Seehofers Löwen-Tricks

Der Ministerpräsident, die Misere der Sechzger und parteipolitische Spielchen...
| Angela Böhm
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Ministerpräsident Horst Seehofer schlachtet die Löwenrettung für sich aus.
dpa Ministerpräsident Horst Seehofer schlachtet die Löwenrettung für sich aus.

BayernLB und Stadtsparkasse können den TSV 1860 nicht retten.  Der bayerische Ministerpräsident weiß  das und schlachtet 1860 für seine parteipolitischen Spielchen aus.

München - Früher war das in Bayern ganz einfach. Wenn kein anderer Geldgeber mehr einspringen wollte, rief ein Mitglied der CSU-Staatsregierung bei der BayernLB an - schon flossen die Milliarden. Auch wenn der Steuerzahler dann einspringen musste nach der Milliarden Pleiten um Medienmogul Leo Kirch oder die österreichische Skandal-Bank Hypo-Alpe-Adria. Doch diese Zeiten sind vorbei. Deshalb gibt’s auch kein Steuer-Geld für die Rettung des TSV 1860.


Horst Seehofer weiß ganz genau, dass sich das weder die Staatsregierung noch die BayernLB leisten kann. Doch der CSU-Chef und Ministerpräsident tut wieder mal das, was er am besten kann. Er zockt. Selbst gibt Seehofer den Retter. Den schwarzen Peter schiebt er anderen zu: Die Blockierer sind sein Koalitionspartner Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) und Münchens OB Christian Ude (SPD). Unterstützt wird Seehofer dabei von Uli Hoeneß, dem schlitzohrigen Manager des FC Bayern. Der machte noch nie einen Hehl daraus, dass es für ihn nur die CSU gibt und Liberale und Genossen ein rotes Tuch sind.


Hoeneß will die Löwen retten, um 50 Millionen Euro für den FC Bayern zu retten. Was sind dagegen schon läppische acht Millionen Altschulden, auf denen die Löwen jetzt sitzen? So tüftelten Seehofer und Hoeneß einen geschickten Trick zur Rettung aus: Der FC Bayern gibt der BayernLB acht Millionen Euro. Die zahlt dafür zwei Prozent Zins. Die acht Millionen gibt sie an den TSV 1860 weiter und verlangt dafür vier Prozent. Klingt gut, hat aber einen Haken: Können die Löwen die Millionen nicht zurückzahlen, ist das Geld für die Staatsbank futsch. Der FC Bayern aber kann seine acht Millionen jederzeit von der BayernLB zurückfordern. Bürgen will Hoeneß nämlich für die Löwen nicht. Das Risiko überlässt er lieber den Steuer-Zahlern.


Die LfA Förderbank Bayern sollte es übernehmen. Die gehört auch dem Freistaat. Ihr Verwaltungsratschef ist Wirtschaftsminister Martin Zeil. Zu dem Gremium, in dem auch die beiden CSU-Staatssekretäre Franz Josef Pschierer (Finanzen) und Markus Sackmann (Soziales) vertreten sind, hat Seehofer einen ganz besonders engen Kontakt: Sein Bruder Dieter Seehofer, der Vorstandschef der Sparkasse in Ingolstadt, sitzt auch im LfA-Verwaltungsrat. Von ihm lässt sich der Ministerpräsident besonders in Geldangelegenheiten beraten. Sicher hat ihm sein Bruder erzählt, dass das Gremium schon im Herbst einstimmig beschlossen hatte, dass es „eine Förderung des Profisports generell ablehnt”.

Und Altschulden darf die staatliche Förderbank eh nicht finanzieren. Aber bleibt ja noch der politische Gegner, dem man nun alle Schuld zuschieben kann: Münchens OB Christian Ude, der über die Stadtsparkasse herrscht und ein Blauer ist. Hoeneß und er bekriegen sich seit Jahren. Der OB urlaubte lieber auf Mykonos als die Roten bei der Titelfeier auf dem Rathausbalkon zu empfangen. Das machte Hoeneß rasend. Doch was für die BayernLB gilt, muss auch für die Stadtsparkasse gelten. Steuergelder kann es weder von den Bayern noch von den Münchnern für die Löwen-Rettung geben.

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