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Die Bundestags-Löwen: SPD und CSU stellen Forderung an die Regierung

Trotz allem planen die Löwen, den Ausbau des Stadions voranzutreiben. Und bekommen dabei unerwartete Hilfe. SPD- und CSU-Bundestagsabgeordnete fordern ihre Regierung auf, fürs Grünwalder Stadion Verordnungen zu lockern, um so den Ausbau abzusichern. Die AZ kennt die Pläne.
Felix Müller
Felix Müller,
Kilian Kreitmair
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15.000 - mehr durften in dieser Drittliga-Saison nicht rein ins Grünwalder. Die Löwen würden gerne auf 25.000 (oder gar noch mehr) erweitern.
15.000 - mehr durften in dieser Drittliga-Saison nicht rein ins Grünwalder. Die Löwen würden gerne auf 25.000 (oder gar noch mehr) erweitern. © IMAGO/Ulrich Wagner

Der Bundestag und der TSV 1860 - das war bisher vor allem Folklore. Der Abgeordnete Michael Schrodi aus Fürstenfeldbruck hängt gelegentlich sogar die Zaunfahne seines Fanclubs "Bundestags-Löwen" in der Westkurve auf.

Doch jetzt wird der TSV 1860 ernsthaft Thema im Bundestag. In einem Schreiben ans Bau- und das Umweltministerium regen die beiden Münchner Bundestagsabgeordneten Sebastian Roloff (SPD) und Stephan Pilsinger (CSU) offiziell die Änderung einer Bundesverordnung an. Das Papier liegt der AZ vor. Ihre Sorge: Ohne eine Änderung könnte der geplante Ausbau des Grünwalder Stadions an Bundesregeln scheitern. Die Merz-Regierung soll die Löwen-Zukunft absichern!

Löwen-Fans in der immer noch unüberdachten Westkurve.
Löwen-Fans in der immer noch unüberdachten Westkurve. © IMAGO/Ulrich Wagner

Das könnte der große Haken werden – wenn der Bund nicht einschreitet

Darum geht es konkret: "Die strengen Richtwerte für Neubauten, die bei wesentlichen Änderungen gelten, könnten nicht vollständig erreicht werden", schreiben die Abgeordneten über die geplante Erweiterung auf 25.000 Zuschauer. "Die geplanten Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen würden den Lärm für die Anwohner:innen aber dennoch um mindestens 50 Prozent senken – das Stadion würde nachweislich leiser."

Die beiden sprechen von einem "großen Widerspruch". Die aktuelle Rechtslage benachteilige Betreiber historischer Anlagen, die modernisieren wollen und schaffe "Fehlanreize durch den Weiterbetrieb veralteter (und entsprechend sehr viel lauterer) Anlagen".

Der Giesinger Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff (SPD).
Der Giesinger Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff (SPD). © picture alliance/dpa

Die Abgeordneten schlagen deshalb vor, dass die Erneuerung bestehender Tribünen im Rahmen eines Bestandsumbaus in der sogenannten Sportanlagenlärmschutzverordnung nicht mehr als "wesentliche Änderung" gelten soll.

Welche Änderung für späte Abendspiele wichtig werden könnte

Außerdem regen sie unter anderem an, die Nachtruhezeit von 22 Uhr auf 23 Uhr zu verschieben, "besser noch auf 24 Uhr". Auch Sonderregeln für Stadien und andere Versammlungsstätten, die älter als 100 Jahre sind oder im innerstädtischen Bereich von Großstädten liegen können sich Pilsinger und Roloff – beide übrigens selbst keine Löwen-Fans – vorstellen. Das Grünwalder Stadion bezeichnen sie in ihrem Schreiben an die Bundesminister als "identitätsstiftenden Ort von hoher städtebaulicher und kultureller Bedeutung für ganz München". Nun hoffen sie, dass ihre Argumente aufgenommen werden – und die zuständigen Ministerien ihrer Regierung die Verordnungen entsprechend anpassen.

Die Pläne für ihre Initiative entstanden lange vor den Löwen-Turbulenzen dieser Wochen. Der SPD-Abgeordnete Sebastian Roloff sagte der AZ: "Ein Stadion am traditionellen Ort mit deutlich größerer Kapazität würde dem Fußball Standort München insgesamt guttun." Wenn Vereine, Stadt und Nachbarschaft sich einig werden, sagte Roloff, solle das Projekt "nicht an einigen Formalitäten im Gesetz scheitern." "Als Anwohner, der seit bald 15 Jahren selbst in der Nachbarschaft des Stadions wohne, wisse er, wie gut sich das Stadion und die Fans "in den unterschiedlichen Phasen in die Nachbarschaft einfügen". Es gebe "kaum Probleme, im Gegenteil, es wirkt identitätsstiftend für das ganze Viertel."

Der Münchner Bundestagsabgeordnete Stephan Pilsinger (CSU).
Der Münchner Bundestagsabgeordnete Stephan Pilsinger (CSU). © picture alliance/dpa

CSU-Mann Pilsinger sagte: "Ich wünsche mir endlich wieder Münchner Derbys. Damit der TSV 1860 den Weg zurück in die Erste Bundesliga schaffen und diese Duelle wieder Realität werden können, braucht das Grünwalder Stadion eine Modernisierung und deutlich mehr Kapazität." Tradition allein sichere schließlich keine Zukunft.

Warum man im EV die Lage gerade sogar verbessert für das Projekt sieht

Wie berichtet, sind sich Stadt und TSV 1860 inzwischen grundsätzlich einig, dass der Idealfall wäre, wenn die Löwen das städtische Stadion wieder selbst und in Erbpacht übernehmen. Der TSV 1860 plant die Gründung einer Stadiongesellschaft. Es könnte sich nun als Glücksfall erweisen, dass der Verein selbst (nicht die Fußballfirma, an der Hasan Ismaik die Mehrheit hält und die nun vor der Insolvenz zu stehen scheint) das Projekt angegangen ist. Nach AZ-Informationen sieht man nach der Kündigung des Kooperationsvertrags mit Ismaik sogar Vorteile für das Stadion-Projekt, da man Stand jetzt auch den Profifußball selbst alleine in der Hand hat. Tatsächlich hatte Alt-OB Dieter Reiter (SPD) unter anderem in mehreren AZ-Interviews immer wieder beklagt, dass er nicht wisse, woran er bei den Löwen sei.

Unabhängig von den erheblichen Turbulenzen dieser Wochen auf jeden Fall treiben die Sechzger das Projekt weiter voran. Am Wochenende begannen Ehrenamtliche Plakate aufzuhängen für eine Veranstaltung für Stadion-Anwohner.

Am 19. Juni findet eine Diskussionsrunde zum Thema Grünwalder Stadion und dessen Zukunft statt.
Am 19. Juni findet eine Diskussionsrunde zum Thema Grünwalder Stadion und dessen Zukunft statt. © privat

Die Nachbarn sollen sich am 19. Juni ("18.60 Uhr") in der 60er-Alm auf dem Trainingsgelände aus erster Hand über die Planungen informieren können. Diese Woche ist auch eine Veranstaltung im Wirtshaus im Schlachthof geplant, noch im Juni soll auch auf der Mitgliederversammlung die Gründung der Stadiongesellschaft beschlossen werden.

Grünwalder-Ausbau: So sieht man im Rathaus jetzt die Lage

Auch im Rathaus werden die Entwicklungen beim Löwen in diesen Tagen genau registriert. Klar ist: Nach dem Absturz der Sechzger in die vierte Liga ist ein größerer Ausbau auf Steuerzahlerkosten in sehr weite Ferne gerückt. Macht die Erbpacht-Variante (wenn die Löwen sie denn wirklich finanzieren können) fürs Rathaus nicht gerade uninteressanter.

Und lässt natürlich noch mehr auf die nationale Olympia-Vorentscheidung im September schielen. Die Stadt München will inzwischen ja auch im Grünwalder Stadion olympischen Fußball spielen lassen.

"Ziel ist ein starker TSV"

Sport-Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) will sich wie berichtet schon dieser Tage wieder mit den 1860-Vorderen treffen. Dabei dürfte es auch um die Konditionen für die kommende Saison gehen – wenn der EV Mieter für den Amateursport ist, nicht mehr eine Fußballfirma für Profisport. Aber natürlich auch um die Ausbaupläne und die Frage, wie sie weiter vorangetrieben werden können.

Im Rathaus auf jeden Fall gibt es keine Stimmen, die die Löwen kurzfristig hängen lassen wollen. "Unabhängig von den derzeitigen dramatischen Ereignissen bleibt für uns eines klar: Unser gemeinsames Ziel ist ein starker TSV, der in einem Grünwalder Stadion in Giesing seine Heimat hat", sagt Grünen-Stadtrat Beppo Brem auf Anfrage. "Deshalb stehen wir als Stadtrat dazu, das Stadion sanieren zu wollen." Der Ball liege nun aber zunächst bei den Löwen.

Nach dem Aus für Ismaik: Was sich die Stadtrats-CSU für Sechzig wünscht

Rathaus-CSU-Chef Manuel Pretzl betont, es gehe nicht um die nächste Saison, "sondern um die mittel- und langfristige Zukunft einer identitätsstiftenden Sportstätte". Der Verein habe nun erst mal andere existenzielle Fragen zu klären. "Mit einer Beschlussvorlage zum Stadion noch vor der politischen Sommerpause rechne ich nicht mehr." Er hoffe, dass München im September deutsche Bewerberstadt wird. "Das kann eine Sanierung dank zusätzlicher Fördermittel beschleunigen." Er hoffe, dass die Trennung vom Investor für die Löwen letztlich "zu mehr Stabilität und Planungssicherheit führt".

Dafür wird wie so oft bei den Löwen eine zentrale Frage sein, wo und wie Geld aufgetrieben wird. Denn ohne das wird eine große Modernisierung auf Giesings Höhen nicht funktionieren – nicht mal dann, wenn die Merz-Regierung tatsächlich fürs Grünwalder Stadion zur Tat schreiten sollte.

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