Interview

Löwe Neudecker über Corona-Folgen: "Ich muss atmen wie ein Tier"

Löwen-Spielmacher Richard Neudecker spricht im AZ-Interview über seine Corona-Erkrankung, ungeimpfte Profis wie Bayerns Joshua Kimmich und Sechzigs brisantes Keller-Duell mit Duisburg.
| Matthias Eicher
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Hat trotz Impfung Corona bekommen: Richard Neudecker. (Archivbild)
Hat trotz Impfung Corona bekommen: Richard Neudecker. (Archivbild) © sampics / Stefan Matzke

München - AZ-Interview mit Richard Neudecker: Der 25-jährige Altöttinger steht den Löwen nach seinem Impfdurchbruch wieder zur Verfügung.

AZ: Herr Neudecker, die wichtigste Frage, gerade in diesen Zeiten: Wie geht es Ihnen, welche Nachwirkungen spüren Sie noch von Ihrer Corona-Infektion?
RICHARD NEUDECKER: Danke, mir geht's mittlerweile gut soweit. Ein paar Kleinigkeiten sind es noch, aber ich bin sehr froh darüber, endlich wieder auf dem Fußballplatz stehen zu dürfen.

Neudeckers Power kommt zurück

Kleinigkeiten? Welche Probleme verspüren Sie noch?
Ich habe manchmal Kopfschmerzen und bekomme relativ schnell Schnupfen. Hin und wieder drückt es in der Brust - und atmen muss ich halt wie ein Tier. Aber ich merke von Tag zu Tag, wie die Kraft, die Power zurückkommt. Ich kann das Training jetzt schon wieder komplett durchziehen.

Nehmen Sie uns doch mal mit, wenn Sie an die zweiwöchige Quarantäne zurückdenken: Wie haben Sie es ausgehalten, welche neuen Hobbys entwickelt?
Für mich war sehr wichtig, dass ich mir eine Struktur zurechtlege: Ich habe versucht, täglich um 8 Uhr aufzustehen und vor Mitternacht ins Bett zu gehen. Das ist mir auch so gut wie immer gelungen. Solche Anhaltspunkte braucht jeder, damit er nicht die Kontrolle über sein Leben verliert. (lacht) Ich habe versucht, mich fit zu halten, habe viel gelesen. Die Zeit ist schon irgendwie vergangen, aber besonders fies war es, die Mannschaft spielen zu sehen: Es tut schon weh, wenn du auf der Couch liegst und nur zuschauen kannst. Wenn du siehst, dass wir es gut machen, in Saarbrücken mit 1:0 führen - und dann noch das 1:1 kriegen. Du denkst dir: Verdammt, ich will dabei sein und mithelfen, dass wir gewinnen.

Keine Angst vor Long-Covid

Eine Studie besagt, dass Fußballer nach Corona nicht mehr so leistungsfähig sein könnten. Haben Sie Angst vor Nachwirkungen oder Long-Covid?
Ich schätze, ich werde nach den Spielen noch ein bisschen müder sein als der Rest. (lacht) Aber im Ernst: Ich hatte ja zum Glück einen milden Verlauf und keine allzu großen Beschwerden. Jetzt sind meine Fortschritte schon so gut zu sehen, dass ich da keine Bedenken mehr habe, gar nicht mehr spielen zu können.

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Die Corona-Zahlen steigen derzeit rasant. Bei den Blauen ist nach unseren Informationen mittlerweile jeder Spieler geimpft, die Diskussion bei den Roten über mehrere ungeimpfte Spieler um Joshua Kimmich dürfte an Ihnen nicht vorübergegangen sein. Wie denken Sie darüber?
Da halte ich mich lieber raus. Für mich kann ich sagen: Ich habe auf den Rat unserer Ärzte gehört und mich impfen lassen - und habe mich trotzdem infiziert. Ich bin froh über die Impfung, denn wer weiß, wie es sonst gekommen wäre. Ich finde, wir sollten uns alle an die Regeln halten, um niemanden zu gefährden.

Neudecker über eine Impfpflicht für Fußballer

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat eine Impfpflicht für den Fußball angeregt. Wie stehen Sie als Profi dazu?
Ich finde, dass jeder machen sollte, was er für richtig hält und selbst entscheiden, wie er mit seinem Körper umgeht. Mir war wichtig, mich impfen zu lassen. Ansonsten sollte sich jeder an die aktuellen Hygieneregeln halten.

Sprechen wir über den Fußball: Viele Sechzger-Fans hatten nach den drei starken Auftritten gegen Saarbrücken, Schalke (1:0) und Freiburg II (6:0) vermutlich schon an eine Aufholjagd gedacht. Es folgte der Rückschlag beim VfL Osnabrück (1:3).
Da haben wir wohl alle schon geglaubt, wir haben die Trendwende geschafft. Zum Glück haben wir gegen Schalke und Freiburg extrem stark gespielt - und gewonnen. Als Stefan Lex dann in Osnabrück das 1:0 geschossen hat, dachte ich auch: "Jawoll, Bock umgestoßen!" Es hat extrem wehgetan, was danach passiert ist. Jedenfalls bin ich mir sicher: Man wird von der Mannschaft eine Antwort auf diesen unerklärlichen Leistungseinbruch geben!

Wird gegen Duisburg ein Comeback gefeiert?

Am Samstag steht das Sechs-Punkte-Spiel gegen den MSV Duisburg auf dem Programm (14 Uhr). Sind Sie schon fit genug für den Abstiegskampf?
Gute Frage: Man will natürlich immer spielen, das ist ja klar. Der Trainer wird da schon wissen, wie schnell und wie lange er mich wieder reinwerfen kann. Jetzt bin ich jedenfalls sehr heiß darauf, endlich mein Comeback zu feiern! Ich vermisse es sehr, das Löwen-Trikot überzuziehen, rauszugehen und auf dem Rasen zu stehen.

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In der vergangenen Saison haben Sie im Heimspiel gegen Duisburg mit 0:1 verloren. Denkt man vor so einem Duell nochmal zurück, wo man die fehlenden Punkte für den Aufstieg hat liegenlassen?
Nein, überhaupt nicht. Wir waren in der ersten Halbzeit viel besser und am Ende haut uns der Stoppelkamp (Ex-Löwe Moritz Stoppelkamp, Anm. d. Red.) einen rein. Das war sehr bitter. Aber wenn wir jetzt noch keinen Schlussstrich unter die letzte Saison gezogen haben, wann dann? Es bringt überhaupt nichts, daran zurückzudenken.

Aufholjagd für die Löwen

Trainer Michael Köllner hat kürzlich erklärt, dass er noch an eine Aufholjagd und einen möglichen Aufstieg glaubt. Wie schaut's bei Ihnen aus?
Ich finde auch, dass wir die Qualität haben, um so eine Aufholjagd zu starten. Wir stehen auf Platz 16. Ich sage: Wir müssen langsam auch mal eine Serie starten, damit wir da unten endlich rauskommen. Noch weiter reinzurutschen, wäre nicht so geil.

Nach Duisburg folgt das Duell mit Drittliga-Schlusslicht TSV Havelse. Sind das zwei Pflichtsiege?
Überhaupt nicht. Duisburg hat eine Top-Mannschaft, die da unten eigentlich nichts verloren hat. Havelse ist zwar Letzter, aber das sind beides harte Spiele, in denen wir alles raushauen müssen. Da braucht keiner von uns zu denken: "Wir sind was Besseres!" Zum Glück haben wir auch noch das Nachholspiel gegen Waldhof Mannheim in der Hinterhand. Aber eins nach dem anderen. Wir haben jetzt was gutzumachen. Man muss ganz klar sagen: Wir haben spielerisch letzte Saison ein anderes Gesicht gezeigt. Jetzt müssen wir erstmal die Basics erledigen und uns alles wieder erarbeiten.

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