kann Ihnen versichern: momentan bin ich das. Und daran wird sich auch nichts ändern! Zumindest nicht in den nächsten Minuten! Entschuldigung, Monaten!

Aber es ist schon rätselhaft: bei der letzten Finanzkrise, da genügte ein Auftritt der Kanzlerin mit ihrem Koalitionspartner, und alle waren beruhigt.

Das muss man Bundeskanzlerin Angela Merkel und Peer Steinbrück lassen, da haben sie gut reagiert.  Und jetzt geschieht genau das gleiche, und alle sind beunruhigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Philipp Rösler…gut, wirklich rätselhaft ist es nicht.

Der Philipp Rösler hat ja in der Bild am Sonntag kürzlich gesagt, ich zitiere: „Auch wenn ich eher nach Karate aussehe, man sollte meinen Box-Punch nicht unterschätzen“. Also, wenn der Rösler nach Karate ausschaut, dann ist der Pronold ein Schwergewichtsboxer!

Womit wir bei der nächsten Splitterpartei angekommen wären. Der SPD. Da wächst mir ja gerade zum ersten Mal seit Jahrhunderten ein Gegenkandidat heran.

Und den habe ich heute auch mitgebracht.

Der ist ja ein Geschenk für Bayern, deshalb habe ich den auch gleich hier anliefern lassen.

Und schaut mal wer da drin ist: Das kleine Udelein!

 


 

Ude

 

Ozapft is!!! Liebe Abensbergerinnen und Abensberger, Sie werden sich vielleicht fragen, was will jetzt der Christian Ude hier bei uns auf unserem Gillamoos? Das ist natürlich für ein Mitglied der bayerischen – Moment – (schaut auf einen Zettel) SPD nichts Ungewöhnliches: dass die Menschen fragen: was will der hier?

Aber wenn Sie fragen: Was will der Christian Ude hier, dann ist das schon ungewöhnlich. Weil das ja zeigt, dass Sie mich kennen. Und damit bin ich der einzige Vertreter der bayerischen - (schaut wieder auf den Zettel) SPD, den die Menschen mit Namen kennen!

Und damit ist natürlich die Frage, die Sie mir gestellt hätten, wenn ich Ihnen zugehört hätte, auch schon beantwortet: Ich spreche heute zu Ihnen als zukünftiger Oberbürgermeister aller Bayern.

Ich werde 2013 als Spitzenkandidat meiner... 

(schaut wieder auf den Zettel, alle rechnen mit „SPD“, dann gequält)

... Partei gegen den Ministerpräsidenten antreten.

Normalerweise nimmt man für so eine Kandidatur ja den Parteichef oder den Fraktionsvorsitzenden her.

Und da machen wir jetzt einmal den Test, wer weiß wie der Vorsitzende der bayerischen (schaut auf Zettel) SPD heißt, bitte mal aufstehn...

Niemand? Ich weiß es auch nicht, aber ich habe es mir hier einmal aufschreiben lassen, (schaut auf Zettel)
Florian Pronold.

Und wer von denen, die grad nicht aufgestanden sind, weiß wie der Fraktionsvorsitzende der SPD heißt? Und würde ihn wählen? Und würde das in einem bayerischen Bierzelt öffentlich einräumen? Sehen Sie, deshalb habe ich MICH bereit erklärt zu kandidieren.

Jetzt könnte man natürlich eine solche Umfrage auch mit meiner Person machen, aber das ist natürlich vollkommen unnötig, weil ich ja als einziger bayerischer Sozialdemokrat bereits Wahlen gewonnen habe.

Und zwar gleich mehrere hintereinander in der wunderschönen Landeshaupt-Weltstadt mit Herz, in der ICH seit dem Aushärten der Erdkruste als Oberbürgermeister im Amt bin.

Viele unterstellen mir: der Ude will nur deshalb Ministerpräsident werden, weil er als Oberbürgermeister von München nicht mehr antreten kann. Liebe Freunde hier in Abensberg, dazu kann ich nur sagen, das ist natürlich (schaut auf Zettel) richtig.

Aber es gibt natürlich noch einen anderen Grund. Denn dass ich in München nicht mehr antreten kann, das liegt ja nur daran, dass die CSU die Altersbeschränkung für die bayerischen Oberbürgermeister erst ab 2020 aufgehoben hat!

Um zu verhindern, dass ich noch einmal gewählt werde! Also muss ich jetzt allein schon deshalb antreten, um der CSU postwendend vor Augen zu führen, was sie damit angerichtet hat!

Außerdem, liebe Freunde, wer so bescheiden ist, wie ich das bin, der muss natürlich auch fragen: wer, wenn nicht ich? Ohne mich läuft ja überhaupt nichts. Ich habe die Stadt München erfunden und zu dem gemacht, was sie heute ist, eine Schickimickikulisse für superreiche Immobi – entschuldigung, (schaut auf Zettel), eine lebendige Metropole mit Wohlstandsgarantie.

Schauen Sie sich die anderen Großstädte einmal an. Nehmen wir zum Beispiel Berlin. Ganze Stadtteile unregierbar, tagsüber landet die Sozialhilfe in der Chipstüte oder im Drogenerwerb auf dem Pausenhof der Problemschulen, nachts brennen die Autos. So etwas wäre in meinem München nicht möglich.

Wenn in Schwabing jemand aus linkem Neidreflex heraus ein Bonzenauto anzünden möchte, dann würde er angesichts des Überangebots an SUVs doch schier verzweifeln! Da sieht er doch den X5 vor lauter Q7 nicht!

Und wenn jemand auf dem Pausenhof einer Problemschule Drogen verkaufen wollte, dann würde man ihm in Schwabing erstens sagen: Milbertshofen ist hinterm mittleren Ring!

Und zweitens würde er von einer Horde wildgewordener Latte-Macciato-Mütter mit zusammengerollten Übertrittszeugnissen erschlagen werden!

Aber das München, auf das ich bei aller Bescheidenheit stolz bin, liebe Freunde, das ist natürlich nicht nur Schwabing.

München, das ist auch und vor allem und vor allem bald wieder: das Münchner Oktoberfest. Ich bin ja bekanntlich der berüchtigste Anzapfer Bayerns. Ich habe die Zahl der Schläge beim Anzapfen ja bereits auf unter Null reduziert. Bei mir kriecht der Wechsel ja vor lauter Angst von selbst in das Fass bevor ich das Schottenhamelzelt überhaupt betreten habe!

Jetzt wissen Sie ja, meine lieben Freunde hier in
(schaut auf Zettel) Abensberg, dass uns in der
(schaut wieder auf Zettel)
SPD die Gerechtigkeit besonders am Herzen liegt.

Und da muss man sich natürlich fragen: warum sollen nur die Münchner in den Genuss einer solchen Anstichlegende kommen? Muss man nicht um der Gerechtigkeit willen dafür sorgen, dass jedes größere Volksfest in Bayern von mir angestochen und damit eröffnet wird?

Sollte ich nicht überall und jederzeit Ozapft is rufen?

Natürlich ist das nur ein Teil meiner Vision für Bayern. Denn wer mich kennt, der weiß, dass in meiner Brust nicht nur ein Herz für die Wiesn schlägt, sondern auch noch ein zweites für den S-Bahn-Tunnel.

Und jetzt wissen Sie, meine lieben Freunde, was meine Vision für Bayern ist: ein flächendeckendes Angebot ganzjähriger Volksfeste, zwischen denen man durch ein Netz von S-Bahn-Tunneln zügig pendeln kann, um mir beim Anzapfen zuzuschauen!

Das ist sozusagen der Transrapid der Trunkenheit, meine sehr verehrten Damen und Herren! Und damit nichts anderes als Laptop und Lederhose, also nichts anderes als das, was Edmund Stoiber immer wollte!

Ich habe ja dem Edmund Stoiber auf dem Oktoberfest immer das erste von mir angezapfte Bier gereicht. Und dann hat er immer so herrlich sauertöpfisch dreingeschaut. Erstens weil er vor lauter Fernsehkameras keine Gelegenheit hatte, heimlich das Bier durch Kräutertee zu ersetzen.

Am liebsten wärs ihm ja gewesen, ich hätt ihm gleich Wasser gereicht. Weil ich auch der einzige Vertreter der bayerischen SPD (schaut auf den Zettel)

tatsächlich, SPD!, war, der ihm das Wasser reichen konnte!!! Ozapft is!!!

Liebe Genossinnen und solche, die es nicht werden wollen, viele werden jetzt sagen, wer als Oberbürgermeister in München erfolgreich ist, muss deshalb noch kein guter Ministerpräsident sein.

Und deshalb sage ich Ihnen, ich bin nicht nur in München tätig, sondern ein Global Player. Und das insbesondere seit der Olympiabewerbung. Für Olympia bin ich ein Jahr lang durch die Welt gejettet und habe jedes IOC-Mitglied persönlich angesprochen. Und viele haben mir gesagt: Ja, wir stimmen für München, Hauptsache, du gehst jetzt wieder!

Und erst meine historische Rede in Südafrika! Da habe ich noch einmal alles in die Waagschale geworfen, was unsere Heimat München, die Weltstadt mit Herz, in die Waagschale zu werfen hat. Tradition und - Tradition!

 

Und ich habe nicht nur auf Tradition gesetzt, sondern auch auf Folklore! Ozapft is! Aber da hatte München keine Chance. Weil der Hauptsponsor der nächsten Olympischen Spiele Samsung heißt und aus Südkorea kommt. Und der Samsung-Chef Mitglied im IOC ist.

Die Sponsoringmillionen von Samsung sind die Art von Geschenken, bei denen aus Geben Nehmen wird. Und deshalb sage ich: Wenn München sich noch einmal bewirbt, sollte das Münchner Traditionsunternehmen BMW den Fuhrpark für sämtliche Mitglieder des IOC stellen, inklusive Familienangehörige und Hausangestellte nebst Lebenspartnern.

Denn was sind die Mitglieder des IOC? Sie sind nichts anderes als Wähler, und womit bringt man Wähler dazu, das richtige zu wählen? Mit Geschenken!
(wendet sich an Seehofer): Oder?

Seehofer: Ja.

Ude: Jetzt werden viele von Ihnen fragen, was kriege ich geschenkt, damit ich den Ude wähle, denn auch wenn ich regiere wie ein König so muss ich ja doch erst einmal gewählt werden wie ein Demokrat, auch wenn das lästig ist.

Andere versprechen als Wahlgeschenk Steuersenkungen oder gutes Wetter, ich bin da seriöser!

Ich verspreche Ihnen, wer mich wählt, der bekommt das, was die Menschen in Bayern am sehnlichsten wünschen. Fragen Sie einmal in München im Stadtrat, ob ich mich jemals drum geschert hätte, was dort beschlossen wird. Die Antwort ist nein.

Fragen Sie ein SPD-Mitglied, falls Sie eins aufstöbern, ob mich dort jemand zum Spitzenkandidaten wählen durfte, die Antwort ist nein!

Und deshalb kann ich Ihnen versprechen, wer mich wählt, bekommt als Geschenk die Rückkehr Bayerns zur Monarchie und damit letzten Endes nichts anderes als die Wiederkehr des Kini! Ozapft is!!!

HS: Das wird nicht funktionieren.

Ude: Warum nicht?

HS: Weil die Menschen in Bayern bei Alleinherrschaft automatisch an CSU denken.

Ude: Mag sein, aber dir wird das auch nichts nützen.

HS: Warum nicht?

Ude: Weil die Menschen in Bayern bei Alleinherrschaft und CSU automatisch an Edmund Stoiber denken!

 HS (packt Ude weg) Sie haben gesehen, ich bin bei der Integration wieder einmal ein Vorreiter. Wenn es nötig ist, dann darf auch ein Zuwanderer aus der SPD hier im Zelt sprechen.

Integration und Zuwanderung war schon immer eine Herzensangelegenheit der CSU!

Das Thema Integration war für uns schon immer sehr wichtig. Schon damals vor 200 Jahren, als wir die Franken nach Bayern integriert haben, quasi als eine Art Pufferzone zu den Preissen.

Das Frankenland ist quasi unser Gaza Streifen!

Der Franke ist in Bayern so was wie der Kurde in der Türkei!

Wir von der CSU haben uns jetzt auf neue Zielgruppen in der Integrationsproblematik festgelegt: 
Ich fordere jetzt sofort den Zuwanderungsstopp von Preissen und Grünen nach Bayern!

Wer sich nicht in einer Lederhosen an unsere Stamm-tische setzt,
und wer kein Bayerisch spricht… oder Fränkisch,
wer kein Bier trinkt,
und keinen Schweinsbraten isst,
kurz: Wer keine CSU wählt, der hat in unserem Land nichts verloren!
Freunde, ICH hab recht, ICH bin ein Bayern und damit von Geburt an unfehlbar!!!

Bei uns in Bayern gilt immer noch das Alte Testament und nicht das Grundgesetz, liebe Kreuzritter!

So und jetzt viel Spaß mit dem Stoiber...

 

(Ude und Seehofer ab)



STOIBER

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde hier in Abensberg. Ich danke Ihnen für den überaus freundlichen Umfang äh, Empfang! Abensberg, das zählt für mich alljährlich zu den absoluten Höhepunkten! Natürlich habe ich mich gefragt: sollst du die Einladung zum Gillamoos annehmen? Darf der Ehrenspielführer sozusagen in das Geschehen auf dem Platz eingreifen. Und dann habe ich mir geantwortet: normalerweise nicht. Aber die Zeiten sind nicht normal! Und ich auch nicht!

Die Welt gerät aus den Fugen! Der Euro fliegt uns um die Ohren! In Baden-Württemberg regiert rot-grün! Armageddon ist nah!

Natürlich, nicht alles geht den Bach runter. Es gibt Dinge, auf die ist Verlass.

Einmal im Jahr ist Gillamoos. Und das wird auch so bleiben!

Und dann ist Zeit, den Krug zu erheben und das wunderbare Ottenbräu zu genießen. Und den Ratingagenturen zuzurufen: Schwoamasobi!

Aber ich muss jetzt auch einmal fragen, ich bin ja nun seit 2007 bereits im fünften Jahr hier auf dem Gillamoos.

Ich frage Sie:

Hatte die CSU nach mir ein besseres Ergebnis? Na!

Hat die FDP bisher irgendwas in Bayern erreicht? Na!

Kommt die FDP nochmal in den Landtag? Na!

Wissen die das schon? Na!

Ist der Aiwanger gscheider worn? Na!

Wollt ihr den Söder zum Ministerpräsidenten? Na!

Dann vielleicht die Haderthauer? Na!

Haben die Verantwortlichen überhaupt was zerissen? Na!

Liebe treue Freunde, warum rufen wir dann nicht endlich wieder ein Bayerisches Königreich aus, mit mir an der Spitze?

Leider zwingt mich meine Aufgabe bei der EU, oft in Brüssel zu sein. Ich bin ja dort die Zentralstelle für Demokratieabbau äh für Bürokratie, also für den Abbau. Und gerade weil ich oft in Brüssel bin, habe ich gesagt, ich muss nach Abbauberg, äh Abensberg. 

Denn wenn ich die großartige Stimmung hier im Zelt erlebe, dann muss ich sagen: Der Bräu Robert Neumaier hat nicht äh untertrieben. Willkommen beim wichtigsten Volksfest in Bayern! Willkommen in Abensberg!

Ich danke, dass Ihr wieder gekommen seid, liebe treue Freunde! Ich werde jetzt alles tun, um die Stimmung wieder zum Überbrodeln zu bringen. Ich werde jetzt die Dinge beim Namen nennen! Die Probleme so ansprechen, wie sie es von mir gewohnt sind! Direkt und ohne Mund vor dem Blatt! Ohne Umschweife!

Man weiß ja gar nicht wo man anfangen soll. Die Regierung in Berlin sägt sich täglich den Ast ab, auf dem die Spatzen die Neuwahlen von den Dächern pfeifen. Im Nahen Osten jagt eine Revolution die andere, und hierzulande weiß man vor lauter Rettungspaketen nicht, wie viel Eulen man noch nach Athen tragen muss, bis der Brunnen zerbricht! Aber warum in die Ferne schweifen, wenn die Probleme schon vor der Haustür anfangen.

Liebe Abensberger, liebe -Rinnen, Ihre wunderschöne Heimat liegt ja sozusagen im näheren Einzugsbereich des Franzhafens. Des Flug-Josef-Strauß.

Und das ist ja ein heißes Eisen. Natürlich sind die Menschen skeptisch: brauchen wir wirklich eine dritte Startbahn? Für einen Flughafen, zu dem man nur mit der Bimmelbums, der Bummelbahn hinkommt?

Das ist natürlich eine argumentative Herausforderung. Gut, früher, da war das kein Problem. Da hatten wir 50 km vom Flughafen das Atomkraftwerk Isar 1. Da musste man jederzeit mit spontaner Kernschmelze rechnen.

 Da war die dritte Startbahn schon aus Gründen des vorausschauenden Katastrophenschutzes unverzichtbar. Um möglichst viele Betroffene zeitnah evakuieren zu können. Schließlich geht es in so einem Fall um Menschen! Mehrheitlich sogar um CSU-Wähler!

Aber jetzt ist Isar 1 abgeschaltet. Braucht man da noch die dritte Startbahn? Wenn doch das Fliegen bei steigenden Ölpreisen irgendwann nur noch für FDP-Stammwähler bezahlbar ist?

Und von denen gibt’s bekanntlich kaum noch welche! Eigentlich würde für sämtliche FDP-Anhänger in Deutschland doch der Flughafen Hof ausreichen! Da sind doch die Millionen für die dritte Startbahn Geldverschwendung! Wenn die Passagierzahlen irgendwann sinken!

Und da sind wir auch schon bei einem wichtigen Argument. Liebe Abensberger, liebe Holzklasse, ich sage Ihnen, der Ausbau des Münchner Flughafens ist eine Frage der Gerechtigkeit.

Jahrelang hat die Staatsregierung den Flughafen in Hof subventioniert. Und da haben die Passagierzahlen auch keine Rolle gespielt! In Hof hebt gefühlt ein Passagier pro Tag ab, und trotzdem haben wir da Steuergelder reingepumpt bis die Gangway platzt!

Da können wir doch beim Internationalen Drehkreuz München jetzt nicht mit anderem Fraß essen! Maß messen! Wenn Verschwendung, dann nicht nur in Oberfranken, meine Damen und Herren!

Gut, jetzt kommen natürlich die Anwohner und beschweren sich. Das verstehe ich. Niemand möchte schließlich seine Heimat verlieren. Aber was ich nicht verstehe, ist, dass die Leute sich von der CSU verraten fühlen. Die dritte Startbahn, meine Damen und Herren, das ist doch genau das, was die CSU immer versprochen hat.

Wenn die Abrissbagger erst einmal auf dem Dorfplatz in Schwaigermoos stehen, dann ist das doch nichts anderes als das, was unser Slogan schon immer war: Näher am Menschen!

Liebes Bodenpersonal, erlauben Sie mir in diesem Zusammenhang auch einige persönliche Worte. Der Flughafen Franz-Josef-Strauß, das ist ja für mich durchaus auch ein Stück Erinnerung.

Es ist ja kein Zufall, dass wir damals entschieden haben, ausgerechnet einen Flughafen nach Franz-Josef Strauß zu benennen. Denn von den zahllosen Fähigkeiten, die Bayerns Über äh Vorvater wie kein Zweiter verübte, ist das Fliegen sicher die gemeingefährlichste. Äh, beeindruckendste.

Franz-Josef Strauß, meine Damen und Herren, das war ein Baron der Lüfte, ein Quax im Cockpit. Ich selbst habe auf dem Flug nach Moskau hinter ihm gesessen und mich an seinem Aktenkoffer festgehalten!

Wenn Franz-Josef Strauß einen Steuerknüppel auch nur angeschaut hat, dann haben die Fluglotsen weltweit Sonderschichten eingelegt! Und somit war Bayern in Sachen Gefährdung des internationalen Luftraums immer schon unangefochten die Nummer eins.

Und deshalb brauchen wir die dritte Startbahn. Und die A94 durchs Isental! Damit man von Passau aus nicht mehr die viel zu kurze Strecke über Deggendorf nehmen muss, bis man am Flughafen endlich das weltweit teuerste Parkdeck einmal mit eigenen Augen sehen kann! Denn auch wenn für den Einzelnen damit die Heimat bedroht ist, wir als CSU haben immer gesagt: wir müssen den Menschen das Engste nehmen!

Entschuldigung: die Ängste nehmen!

Dazu gehört natürlich auch, dass man vor allem mit Risikotechnologien verantwortungsvoll umgeht. Und das bringt mich natürlich zu der Frage: was können wir lernen aus dem Super-GAU von Harikiri, äh Fukushima.

Die Bundeskanzlerin Christiansen, äh Angela Will äh Merkel hat ja treffend gesagt: Fukushima verändert alles. Und das ist zwar nicht falsch, aber auch nicht unzutreffend. Und deshalb sage ich: Fukushima verändert alles, aber das ist noch nicht alles! Das heißt: mit dem Atomausstieg ist es nicht getan!

Denn was war das Problem in Fukushima? Die Brennstäbe in den Abklingbecken! Direkt über dem Reaktorblock hingen ja die abgebrannten Brennstäbe wie eine Achillesferse, Entschuldigung: wie ein Damoklesschwert, und zwar ohne ausreichendes Kühlwasser!

Und in diesen nicht mehr verwendeten Brennstäben loderte immer noch eine Glut! Eine kaum zu bändigende Energie, mühsam mit Wasser gekühlt, und ständig droht die Überhitzung!

Und das, liebe Neutronen, ist natürlich genau der Zustand, in dem ich mich befinde seit meinem Austausch aus dem Amt! Auch ich schwebe seitdem permanent an der Grenze zur Überhitzung über dem Kern des Regierungsgeschehens! Das hätte ich den Japanern vorher sagen können, dass da ein Risiko besteht!

Und als der Horst Seehofer gesagt hat, er will aus Fukushima Konsequenzen ziehen, da habe ich natürlich gedacht: jetzt ist es soweit...

Jetzt fahre ich endlich wieder in den Reaktor ein, also in die Staatskanzlei.

Ich habe ihn sofort angerufen und ihm gesagt, Horst, du kannst mich sofort hochfahren. Ich spalte jeden Kern! Die einzige mögliche Schlussfolgerung aus Fukushima ist mein sofortiger Ausstieg aus dem Rücktritt! Ich habe in meiner Amtszeit mehr Störfälle verursacht äh überstanden als alle europäischen Pannenreaktoren zusammen!

Und was hat er gesagt? Edmund, wir ham uns entschieden auszusteigen. Das gilt vor allem für die kältesten Eiler, äh ältesten Meiler. Also auch für dich.

Das Zauberwort lautet: besteuerbare Blasphemie, äh, erneuerbare Energie. Ich habe dann gesagt, auch gut, dann bringe ich mich da nach Kräften ein. Da war dann die Leitung plötzlich unterbrochen, aber ich habe trotzdem weitergesprochen. Bayern muss in Sachen Ökostrom in der Champions League spielen!

Ich habe daheim in Wolfratshausen bereits alles auf dieses Ziel ausgerichtet. Mein Hometrainer ist seit kurzem ans öffentliche Stromnetz angeschlossen. Seitdem speise ich bei meinem Frühsport zwischen halb fünf und halb sechs Energie ins Netz! Und zwar so viel, dass in dieser Zeit am Walchenseekraftwerk das Wasser hochgepumpt werden muss statt auf die Turbine zu laufen!

Weil sonst das Netz in die Knie geht! Außerdem heize ich mein Haus und die Garage und dazu noch die benachbarten Straßenzüge durch thermische Verbrennung der von mir bis sieben Uhr morgens gelesenen Akten!

Und mit dem Wind, den ich bis mittags um zwölf auf den Fluren in Brüssel verbreitet habe, lässt sich ein mittlerer Offshore-Park betreiben! Und das ganz ohne Schlagschatten! Damit treibe ich allein den Anteil der erneuerbaren Energien in Bayern auf fünfzig plus X!

Liebe Freunde, damit ist es natürlich noch nicht getan. Denn wie heißt es so schön: wer A sagt, muss auch dem B ein X für ein U vormachen. Und das bedeutet: es geht nicht nur darum, energisch zu zeugen, äh Energie zu erzeugen, sondern auch darum, Energie zu sparen.

Und da müssen wir natürlich alles vermeiden, was den Wirkungsgrad senkt. Wenn in einer Anlage die meiste Energie verpufft, weil ein Teil der Anlage anders gepolt ist als der Rest, dann produziert das Reibungsverluste! Also raus mit der FDP aus der Regierung!

Mit der Energie, die wir mit dieser Standesvertretung der Neureichen verschwenden, könnte man bayernweit in jedem Raum 24 Stunden am Tag mehrere 60-Watt-Birnen nebeneinander brennen lassen statt sie zu verbieten!

Spätestens nach der nächsten Landtagswahl braucht Bayern wieder die CSU-Alleinherrschaft! Damit der Motor wieder läuft wie geschmiert!

Und am besten wärs, die FDP würde gleich ganz rausfliegen aus dem Landtag, weil ein Verbleib nichts anderes wäre als permanter Standby-Betrieb, und das kostet bekanntlich besonders viel Strom!

Und was wir uns nicht mehr leisten können, das ist Energieverschwendung. Die Zeit der Supernova, die mit unglaublicher Blendkraft leuchtet und dann ohne jede Wirkung verpufft, diese Zeit ist vorbei! Sie merken, ich spreche von Karl-Theodor zu Guttenberg! Natürlich war der Karl-Theodor ein Riesentalent. Im Grunde genommen das größte politische Talent Bayerns seit den Zeiten, wo ein junger charismatischer Landtagsabgeordneter und promovierter Rechtswissenschaftler sich von Wolfratshausen auf den Weg gemacht hat, um die Isarauen von den Nackten zu befreien.

Wie oft habe ich dem Guttenberg gesagt, Karl-Theodor, du sollst einmal in meine Fußnoten treten. Rücktritte stapfen. Spreizfüße rücken.

Aber ich muss zugeben: auch ich habe diese Plagiatsaffäre am Anfang unterschätzt. Als ich gehört habe, der Guttenberg hat in seiner Doktorarbeit abgeschrieben, da habe ich zunächst Verständnis gehabt. Ein junger Familienvater, aufgerieben mit der Doppelbelastung seiner beiden Ämter: Adliger und von Beruf Sohn.

Wenn der bei seiner Doktorarbeit auf Standardwerke der Rechtswissenschaften zurückgreift. Sich bedient bei herausragenden Vertretern der Omnipotenz, äh Jurisprudenz. Da muss man Verständnis haben. Und außerdem steht ja auch in meiner Doktorarbeit einiges drin, was für den Guttenberg von großer Bedeutung sein musste.

Aber dann habe ich erfahren: der Guttenberg hat überhaupt nicht bei mir abgeschrieben! Der hat sich wirklich bei der kompletten deutschen Wissenschaftsgemeinde bedient und das halbe Internet verwurschtelt, nur von mir hat er keine Silbe übernommen!

Und da frage ich mich: Wo bleiben da die wissenschaftlichen Standards? Was wir brauchen, ist Laptop und Lederhose und nicht Copy und Paste!

Und das Schlimmste: mit seiner Dilletantion, äh Dissertation hat er diese Horde von Plagiatsjägern ja erst richtig angestachelt, überall nach Abgeschriebenem zu suchen! Und ausgerechnet bei meiner Tochter sind diese Wegelagerer des Urheberrechts fündig geworden. Und jetzt heißt deren Internetseite Vroniplag! Und meine Tochter heißt wieder Veronica statt Doktor! Und alles nur wegen dieser Mogelpackung aus Oberfranken!

Gut, im Nachhinein fragt man sich natürlich: hätte man nicht viel früher wissen müssen, dass bei dem Guttenberg irgendwas nicht stimmt? Und tatsächlich, wir alle waren blind. Gel in den Haaren und auf dem T-Shirt steht AC Blitz DC, wenn das nicht verdächtig ist, dann weiß ichs nicht!

Und wenn wir alle blind waren, dann bedeutet das natürlich, dass wir alle daraus lernen müssen! Der Fall Guttenberg zeigt: wer heute als Hoffnungsträger gilt, kann schon morgen als Windbeutel der Bettvorleger des Tigers sein!

Und das heißt natürlich im Umkehrschluss: Wer heute noch zum Alteisen gezählt wird, dessen Stern kann schon morgen wie Edmund aus der Asche wieder aufsteigen!

Und an mir werden sich diese Plagiatsjäger die Zähne ausbeißen! Ich habe im Jahre 1971 an der Universität München meine Dissertation eingereicht mit dem Titel „Der Hausfriedensbruch im Lichte aktueller Probleme“. Wobei ich gleich auf Seite drei darauf hingewiesen habe, ich zitiere, „dass der Sitz der Probleme im Deliktaufbau häufig ein verschiedener ist.“ Ja, glaubt denn irgendjemand im Ernst, dass man so was irgendwo abschreiben kann? Dass irgendjemand außer mir so formulieren würde? Eben!

Und deshalb, liebe Freunde, rufe ich Euch zu: Bayern braucht wieder Spitzenpolitiker, deren Doktorarbeiten unangreifbar sind. Deren Stern schon allein deshalb nicht morgen wieder verglüht, weil er bereits vorgestern untergegangen ist!

Im Vergleich zu mir sind der Ude und der Seehofer doch beide Pflegestufe drei!

Ich sage Ihnen, ich bringe Bayern noch einmal zum Leuchten!

Und der Gillamoos 2011 ist die Initialzündung! Das Ottenbräu wird sozusagen zum Geburtstrunk einer neuen Epoche! Und beim Ottenbräu zeigt sich, in Sachen Bier, da haben wir in Bayern die Kompetenzkompetenz, da können die in Brüssel einpacken mit ihrem Sadistenhut! Trappistensud!

Meine Mitarbeiter in Brüssel haben mir bereits versichert: Edmund, wir können jederzeit auf dich verzichten! Und ich sage: Ich bin bereit! Für Bayern! Für Abensberg! Für Frodo!

Entschuldigung, für eine frohe und erfolgreiche Zukunft!

Und gegen den Durst.

Prost!

 Wolfgang Krebs, 45 parodiert seit sieben Jahren wöchentlich den jeweils aktuellen Landesvater in der Sendung „quer- durch die Woche mit Christoph Süß“ jeden Donnerstag um 20.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen. Seit zwei Jahren gehört Krebs als Double von Horst Seehofer zum Nockherberg Ensemble. Im Radio hört man Wolfgang Krebs regelmäßig auf dem Bayern 3-Anrufbeantworter.

 

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