Interview

1860-Co-Trainer Oliver Beer: "Wir sind seit Jahren die gleiche Gang"

Co-Trainer Oliver Beer spricht in der AZ über Sechzigs Team(-geist) und seine Zukunft beim TSV 1860.
| Matthias Eicher
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Seit vier Jahren Co-Trainer beim TSV 1860: Oliver Beer.
Seit vier Jahren Co-Trainer beim TSV 1860: Oliver Beer. © imago images/Fotostand

München - AZ-Interview mit Oliver Beer: Der 41-Jährige ist Co-Trainer des TSV 1860 und betreibt nebenbei die Fußballschule "Beer & friends".

AZ: Herr Beer, seit vier Jahren sind Sie schon Co-Trainer bei den Löwen. Höchste Zeit, dass wir über Ihre Rolle sprechen: Sechzigs Kumpeltyp?OLIVER BEER: Auf alle Fälle Kumpeltyp, der nahe dran ist an der Mannschaft, aber fachlich schon auch Ahnung hat von der Materie (lacht). Respektsperson musst du trotzdem sein, sonst tanzen dir die Spieler auf der Nase rum.

Oliver Beer: "Motivieren muss den Sascha keiner mehr"

Wie schaut die Aufgabenverteilung hinter Michael Köllner aus, der als Chef im Rampenlicht steht? Soweit wir wissen, kümmern Sie sich um Warmmachen und Standards.
Genau so schaut es aus: An den Spieltagen übernehme ich das Warmup, wie vorher unter Biero (Daniel Bierofka, d. Red.). Das haben wir auch mit Michi Köllner so vereinbart. Die Spieler haben sich das auch gewünscht. Gewisse Routinen brauchen die Spieler. Im Trainingsbetrieb unter anderem um Standards und unter Köllner auch um die Organisation der Defensive, etwa das Anlauf-Verhalten.

Sie als Vertrauter der Spieler müssen es ja am besten wissen: Wie schwer ist es, Aggressiv-Leader Sascha Mölders im Zaum zu halten?
Motivieren muss den Sascha keiner mehr, das ist ja bekannt. Manchmal ist es schon eine große Herausforderung, ihn zu beruhigen, wenn er mal auf der Palme ist. (lacht) Aber er ist eben ein emotionaler Spielertyp: So pusht er sich, anders würde er gar nicht funktionieren.

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Viele Profis sind dagegen kopfgesteuert, da dürften Sie bei Sechzig gewiss auch ein paar Exemplare kennen. Können Sie ein Beispiel nennen, wie Sie mal auf Spieler eingewirkt haben - und aus einer Krise holen konnten?
Richy Neudecker hat sich nach seiner Rückkehr zu 1860 enormen Druck gemacht. Ihm hab' ich gesagt: "Richy, denk' nicht so viel nach - Du hast einen super Schuss, zieh' einfach mal ab." Wie es der Teufel wollte, hat er im nächsten Spiel gegen Viktoria Köln dieses sensationelle Weitschusstor gemacht. Oder Merv Biankadi: Der ist so ein toller Spieler, ein toller Mensch. Wenn er im Dribbling den Ball verliert, lässt er die Schultern hängen. Ich sage ihm ständig: "Hoch mit den Schultern!" Das ist schon zum Running Gag geworden. In solchen Situationen freut es einen ungemein für die Jungs, wenn man ihnen helfen kann.

Sprechen wir über Ihren eigenen Werdegang: Es gibt bekanntlich Co-Trainer, die selbst der Chef werden wollen und welche, die voll in der Assistentenrolle aufgehen. Wozu zählt Oli Beer?
Ich fühle mich super wohl mit meiner Rolle. Irgendwann will ich schon den Fußballehrer-Schein angehen und könnte mir vorstellen, dann irgendwann als Cheftrainer zu arbeiten. Zwei Mal bin ich für Biero eingesprungen, zwei Mal haben wir drei Punkte geholt. Mein schwerster Moment war das Spiel als Interimstrainer gegen Halle. Zum Glück haben wir das Ding gewonnen (1:0, d. Red.) An meinen Punkteschnitt kommt also so schnell keiner hin (lacht). Ich fühle mich auch in der Jugendarbeit sehr wohl. Wir werden sehen, aber aktuell passt für mich alles, wie es ist.

Oliver Beer: "Es ist kein Geheimnis, dass ich gerne bei den Löwen bleiben würde"

Kurzer Rückblick auf Ihre Anfänge beim TSV: Der Absturz in die Regionalliga ist für Sie zur Chance geworden.
Absolut, wobei ich sonst mit Biero die U21 übernommen hätte: Nach dem Abstieg lag alles in Trümmern. Da hat er angerufen und gemeint: "Oli, ich glaube, wir müssen zu den Profis." In den letzten Jahren haben wir alle gemeinsam viel bewegt. Das Funktionärs- und Betreuerteam ist größtenteils zusammen geblieben: Torwarttrainer Harry Huber und ich kennen uns sogar schon, seit ich 15 war. Unsere Physios, bis zum Steges und der Tanja (Zeugwart Norbert Stegmann und Waschfrau Tanja Groll, d. Red.): Wir sind seit Jahren die gleiche Gang.

Da müssen wir direkt fragen: Wie lange noch? Ihr Vertrag läuft im kommenden Sommer aus.
Es gab schon erste Gespräche, die waren positiv. Ich denke, ich muss kein Geheimnis daraus machen, dass ich gerne bei den Löwen bleiben würde, die zu meinem Herzensverein geworden sind. Mein schönster Moment war der Aufstieg in die Dritte Liga. Im Relegations-Rückspiel gegen Saarbrücken hatten die Spieler beim Aufwärmen Zementsäcke an den Beinen. "Alles gut!", hab ich gesagt, obwohl es nicht wirklich so war. (lacht) Der Aufstieg und vor allem diese irre Feier auf dem Rasen und auf dem Bus hinter dem Grünwalder, das war legendär.

Geht es nach einer Umfrage unter den Drittliga-Trainern, ist 1860 Aufstiegsfavorit. . .
Ich bin ein demütiger Mensch und Trainer, von daher sollten wir erstmal schauen, dass wir gut starten. Wir haben uns in der Breite gut verstärkt, aber sind meilenweit weg von solchen Voraussetzungen, wie Dynamo Dresden letztes Jahr hatte. Aber wir wollen einfach unsere starke Entwicklung weitergehen.

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