So denkt Ex-Löwe Aygün über den Sparplan

Ex-Löwe Necat Aygün, einst Sportchef bei 1860, spricht über den Sparplan: "Wenn der Geldhahn zugedreht wird, wird es zum Problem für den ganzen Verein."
| Interview: Matthias Eicher
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Müssen kommende Saison mit weniger Etat auskommen: 1860-Sportgeschäftsführer Gorenzel (l.) und Trainer Bierofka. Ex-Löwe Necat Aygün sieht das kritisch.
sampics, imago/MIS Müssen kommende Saison mit weniger Etat auskommen: 1860-Sportgeschäftsführer Gorenzel (l.) und Trainer Bierofka. Ex-Löwe Necat Aygün sieht das kritisch.

Ex-Löwe Necat Aygün, einst Sportchef bei 1860, spricht über den Sparplan: "Wenn der Geldhahn zugedreht wird, wird es zum Problem für den ganzen Verein." Er hofft, dass sich der e.V. und Ismaik einigen.

München - Der 39-jährige Münchner Necat Aygün spielte lange für den TSV 1860. 2015 übernahm er interimsmäßig als Sportdirektor. Mittlerweile ist er mit seiner Berateragentur NA-Sports und seinen Kinderkrippen WeKita-Bayern selbstständig.

AZ: Herr Aygün, was ist der größte Alptraum für einen Kaderplaner, wenn die nächste Transferperiode naht?
NECAT AYGÜN: Ich kann mir schon vorstellen, worauf Sie hinauswollen: Wenn man Spieler braucht und auch Möglichkeiten hätte, sie zu holen, aber nicht das nötige Kleingeld hat. Oder sogar welche hergeben muss, die man eigentlich behalten will. Ich kenne das leider auch aus meiner Zeit an der Grünwalder Straße.

Erzählen Sie mal.
Im Januar 2016 steckten wir tief im Abstiegskampf und brauchten dringend Verstärkung. Oli Kreuzer (damaliger Sportchef, d. Red.) und ich konnten aber nicht viel tun, weil Sechzig nicht die Mittel hatte. Es haben sogar ein paar Hunderttausend Euro für die Lizenzierung gefehlt. Wir mussten dann Marius Wolf verkaufen, um die Lizenz zu sichern – und Spieler wie Sascha Mölders, Jan Mauersberger holen zu können. Zum Glück haben wir am Ende den Klassenerhalt geschafft.

Aygün über das neue Budget

Die Löwen haben sich derzeit einen Konsolidierungskurs ohne weitere Darlehen von Investor Ismaik verordnet. Können Sie erklären, wohin es führt, den Spieleretat deutlich reduzieren zu müssen?
Welches Budget hat Sechzig denn für nächste Saison?

Nach unseren Informationen sind es für den Kader rund drei Millionen, 2020/21 Stand jetzt nur noch 2,5 Millionen.
Damit kriegst du keine aufstiegsreife Mannschaft zusammen. Das ist für die Planung eine Katastrophe. Wenn du Spieler hast, mit denen du planst, die du weiterentwickeln kannst und die vor allem auch bleiben wollen, das ist ganz wichtig. Es ist das Schlimmste, was einem Trainer oder Sportdirektor passieren kann: Du baust dir eine Mannschaft auf und statt sie jetzt weiter zu entwickeln, kannst du zusehen, wie sie auseinandergerissen wird. Wenn man das jetzt so durchzieht, hat das auch Auswirkungen für das übernächste Jahr.

Stichwort Vertragsverlängerungen?
Genau. Viele Verträge hätten schon längst verlängert werden müssen. Das wollten Bierofka und Gorenzel ja auch tun, soweit ich weiß. Aber wenn dir jetzt die Hände gebunden sind, kriegst du auch in der kommenden Saison ein Riesen-Problem. Und zwar, weil dann viele Spieler ablösefrei wären und 1860 noch nicht einmal etwas für sie kassieren würde. Das Thema Ablösesummen ist ohnehin schon ein Problem, falls sie jetzt hoffen, Talente verkaufen zu können: Für einen Drittligaspieler ist es sehr, sehr schwer, eine hohe Ablöse zu generieren.

Aygün: "Alle müssen sich mal zusammenreißen"

Mit anderen Worten: Die Löwen müssten im Bestreben, die "Draufzahl-Liga" Drei schnellstmöglich zu verlassen, also alles auf eine Karte setzen?
Der Weg ist jedenfalls erfolgversprechender als die Alternative. Nach dem Aufstieg hast du jetzt Fuß gefasst in der Liga und müsstest jetzt genau ansetzen, Geld sinnvoll investieren, um zu sagen: Wir pirschen uns an die Aufstiegsränge heran. Manche Spieler haben ja vorher noch nie Dritte Liga gespielt. Sie sind jetzt erfahrener und reifer geworden. Hiller, Paul, Weber, Steinhart, Wein, Bekiroglu – man hat ein Gerippe, das noch über Jahre zusammenspielen könnte. Klar, ein Führungsspieler wie Sascha Mölders wird nicht jünger. So einen brauchst du auch und den kann man nicht aus dem Hut zaubern. Aber wenn man diese Mannschaft jetzt erhalten und punktuell verstärken würde – mit zwei, drei, vier Neuverpflichtungen, könnte sie es unter Biero weit bringen. Aber dazu musst du flüssig sein. Wenn der Geldhahn zugedreht wird, wird das zum Problem für den ganzen Verein.

Bierofka scheint aus vereinspolitischen Gründen nicht die Möglichkeit zu bekommen, die von Ihnen beschriebene Weiterentwicklung vorantreiben zu können.
Ich hoffe, dass sich das Verhältnis da oben zwischen e.V. und Ismaik irgendwie verbessert. Man muss kompromissbereit sein – aber dabei müssen beide Seiten mitspielen. Man muss endlich an einem Strang ziehen. Von außen hört sich das so einfach an. Ich habe intern miterlebt, wie schwierig das ist. Aber zum Wohlwollen für Sechzig müssen sich alle mal zusammenreißen. Wenn das nicht passiert, gehst du über die Jahre wieder nach unten.

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