Interview

Waldhofs Sportchef Jochen Kientz: "Sechzig gehört in die Bundesliga"

Der Sportliche Leiter des nächsten Löwen-Gegners Waldhof Mannheim spricht in der AZ über seine Zeit als Spieler beim TSV 1860 unter Schleifer Lorant und lobt Köllner und Gorenzel: "Machen einen tollen Job."
| Matthias Eicher
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Kientz ist mittlerweile Sportlicher Leiter bei Waldhof Mannheim.
Kientz ist mittlerweile Sportlicher Leiter bei Waldhof Mannheim. © imago/foto2press

München - Jochen Kientz im AZ-Interview: Der jetzt 48-Jährige spielte 1993/94 und von 1997 bis 2000 beim TSV 1860, seit Ende 2017 ist der Sportliche Leiter bei seinem Jugendverein Waldhof Mannheim.

AZ: Herr Kientz, nach fünf Spielen ohne Niederlage, inklusive des 4:1-Spektakels gegen Tabellenführer Saarbrücken, folgte für Ihren Heimatverein Waldhof Mannheim, bei dem Sie der Sportliche Leiter sind, im Nachholspiel am Dienstag ausgerechnet bei Kellerkind Meppen ein 0:2. Verrückte Dritte Liga, oder?
JOCHEN KIENTZ: Ja, die Liga ist einfach so: Du musst immer alles abrufen, sonst gibt es nichts zu holen. Leider hat uns das Quäntchen Glück gefehlt: Bei uns geht der Ball an den Pfosten und springt wieder raus, Meppen trifft den Pfosten und er geht rein. So sehr uns das 4:1 gegen Saarbrücken gefreut hat, so ärgerlich ist es, wenn man ein Spiel unter Kontrolle hat und trotzdem verliert.

Kientz: "Die Löwen haben eine sehr, sehr gute Truppe"

Am Samstag muss der Waldhof zum Verfolger-Duell zweier Traditionsvereine beim TSV 1860 antreten.
Ich denke, beide Vereine könnten mehr Punkte auf dem Konto haben. Die Löwen haben eine sehr, sehr gute Truppe. Es wird ein schwieriges Spiel zwischen zwei Mannschaften, die beide einen offensiven Fußball spielen wollen. Wir müssen uns aber auch auf unsere Tugenden besinnen und den Kampf annehmen, sonst haben wir keine Chance.

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1994 schaffte 1860 mit Innenverteidiger Kientz die Rückkehr in die Bundesliga, zwischen 1997 und 2000 kickten Sie ein zweites Mal für die Löwen. Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie zurückdenken?
Ich hatte bei 1860 eine tolle Zeit. Von daher freue ich mich sehr, nach München zurückzukommen. Der Aufstieg war ein tolles Erlebnis, aber am meisten sind mir die Spiele im Uefa-Cup in Erinnerung geblieben. Von daher war die zweite Zeit für mich schöner. Ich kann mich an das Duell mit Rapid Wien (1997/98, d. Red.) erinnern: Damals habe ich Rot gesehen, aber der vierte Offizielle hat mich wieder auf den Platz geschickt und Marco Walker musste vom Feld. Sowas war damals fast unmöglich. Leider haben wir 0:3 verloren, aber das waren unvergessliche Europapokal-Nächte. Ich war bei 1860 aber auch lange verletzt und man sagte mir, ich muss meine Karriere beenden. Aber ich habe nie aufgegeben und später mit dem HSV Champions League gespielt - das war noch ein bisschen schöner.

Der Ex-Sechzger: Jochen Kientz spielte für die Löwen.
Der Ex-Sechzger: Jochen Kientz spielte für die Löwen. © imago/Höhne

Ex-Löwe Jochen Kientz: Der TSV 1860 gehört in die Bundesliga

Schleifer Werner Lorant dürften Sie auch nicht vergessen haben.
Nein. Werner war manchmal nicht ganz einfach, ein Mann der alten Schule. Aber er war erfolgreich. Das ist es, was zählt, davor muss man den Hut ziehen. Unter vier Augen war er ein guter Typ, ich hab ihm viel zu verdanken - auch, wenn ich nie ein Bierchen mit ihm getrunken habe. Was Alkohol betrifft, war ich im Vergleich zu manch anderen Spielern ein Vorzeigeprofi und trinke erst seit einigen Jahren manchmal ein Glas Rotwein. (lacht)

1860-Trainer Michael Köllner und Günther Gorenzel wollen sich nicht auf ein Saisonziel festnageln lassen, aber meinten kürzlich, die Rückkehr in die Bundesliga sei nur eine Frage der Zeit. Wie begegnen Sie der zweifellos auch in Mannheim enormen Erwartungshaltung?
Zuerst mal würde ich 1860 wünschen, wieder Bundesliga zu spielen. Es ist ein toller Verein, der dort hingehört. Uns würde ich es natürlich genauso wünschen. Wir versuchen beständig, uns weiterzuentwickeln. Aber mir wird man sowas nicht in den Mund legen können, denn ich denke: Vom Plappern steigt man nicht auf. Wir wissen, dass unsere finanziellen Voraussetzungen nicht allzu berauschend sind. Klar darf man träumen, das tun wir auch. Aber wir waren vor anderthalb Jahren noch in der Regionalliga und vorher für 16 Jahre in der Versenkung verschwunden. Jetzt sind wir wieder auf der Fußball-Landkarte zu finden und wollen unseren Weg Schritt für Schritt gehen.

Kientz: Köllner und Gorenzel machen einen tollen Job

Vor der Corona-Krise lagen Mannheim wie 1860 im Aufstiegsrennen. In der Frage, ob die Liga fortgesetzt werden soll, haben Sie verschiedene Positionen eingenommen. Gerade Ihr Geschäftsführer Markus Kompp hat sich mit manchen Aussagen keine Freunde gemacht. Wie denken Sie rückblickend betrachtet darüber?
Ich habe mich damals sehr zurückgehalten und diese Entscheidung auch nicht getroffen. Wir waren Zweiter und hatten einen guten Lauf. Wir hätten uns intern gewünscht, die Liga normal fortzusetzen. Wir waren aber auch der Meinung, dass es in allererster Linie um die Gesundheit geht und sind es noch. Wenn du am grünen Tisch aufsteigst, ist es halt so. Dazu würde kein Verein Nein sagen. Aber wir würden gerne fair aufsteigen. Wir sind aktuell in der Fairplay-Wertung mit das fairste Team der Dritten Liga, so wollen wir auch agieren.

Dabei hat es damals ganz schön gescheppert, auch zwischen 1860 und Mannheim.
Jeder hatte seine Interessen. Ich kann nur eines betonen: Es war nicht so, dass wir nur aufgrund des zweiten Platzes nicht mehr weiterspielen wollten. Heutzutage gibt immer jeder gleich seinen Senf dazu. Auch, wenn es sportlich nicht läuft, gibt es schnell auf die Kappe. Ich denke, jeder sollte ein bisschen mehr Respekt vor den handelnden Personen haben. Köllner und Gorenzel machen bei Sechzig einen tollen Job. Sie hatten in der letzten Saison eine tolle Serie. Ich glaube, 1860 kann froh sein, sie zu haben.

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