TSV 1860: Punkte und Kohle: Was die Löwen hamstern wollen

Trotz Weigl-Millionen will der TSV 1860 auf Winter-Neuzugänge verzichten. "Wir sehen keine Notwendigkeit", sagt Sportchef Gorenzel.
| Matthias Eicher
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Bleibt er doch? Sascha Mölders.
firo/Augenklick Bleibt er doch? Sascha Mölders.

Goldene Mähne, imposantes Erscheinungsbild. Der Löwe ist der König des Tierreichs. Beim TSV 1860 haben sie ihn im Wappen. Aktuell dient den Sechzgern aber ein kleineres, niedlicheres Nagetierchen als Vorbild.

Donnerstagmittag, 13 Uhr, Jahresauftakt-Pressekonferenz mit Chefcoach Michael Köllner und Günther Gorenzel, Geschäftsführer Sport. Nach der vorwinterlichen Aufholjagd (sieben Spiele in Serie ohne Pleite) und dem Geldregen dank Julian Weigls Wechsel von Borussia Dortmund zu Benfica Lissabon (etwa anderthalb Millionen für den TSV) hätte sich die sportliche Leitung der Giesinger auch angriffslustig zeigen können. Köllner und Gorenzel gaben sich zurückhaltend.

1860 hamstert, statt zu träumen: Köllner will nicht zu viel versprechen

"Die Bäume dürfen nicht in den Himmel ragen. Wir tun gut daran, uns ein Fundament anzueignen, unser Polster zu vergrößern", sagte Köllner, um dann das neue tierische Vorbild zu nenen: "So ähnlich wie ein kleiner Hamster." Die Löwen machen’s wie die Hamster – und zwar in doppelter Hinsicht.

Köllner meinte die sportliche Entwicklung des TSV, der nach der Demission von Trainerikone Daniel Bierofka schier entzweizubrechen drohte. "Als ich hier unterschrieben habe, war Sechzig Fünfzehnter. Der Tenor war: Wenn man nicht sofort zwei, drei Winter-Neuzugänge holt, ist die Mannschaft kaum in der Liga zu halten", blickte der 50-Jährige zurück, "jetzt haben wir schon neun Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze." Und das, obwohl das Punktesammeln wegen Überzahl-Gegentoren und Verletzungen suboptimal ausgefallen war. Die Aufstiegs-Attacke fällt dennoch aus. Köllner dazu: "Ich will jedes Spiel gewinnen. Aber wenn wir jetzt sagen, wir wollen Platz eins oder drei attackieren, da musst du schon Drogen nehmen, um das zu machen." Lieber hamstern als träumen.

Weigl-Millionen sollen für Transfers dienen, aber nicht im Winter

Gorenzel war es vorbehalten, über die Finanzen zu sprechen. "Das neue Jahr hat auch aus kaufmännischer Sicht gut begonnen: Wir konnten durch den Weiterverkauf von Julian Weigl mehrere Erlöse erzielen", erklärte der 48-Jährige und verwies darauf, dass man auch bei Marin Pongracic (RB Salzburg), der 1860 im Falle eines Wechsels zum VfL Wolfsburg einige hunderttausend Euro einspielen könnte, die Ohren aufgesperrt habe. Anstatt im Winter überhastet aufzurüsten und alles auf eine Karte zu setzen, solle die Weigl-Kohle (und der Pongracic-Bonus) weise eingesetzt werden. Dabei stellte Gorenzel drei Dinge klar.

Erstens: Der Geldregen soll nicht dafür verwendet werden, irgendwelche Löcher im weiß-blauen Hamsterbau zu stopfen: "Der Erlös aus dem Sport soll im Sport bleiben." Zweitens: Gemäß der Mechanismen des Profifußballs soll das Zubrot 2020/21 UND 2021/22 weiterhelfen. "Wir können keine seriöse Planung über ein Jahr machen, da wir nicht nur Einjahresverträge schließen können", so Gorenzel. Drittens: Winter-Transfers aus Aktionismus? Nicht mit dem Österreicher: "Neuzugänge im Winter machen Sinn, wenn man Kurskorrekturen vornehmen muss. Wir sehen diese Notwendigkeit nicht." Allenfalls "Vorgriffe" auf die kommende Spielzeit könne es geben. Etwa, sollte ein würdiger Nachfolger für Torjäger Sascha Mölders hergehen.

Bleibt er doch? Sascha Mölders.
Bleibt er doch? Sascha Mölders. © firo/Augenklick

Gorenzel deutete aber auch an, mit dem 34-Jährigen über eine Weiterverpflichtung zu sprechen: "Wir sind aktuell mit interessanten Spielern aus unserem Bestandskader und mit externen Spielern in Gesprächen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass viele Spieler des aktuellen Kaders auch nächste Saison hier spielen." Ob Mölders, der gestern aus "alterstechnischen Gründen" (Köllner) pausierte, zu den dabei interessanten Akteuren gehöre, könne sich "jeder selbst ausmalen."

Pikant: Wie Gorenzel erklärte, liege der Etat der nächsten Spielzeit – Stand jetzt – trotz des Weigl-Deals unter dem aktuellen (ca. drei Millionen). Neben Pongracic bleibt mit Felix Uduokhai (VfL Wolfsburg) nur noch ein Ex-Sechzger, der etwas abwerfen könnte. Wenn die stolzen Löwen also irgendwann nicht nur hamstern wollen, braucht es weitere Finanzspritzen.

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