TSV 1860 München: Streit zwischen Ismaik und BfV - Bratwurst-Alarm

Investor Hasan Ismaik legt Beschwerde gegen 50+1 ein. "Ich klage in Deutschland, wenn das nicht genügt, dann ziehen wir vor den Europäischen Gerichtshof." Steigt ein Münchner Milliardär ein?
| Patrick Mayer
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Streiten sich: Hasan Ismaik und BfV-Präsident Rainer Koch.
Augenklick/Rauchensteiner Streiten sich: Hasan Ismaik und BfV-Präsident Rainer Koch.

München - Er zieht es also durch. Hasan Ismaik hat beim Bundeskartellamt Beschwerde gegen die 50+1-Regel eingelegt. Diese soll bekanntlich davor schützen, dass der Fußball zum Renditeobjekt von Investoren wie Ismaik wird. "Diese Regel ist eine Scheinregel, die den deutschen Fußball nicht schützt, sondern ihm extrem schadet", schrieb Ismaik. Anschließend legte er via SZ nach: "Ich klage zunächst in Deutschland, wenn das nicht genügt, dann ziehen wir vor den Europäischen Gerichtshof." Dem Fußball und den Löwen droht eine Revolution.

Frontalangriff auf den e.V.

Dabei hat der TSV 1860 mit der Beschwerde nichts zu tun, der Schaden ist dennoch immens. Schließlich waren es die Sechzger, die den dubiosen Investor holten. Ismaik teilte nun gegen DFL, DFB und Löwen aus. Hätte er den Verein vorsätzlich abstürzen lassen, "hätte ich die Fälligkeit meiner Darlehen nicht zurückgestellt. Die Konsequenz wäre die Insolvenz gewesen. Ich habe mich entschlossen, die Klage gegen diese aberwitzige 50+1-Regel einzureichen."

Dann folgte ein Frontalangriff gegen den e.V. "Beim TSV 1860 verstecken sich ehrenamtliche Funktionäre hinter 50+1. Sie verwalten meine Millionen und lachen mich aus. Eigentlich sollten Fußballvereine wie Wirtschaftsunternehmen geleitet werden, von Profis. Bei 1860 dagegen wird der Verein wie eine Würstchenbude geführt." Ismaik torpedierte damit alle Versuche von Geschäftsführer Markus Fauser, den Streit zwischen den Gesellschaftern zu beruhigen.

Präsidium und Verwaltungsrat reagierten hochgradig verärgert. Das dürfe nicht einfach so hingenommen werden, erfuhr die AZ, schließlich sei es Ismaik, der den Verein an die Wand gefahren habe. In der Tat vergaß Ismaik, dass er reihenweise Geschäftsführer, Sportdirektoren und Trainer einsetzte – und aktionistisch wieder feuerte.

Und er ließ unerwähnt, dass eine Insolvenz der KGaA vor allem ihn als Hauptgläubiger getroffen hätte. Laut SZ hat er ferner durch die gewährte Stundung ein Druckmittel in der Hand. Demnach habe ein neuer Darlehensgeber keinerlei Sicherheit, dass er sein Investment jemals wiedersehe, solange Darlehen von Ismaik bestünden.

Münchner Milliardär will bei Sechzig einsteigen

Wie die SZ berichtet, steht der Münchner Milliardär Gerhard Mey, der sein Geld mit Autodächern verdient und 50 Prozent von Webasto hält, als Löwen-Retter bereit. "Es ist ein unglaubliches Unglück, dass dieser Traditionsklub so unter die Räder geraten ist. Ich will ihn gerne dorthin führen, wo er hingehört, in die Bundesliga. Wir dürfen nicht bummeln und müssen sofort wieder raus aus der Regionalliga. Ich würde bei 1860 aus Leidenschaft einsteigen", sagte er.

Ismaik hat wohl gute Aussichten

Doch noch blockiert Ismaik. Deshalb ist auch der für den 23. Juli anvisierte Termin für die Mitgliederversammlung in Gefahr. Dem nicht genug. "Ismaik hat sehr gute Chancen. Die 50+1-Regel hat aus kultureller und historischer Sicht sicher ein Existenzrecht, aber mittlerweile gibt es zu viele Ausnahmen und Sonderregelungen, so dass man aus rechtlicher Sicht Probleme bekommt", sagte Sport-Business-Experte Thomas H. Rudy. Auch laut Sportrechtler Michael Lehner hat Ismaik gute Aussichten. "Ist es richtig, dass der marode Verein einen Dummen mit vielen Millionen findet, den man dann, wenn es nicht läuft, wieder ohne eigenen Schaden und ohne eigene Haftung loswerden möchte?", argumentierte er. Entweder werde ein Gericht 50+1 kippen oder die Bundesliga müsse einem Gerichtsbeschluss zuvorkommen, meinte Rudy.

Den Weg über die Gerichte will Ismaik notfalls gehen, er brachte sich bereits gegen die Verteidiger in Stellung. "Besonders enttäuscht mich die Haltung von Dr. Rainer Koch", wetterte er gegen den Präsidenten des BFV. Die AZ erreichte diesen in Russland, wo Koch beim Confed Cup weilte. "Das machen andere auch", meinte er zur Attacke gegen ihn. Er werde am Montag zur Regionalliga-Sitzung zurückreisen und sich dann mit seinen BFV-Kollegen besprechen. Patrick Mayer

Lesen Sie hier: Wie der Transfer von Uduohkai das Löwen-Team sicherte

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