Brutale Bühne für den TSV 1860: Alles zum Start der 3. Liga

Favoriten, Stars, Neulinge - die Dritte Liga legt los. Für eingespielte Löwen und Einkaufs-Weltmeister Türkgücü München geht es heuer um den Aufstieg, für manch anderen Klub dagegen um die Existenz
| Matthias Eicher
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Saisonstart mit Fans? Ein paar Tausend können Stand jetzt beim Auftakt gegen Würzburg im Stadion dabei sein.
Saisonstart mit Fans? Ein paar Tausend können Stand jetzt beim Auftakt gegen Würzburg im Stadion dabei sein. © sampics/Augenklick

"Es wird wieder brutal", sagte Torschützenkönig Sascha Mölders, bevor Deutschlands dritthöchste Spielklasse den Vorhang öffnet: Der alte und neue Löwen-Kapitän startet mit dem Samstags-Duell gegen Zweitliga-Absteiger Würzburger Kickers gleich mit einem richtigen Kracher (14 Uhr, BR, Magenta Sport und im AZ-Liveticker).

Aus Sicht der Sechzger sind mit dem FC Bayern II und der SpVgg Unterhaching zwar zwei Münchner Kontrahenten abgestiegen, der Wettstreit mit Rivale Türkgücü könnte dafür umso spannender werden: Von den Ambitionen der Klubs über die Stars und Liga-Neulinge bis zu den altbekannten Zwängen: Die AZ wirft vor dem Saison-Auftakt einen Blick auf die Dritte Liga - in vielfacher Hinsicht auch in der Spielzeit 2021/22 wieder eine brutale Bühne.

Die Favoriten: Neben 1860 ist Braunschweig der Topfavorit

Die Liste der Aufstiegsaspiranten ist lang. "Wir wollen eine bessere Saison spielen als letzte Saison - was immer man darunter verstehen will", meinte Löwen-Trainer Michael Köllner im Podcast des Klubs: "In meiner ersten Saison durften wir an den Aufstieg hinriechen und haben es nicht geschafft. Im zweiten Jahr waren wir wieder knapp dran. Ich will mit den Sechzgern aufsteigen." Eine klare Ansage des Oberpfälzers? Na ja, denn in seinem letzten Satz ergänzte der Understatement-Löwe noch das Wörtchen "irgendwann".

Neben Sechzig ist Braunschweig der Topfavorit, auch Würzburg, Kaiserslautern, Wehen Wiesbaden oder der VfL Osnabrück zählen zu den Aufstiegsaspiranten. "Es ist extrem schwer, einen Favoriten auszuwählen. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie ausgeglichen es zugeht", sagte etwa Osnabrücks Trainer Tim Danneberg. Danneberg nannte zudem Saarbrücken und Türkgücü. Bei den Münchnern war die Zukunft bekanntlich lange unsicher, nachdem im Winter Investor Hasan Kivran beinahe abgesprungen wäre.

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Die Stars: Sascha Mölders bekommt prominente Gegner

Neben Altstar Mölders, der seine Rekordmarke von 22 Treffern überflügeln will, konnte Türkgücü mit Ex-Nationalspieler Sercan Sararer einen der absoluten Top-Spieler halten. Mit Mergim Mavraj (ebenfalls Türkgücü), Marc Schnatterer (Waldhof Mannheim), Mahir Saglik (Verl) oder Marvin Bakalorz (Duisburg) kam Prominenz hinzu. Bis Donnerstag verzeichneten die Klubs 400 Transfers (Quelle: Transfermarkt.de), wobei bei den Absteigern und bei Türkgücü ganz im Gegensatz zu 1860 die größte Fluktuation zu verzeichnen war.

Mergim Mavraj wechselte von Greuther Fürth nach München.
Mergim Mavraj wechselte von Greuther Fürth nach München. © Sportfoto Zink/Melanie Zink/Imago Images

Die Neulinge: Bundesliga-Reserven, ein Hauptstadt- und ein Dorfklub

Die Zweitvertretungen des SC Freiburg und Borussia Dortmund sind neu dabei, Köllner rechnet aufgrund der hohen Durchlässigkeit der Freiburger und dem reichlich gefüllten Talente-Pool des BVB mit zwei starken Gegnern. Dazu kommen der FC 1889 Viktoria Berlin und Dorfklub TSV Havelse: Das kleine Örtchen hat nur rund 5.300 Einwohner, ist ein Stadtteil von Garbsen und liegt in der Nähe von Hannover.

Fans und Tradition: 1860 und weitere 13 Klubs planen offiziell zu Hause mit Fans

Immerhin können die Drittligisten in dieser Spielzeit wieder mit Fans rechnen, so Manuel Hartmann: "14 von 20 Klubs haben bereits gemeldet, dass zu ihrem ersten Heimspiel Zuschauer zugelassen sind." Bei 1860 dürfen Stand jetzt 3.736 Fans ins Grünwalder. Es ist eine Liga mit viel Tradition und vielen großen Namen, aber eben auch diversen Problemen, die sich durch die Pandemie und fehlende Zuschauereinnahmen noch verschärften. Der viermalige deutsche Meister 1. FC Kaiserslautern entging in der vergangenen Saison einem Absturz nur durch eine "geplante Pleite". Der KFC Uerdingen, der zehn Millionen Euro Schulden anhäufte, musste Insolvenz anmelden und konnte schließlich die Lizenzauflagen nicht mehr erfüllen.

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Die Finanzen: Vor allem die Zweitliga-Absteiger müssen kämpfen

Die Saison hat noch nicht begonnen, da malte Andreas Rettig schon ein düsteres Szenario. "In ihrer derzeitigen Form produzieren wir in der Dritten Liga quasi sehenden Auges Sozialfälle. Das beginnt bei den Spielern und geht weiter zu den Vereinen, von denen viele ja ständig mit einem Bein in der Insolvenz stehen", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung von Viktoria Köln..

Der langjährige Bundesliga-Manager mahnte dringend Änderungen der Strukturen an. Vor allem Zweitliga-Absteiger wie aktuell Braunschweig, Osnabrück und Würzburg sieht er in ihrer Existenz gefährdet. Die würden "in ein Loch fallen. Statt acht Millionen TV-Geld bekommen sie plötzlich nur noch eine Million. Ihre Kosten bleiben aber annähernd gleich", sagte Rettig dem WDR. Dies könne ein Verein "vielleicht ein Jahr kompensieren, zwei oder drei Jahre lang aber nicht". Rettig ist deshalb nicht der erste, der "eine Anpassung der TV-Verträge" ins Gespräch bringt. Der DFB hat eine Taskforce zur wirtschaftlichen Stabilität der Liga eingerichtet.

Ein schmaler Grat für die Klubs: Sie sind zum sportlichen Erfolg verdammt, um wirtschaftlich mittelfristig überleben zu können. In der Saison 2019/2020 lagen die Personalkosten pro Verein bei über vier Millionen Euro, im Schnitt ergab sich ein Minus von 1,6 Millionen. Auch so ein Grund, weshalb der Aufstieg für Mitfavorit Sechzig von monströser Wichtigkeit wäre.

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