Interview

1860-Legende Fredi Heiß: "Die Löwen dürfen gerne weiter viel Freud' bereiten"

AZ-Interview mit Fredi Heiß: Der gebürtige Münchner (80) gehört zur legendären Meister-Elf des TSV 1860.
| Matthias Eicher
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Fredi Heiss
Fredi Heiss © imago/Lackovic

AZ-Interview mit Fredi Heiß: Der gebürtige Münchner (80) gehört zur legendären Meister-Elf des TSV 1860.

AZ: Herr Heiß, zum Saisonfinale bescherte Ihnen der TSV 1860 eine vorweihnachtliche Freude und lud Sie zum Saisonfinale gegen den SV Wehen Wiesbaden ein. Wie war es für Sie, erstmals seit Monaten wieder ein Spiel der Sechzger live sehen zu können?
FREDI HEISS: Total ungewohnt. Es geht einfach was ab, wenn du keine Sechzger-Fans hast, die das Grünwalder zum Beben bringen. Normalerweise hörst du 15.000 Leute schreien und singen - und so hörst du nur den Michael Köllner und die Spieler rumschreien. Trotzdem hat es mich sehr gefreut, endlich einmal wieder hautnah dabei sein zu dürfen. Ich durfte ja auch nur als "Losfee" dabei sein und würde mir wünschen, dass auch die Fans so schnell wie möglich wieder auf die Tribünen dürfen.

Fredi Heiß: "Gott sei Dank hat Mölders den Ball reingestochert"

Der TSV hat Ihnen mit der Aufholjagd zum 2:2 ja einiges geboten: Wie fällt ihr sportliches Fazit aus?
Man muss gestehen: In der ersten Halbzeit war uns Wehen nicht nur körperlich, sondern auch spielerisch weitaus überlegen. Das hätte auch ganz anders ausgehen können, denn nach dem 0:2 ist Sechzig mausetot gewesen. Gott sei Dank hat Sascha Mölders dann einen Ball reingestochert. Es ist schon eine Qualität, die Sechzig auszeichnet: Sie haben sich nicht aufgegeben und sind nochmal zurückgekommen - und das sogar ohne die Unterstützung der Fans. Zehn Minuten länger, und sie hätten noch gewonnen. Aber schon der Punkt war im letzten Spiel des Jahres sehr wichtig für die Moral.

Meisterlicher Frühschoppen vor der Corona-Krise: Heiß, Grosser (h.l.), Rebele und Reich.
Meisterlicher Frühschoppen vor der Corona-Krise: Heiß, Grosser (h.l.), Rebele und Reich. © imago images/Lackovic

1860 überwintert auf Relegationsrang drei. Da dürften Sie schon ein bisserl vom Aufstieg träumen, oder?
Die Chancen stehen nicht schlecht, 1860 ist voll im Rennen. Aber ich sehe Wehen nach wie vor als starken Konkurrenten um den Aufstieg. Dynamo Dresden sowieso, auch den FC Ingolstadt. Und auch sonst ist die Dritte Liga der Wahnsinn, weil die Floskel, dass der Letzte den Ersten schlagen kann, in keiner anderen Liga derart zutrifft. Es kann also alles passieren - auch, dass Sechzig raufgeht. Ich hätte es ja letzte Saison schon geglaubt - und hab' mit einer Wette leider ein Fassl Bier verloren.

"Köllner bringt junge Spieler ganz gut hin"

Was macht die Löwen so stark, um auch 2020/21 wieder ganz oben mitzumischen?
Den größten Anteil hat für mich natürlich der Trainer: Er impft den Spieler Selbstvertrauen ein, hebt sie auf ein anderes Niveau. Anders ist nicht zu erklären, wieso ein Mölders plötzlich wie ausgewechselt spielt und nach Belieben trifft. Köllner bringt langsam aber sicher die jungen Spieler ganz gut hin - und obendrein kümmert er sich sogar um die Meister-Löwen. (lacht)

Sie meinen, dass er sich mit Ihnen und dem Meister-Löwen-Stammtisch um Peter Grosser und Co. trifft. Wollte er Sie reaktivieren?
Nein, aber er hat sich lange mit uns unterhalten. Es zeichnet ihn aus, dass er Sechzig verstehen will - oder aus meiner Sicht schon verstanden hat.

Fredi Heiß wollte mit 80 Jahren Vulkan besteigen

Sie persönlich hatten Anfang des Monats selbst Grund zu feiern und wollten Ihren 80er entsprechend zelebrieren. Die Corona-Krise machte einen Strich durch die Rechnung.
Es war ein Jahr zum Vergessen, das muss ich wirklich sagen. Gallenblase raus, eine Schulter-OP und Corona. Vorher hat mir nie was gefehlt. Wir mussten leider auch den geplanten Urlaub auf Teneriffa absagen. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen, zum 80. dort den Vulkan Teide zu besteigen und danach eine Feier zu schmeißen. Aber jammern hilft auch nichts: Man muss zusammenhelfen, aufpassen und dann werden die Zeiten hoffentlich bald wieder besser.

Sie zählen ja auch zur Risikogruppe: Wie groß ist die Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren?
In meinem Umfeld hat es mehrere Leute erwischt, auch mit schwerem Verlauf. Einige hatten Riesenprobleme. Da macht man sich schon Gedanken: Was ist, wenn du dran glauben musst und dich nicht mehr davon erholst? Es braucht auch keiner glauben, dieses Virus ist harmlos.

Wie begehen Sie in diesen Zeiten Ihr Weihnachtsfest?
So ruhig wie noch nie, mit meiner Frau, unserer Tochter und Enkeltochter. Der Sohn kommt heuer nicht, wir hören uns per "Skype". Von daher habe ich nur zwei Weihnachtswünsche: Hoffentlich bleiben alle Leute gesund, zumindest ist ja langsam Licht am Ende des Tunnels. Wir müssen alle zusammenhalten, das werden wir auch noch schaffen! Die Löwen dürfen dabei natürlich gerne auch im neuen Jahr weiter so viel Freud' bereiten - es wäre die Krönung, wenn wir gemeinsam den Aufstieg feiern dürften.

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