Interview

TSV 1860: Yannick Deichmann im AZ-Interview - "Wenn einer zufrieden ist, dann ist er hier falsch"

Neulöwe Deichmann spricht im AZ-Interview über seinen Auftakt bei 1860, sein Kämpferherz, die Lehren aus dem Pokalfight in Buchbach für das Duell mit Mannheim - und den Umgang mit der Tabelle.
| Matthias Eicher
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Yannick Deichmann kam im Sommer vom VfB Lübeck.
Yannick Deichmann kam im Sommer vom VfB Lübeck. © sampics/Augenklick

München - AZ-Interview mit Yannick Deichmann: Der gebürtige Hamburger (27) war beim letztjährigen Drittliga-Aufsteiger VfB Lübeck Stammspieler und wechselte dann im vergangenen Sommer zu Sechzig.

AZ: Herr Deichmann, wie wohl fühlt sich der Hamburger Jung', die Weiten des hohen Nordens gewöhnt, bei den Sechzgern, wo es ihn zuletzt in ein kleines, beengtes Buchbacher Stadion ins tiefste Bayern verschlagen hat?
YANNICK DEICHMANN: Was den Wohlfühlfaktor angeht, habe ich mich sehr gut eingelebt hier mit meiner kleinen Familie - mit meiner Freundin und unserem Hund in einer Wohnung in Trudering. Die Mannschaft hat es mir sehr leicht gemacht, da wir lauter gute Jungs haben und es ja keinen großen Umbruch bei Sechzig gab. Kein Grund also, mich nicht wohlzufühlen, obwohl es keine kleine Entfernung ist hoch in meine Heimat. Ich bin gerne im Grünen, war schon oft im Riemer Park und an der Isar. Kürzlich waren wir in den Bergen, in Pertisau am Achensee. Sensationell, wie schnell man in den Alpen ist. Kaum bin ich mit der Karwendelbahn hochgefahren, hab' ich da oben einen Löwenfan getroffen, der mich erkannt hat. (lacht)

Deichmann: "Dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen"

Womit wir schon wieder beim Sport wären: Beim Last-Minute-Sieg in Buchbach (3:2) haben Sie den Kopf gerade noch aus der Schlinge gezogen.
Solche Pokalfights sind immer schwierig. Das hatten wir mit dem VfB Lübeck in der Regionalliga Nord auch, wo es öfter in die Provinz ging. Ich habe mich vor dem Spiel mit meinem Kumpel Patrick Hobsch ausgetauscht, der mit Haching ebenfalls gegen Buchbach antreten musste (2:2, d. Red.). Ihm war auch schon vorher klar, dass es gegen solche Gegner knifflig werden kann. Auf dem Papier bist du immer der klare Favorit. Aber das heißt noch lange nicht, dass ein Sieg selbstverständlich ist, wie man am Pokal-Aus von Türkgücü gegen Aubstadt (1:3, d. Red.) gesehen hat. Von dem her sind wir einfach froh, dass wir uns in Buchbach trotz aller Widrigkeiten gegen die Niederlage gestemmt haben. Allen voran unser Kapitän Sascha Mölders, nachdem er reingekommen ist.

Hat 1860 damit nach sechs sieglosen Drittliga-Spielen in Folge die berühmte Kurve gekriegt?
Erstmal ist es unheimlich wichtig, dass wir die Basics abarbeiten, die Grundtugenden zeigen, und zwar immer, denn sonst gewinnt man kein Spiel! Erst recht nicht in der so engen Dritten Liga. Wir müssen alle weiter an uns arbeiten, den Fans etwas bieten. Natürlich hatten wir eine schlechte Phase. Aber wir dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen. Ich bin davon überzeugt, dass wir die Dinge bald wieder umsetzen können.

Deichmann: "Nützt alles nichts, wenn die Einstimmung nicht stimmt"

Am Samstag (14 Uhr) kommt Waldhof Mannheim. Wie muss 1860 auftreten, damit es gegen den Tabellen-Dritten ebenfalls mit einem Erfolgserlebnis klappt?
Jedes Spiel ist unglaublich umkämpft. Das wird es auch gegen Mannheim. Wir wissen, dass wir es auch spielerisch drauf haben, aber es nützt alles nichts, wenn die Einstellung nicht stimmt. Von daher müssen wir alles geben und dann werden wir nach den ganzen Unentschieden auch wieder Siege holen.

Der Titel "Remis-Könige der Liga" hängt Ihnen vermutlich zu den Ohren heraus.
Ja, natürlich! Wir zeigen immer wieder gute Dinge auf dem Platz, am Ende hat es trotzdem öfter nicht gereicht. Aber wir müssen auch ein Stück weit mit Spaß und Freude an die Sache herangehen und wir müssen positiv bleiben.

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Formuliert man es positiv, könnte man behaupten: Sechzig ist angesichts erst zweier Pleiten schwer zu schlagen...
Das schon, aber jeder weiß, dass wir von unserem Punkteschnitt her nicht zufrieden sind. Doch es bringt nichts, ständig auf den vergangenen Dingen herumzureiten. Wir müssen nach vorne blicken. Es ist jetzt so, wie es ist. Wir können nur beeinflussen, was jetzt kommt. Das ist erstmal Mannheim. Es ist unser Heimspiel, da wollen wir gegen einen starken Gegner ein richtig gutes Spiel abliefern.

Provokant gefragt: Muss 1860 nach 13 Punkten aus 13 Spielen den Aufstieg abhaken?
Darauf will ich gar nicht eingehen, denn es nutzt überhaupt nichts, jetzt große Reden zu schwingen. Die Dritte Liga ist unglaublich eng und wir tun uns keinen Gefallen, über das Thema Aufstieg zu sprechen. Wir müssen erstmal liefern.

Deichmann-Appell: "Müssen die ersten elf Spiele abhaken"

Wie kann das funktionieren, wenn man immer wieder mit der Tabelle, den Fans oder der eigenen Erwartungshaltung des Klubs konfrontiert wird?
Einen klaren Kopf zu behalten, ist wichtig. Die Ruhe zu behalten, ist wichtig. Positiv zu bleiben. Wie eben erwähnt: Wir müssen die ersten elf Spiele abhaken, nach vorne schauen und in die nächste Phase einsteigen.

Sprechen wir über Ihr persönliches Wirken: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Auftakt bei 1860?
Zuerst ist es nicht selbstverständlich, bei einem großen Traditionsverein so viel Spielzeit zu kriegen. Darüber freue ich mich wahnsinnig, aber das muss man in jedem Training rechtfertigen. Zufriedenheit ist Stillstand. Ich versuche lieber, an mir zu arbeiten, Luft nach oben gibt es immer. Ich will mich bestmöglich einbringen, wo ich gebraucht werde.

Deichmann spricht über Rolle als Aushilfs-Rechtsverteidiger

Leistungsträger Marius Willsch und Neuzugang Kevin Goden sind langsam wieder fit. Kämpfen Sie um den Platz des Rechtsverteidigers oder drängen Sie ins offensive Mittelfeld, wo Sie eigentlich zuhause sind?
Es ist das Allerwichtigste, dass alle wieder fit sind. Ich will meine Leistung auf allen Positionen bringen. Natürlich habe ich meine Qualitäten eher im offensiven Bereich, wo ich oft gespielt habe. Aber ich hab' mein Zweitligadebüt als Innenverteidiger gefeiert (2015 mit St. Pauli beim 3:2 gegen Greuther Fürth, d. Red.), habe außer Torhüter alle Positionen durch. Das ist auch gut so, denn sonst würde ich meine eigenen Bedürfnisse vor das Team stellen. Wenn das jeder so machen würde, wie soll man dann erfolgreich sein?

Sie haben, passend zu Ihrem Sternzeichen Löwe und einem Löwen-Tattoo auf der Schulter, nach Ihrem Wechsel zu 1860 von Ihrem großen Kämpferherz gesprochen. Wie bitter waren gerade für Sie die Fan-Sprechchöre nach dem 0:2 gegen Zwickau: "Wir wollen euch kämpfen sehen"?
Die Fans müssen sehen, dass du alles auf dem Platz lässt, was du hast. Wenn es trotzdem nicht gereicht hat, ist es eben so. Ich finde es schön, wenn sie meine Leistungen honorieren. Aber wenn die Fans keinen Kampfgeist auf dem Platz sehen, ist es schwer, zu widersprechen. Es ist doch logisch, dass ein gewisser Frust da ist. Ob Mannschaft, Trainer oder Fans: Wir sind alle nicht glücklich mit der Punkteausbeute. Natürlich sollte unser Anspruch ein anderer sein, als die Tabelle aussagt. Wenn jetzt einer von uns sagen würde, dass er zufrieden ist, dann ist er hier falsch und spielt beim falschen Verein.

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