Interview

Klaus Fischer: "Sechzig gegen Schalke - das ist für mich Erste Liga"

Schalke-Ikone Klaus Fischer spricht in der AZ über den Pokal-Kracher, seine Zeit bei 1860 sowie das Torjäger-Duell Sascha Mölders gegen Simon Terodde – inklusive Kritik an der "Wampe von Giesing".
| Matthias Eicher
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Schalke-Legende Klaus Fischer.
Schalke-Legende Klaus Fischer. © dpa

München - Klaus Fischer (71) ist drittbester Torjäger überhaupt in der Bundesliga. 1970 wechselte er vom TSV 1860 zum FC Schalke 04. Die AZ hat mit ihm gesprochen.

AZ: Herr Fischer, DFB-Pokal, Zweite Runde, Sechzig gegen Schalke – wie sehr haben Sie sich gefreut, als die Losfee diesen Kracher zweier Traditionsklubs deutschen Fußballs gezogen hat?
KLAUS FISCHER: Ich habe mich sehr gefreut! Ich habe es schon direkt bei der Auslosung mitbekommen und mir dieses Los gewünscht. Es ist eine tolle Sache, wenn zwei deiner Ex-Vereine gegeneinander antreten – erst recht, wenn man gute Erinnerungen an diese Klubs hat.

Gehen wir es chronologisch an: Zwischen 1968 und 1970 schossen Sie Ihre Tore für die Löwen, konnten aber den Abstieg nicht verhindern.
Wir hatten damals anfangs eine tolle Mannschaft: Radi (Petar Radenkovic, d. Red.), Peter Grosser, Fredi Heiß, Hans Reich, Hansi Rebele – und ich hatte dort als junger Kerl, der gerade aus Zwiesel kam, zwei Lehrjahre. Ich konnte mit meinen 18 Jahren ganz gut mitspielen und habe 19 Tore geschossen. Damit bin ich unter den besten Torjägern der Liga an dritter Stelle gewesen, aber leider hat es trotzdem nicht gereicht.

Die Sechzger waren 1966 ja noch Meister. Weshalb ist es mit dem TSV damals den Bach runtergegangen?
Gute Frage. Wie es immer ist, wenn eine Mannschaft absteigen muss: Es wurden viele Fehler begangen. Damals hat man Fritz Langner als Trainer geholt. Der hat mit seiner Art und mit seinem Training gar nicht zu uns gepasst. Trotzdem hat man zu lange an ihm festgehalten (bis November 1969, d. Red.) Danach ist es besser geworden, aber leider mussten wir trotzdem absteigen.

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Nach dem Abstieg wechselten Sie direkt zum FC Schalke 04. Hätte 1860 damals die Klasse gehalten, wären Sie geblieben?
Wenn Sechzig das geschafft hätte, wäre ich wahrscheinlich geblieben. Möglicherweise hätte sich alles ganz anders entwickelt, aber das werden wir wohl nie erfahren. (lacht) Natürlich wollte ich als junger, fußballbegeisterter Kerl unbedingt Bundesligaspieler bleiben. Wenn dann auch noch gute Angebote kommen, wechselst du eben. Ich hoffe, die Löwenfans sind mir nicht böse.

Bei den Königsblauen hatten Sie Ihre beste Zeit, sind Vizemeister und Pokalsieger geworden.
Ich konnte mich dort weiterentwickeln, wir haben tolle Erfolge gefeiert (295 Spiele, 182 Tore, d. Red.). Ich wohne auch seit 51 Jahren dort. Also kann man schon sagen: Schalke ist mein Verein.

Sie sind mit 268 Toren hinter Gerd Müller und Robert Lewandowski nicht nur drittbester Bundesliga-Torjäger aller Zeiten, Ihre Spezialität war der Fallrückzieher – vier Tore liefern Zeugnis davon ab. Sind das die Momente, die Ihnen bei all Ihrer Tore am besten in Erinnerung geblieben sind?
Das dürfen Sie glauben. Die Fallrückzieher oder auch Seitfallzieher, bei denen du artistisch durch die Luft fliegst, an die erinnere ich mich besonders gerne. Aber auch Flugkopfbälle, ganze nahe an der Grasnarbe – solche Tore habe ich geliebt! Insgesamt durfte ich zum Glück so viele davon schießen, dass es unmöglich ist, sich an jedes zu erinnern. (lacht)

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Damit ganz radikal zurück in die Gegenwart, zum heutigen Pokal-Kracher: Wem würden Sie einen Fallrückzieher ins Schwarze mehr gönnen: 1860-Stürmer Sascha Mölders oder Simon Terodde, dem Gelsenkirchner Goalgetter?
Grundsätzlich beiden Stürmern, ganz klar. In diesem Duell "muss" ich mich als Schalker fast für Terodde entscheiden. Die Löwen dürfen sich nicht in die Hosen machen, wenn sie weiterkommen wollen. Aber S04 darf auch nicht denken: Wir fahren da hin und spielen mit 70 Prozent. Das wird nicht reichen im engen Grünwalder, das zu einem Hexenkessel werden kann.

"Wampe von Giesing": Fischer kritisiert Mölders

Mölders hat seine "Wampe von Giesing", auch wegen eines artistischen Fallrückzieher-Fotos, bei dem sein Bauch unter dem Trikot hervorlugt, für persönliche Fanartikel vermarktet. Was sagen Sie dazu als "Mister Fallrückzieher"?
So etwas kann ich nicht gutheißen. Mölders hat Übergewicht und lässt sich noch dafür feiern. Er ist ein eiskalter Torjäger, ein frecher Hund. Er hat schon sehr oft bewiesen, dass er Tore machen kann. Deshalb konnte ich auch nicht nachvollziehen, dass Trainer Köllner ihn auf die Bank gesetzt hat. Aber ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass er sich gehen lässt.

Sascha Mölders' Seitfallzieher.
Sascha Mölders' Seitfallzieher. © imago/Sven Simon

Fairerweise muss man dazu sagen: Als Mölders vergangene Saison mit 22 Saisontoren zum ältesten Torschützenkönig des deutschen Profifußballs avancierte, hatte er auch nicht weniger auf der Waage.
Er sollte sich eher fragen: Wie viele Tore hätte ich schießen können, wenn ich ein paar Kilos leichter wäre? Wäre Sechzig dann schon wieder zweitklassig? Ich schaue den Löwen ja auch jetzt noch zu und finde: Wenn ich in dieser Liga spielen und helfen will, brauche ich eine gewisse Fußballer-Figur. Mölders wird ja auch nicht jünger: Ich war damals auch 34, als ich von Köln nach Bochum gegangen bin. Da habe ich in der ersten Saison auch noch 16 Tore gemacht. Aber in diesem Alter musst du noch mehr dafür tun, um fit zu bleiben. Sonst schaut Mölders irgendwann aus wie der Ronaldo – und ich meine den Brasilianer, nicht den Portugiesen.

Fischer: Sechzig hat sich kontinuierlich nach oben entwickelt

Damit zu Terodde, ohne den bei den Königsblauen gar nichts läuft: Mit elf von 20 Toren hat er über die Hälfte aller Liga-Treffer erzielt.
Er ist auch einer, der vor dem Tor einen eingebauten Killerinstinkt hat. Nicht umsonst ist er torgleich mit Dieter Schatzschneider (153 Tore, d. Red.) und wird ihn demnächst überflügeln, keine Frage. Aber man wird sehen, ob er auch in der Bundesliga nochmal regelmäßig treffen kann.

Sie glauben also an eine Schalker Rückkehr in die Bundesliga. Wie schaut es in dieser Hinsicht bei 1860 aus?
Bei Schalke glaube ich daran, dass sie nach dieser Saison wieder erstklassig sind und hoffe, dass sie nicht zur Fahrstuhl-Mannschaft werden. Schalke gegen Sechzig, das ist für mich Erste Liga! Bei den Löwen hat man in dieser verrückten Abstiegs-Saison aus der Zweiten Liga in der Kaderplanung enorm viele Fehler gemacht. Es hat mir wehgetan, meinen alten Verein in der Regionalliga rumturnen zu sehen. Jetzt haben sie sich kontinuierlich nach oben entwickelt, auch, wenn es momentan nicht läuft. Ich hoffe sehr, dass sie schnell wieder die Kurve kriegen – nicht gegen S04, aber ich drücke die Daumen, dass sie schnell zurückkehren.

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