Sekt oder Selters: Gegen Ronaldos Portugiesen ist es für die DFB-Elf schon ein Endspiel

Für Löw und die DFB-Elf ist die Partie gegen Portugal fast ein Endspiel. Die Bilanz gegen Ronaldo und Co. taugt dafür als Mutmacher: "Wir hoffen, dass wir mit dem fünften Sieg einen draufsetzen können."
| Patrick Strasser
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Gegen Portugal sah das DFB-Team bei Welt- und Europameisterschaften seit 2006 immer ganz gut aus. Auch diesmal?
imago Gegen Portugal sah das DFB-Team bei Welt- und Europameisterschaften seit 2006 immer ganz gut aus. Auch diesmal?

München - Gegen Portugal? Geht's auch ohne Joachim Löw - nein, nicht erschrecken. Kein neuerlicher Hantelunfall, kein Verbrühen beim geliebten Espresso.

Der Bundestrainer wird dabei sein gegen den Titelverteidiger am Samstag in Münchens EM-Arena (18 Uhr, ARD und MagentaTV live sowie im AZ-Liveticker).

War schon mal anders. Damals, 2008 in Basel. Weil Löw im letzten Vorrundenspiel gemeinsam mit Österreichs Nationalcoach Josef Hickersberger wegen zu viel Trara und Blabla an der Seitenlinie auf die Tribüne verbannt und für eine Partie gesperrt wurde, durfte er das Viertelfinale gegen Portugal nur hinter Glas verfolgen. Auf der Tribüne, mit einer Fluppe in der Hand. Das Löw-Team gewann auch ohne seinen Chef mit 3:2. Rauch von gestern.

Längere Ansprache beim Abschlusstraining

Diesmal ist der mittlerweile 61-Jährige dabei. Und wird sich womöglich seinem Laster - den Gelegenheitszigaretten - hingeben. Gerade in diesen stressreichen EM-Tagen kann er der Versuchung nicht widerstehen, ähnlich wie der Vorliebe für Dreierketten. Mal hört er auf damit wie bereits 2019, mal wird er rückfällig. Bei beidem. Ganz und gar menschlich.

Beim Abschlusstraining am Freitagvormittag im sonnenüberfluteten Adi-Dassler-Stadion unweit des Camps "Homegroud" hielt er eine längere Ansprache an seine Mannschaft.

Die Ruhe im fränkischen Herzogenaurach wurde lediglich durch einen vorbeifahrenden, schwarz-rot-gold geschmückten Fan-Bus und dessen Beschallung durch die Musikeinlage mit "Deutschland, schieß ein Tor!" gestört.

Wer weiß, vielleicht sorgen die acht Anhänger aus Oberschwaben (Kreis Biberach) mit ihrem Cabrio-Bus für den Hallo-Wach-Effekt im zweiten Gruppenspiel. "Auf geht's, Männer!", brüllte dann Löw vor der Einheit ohne die Reservisten Lukas Klostermann (Muskelverletzung) und Jonas Hofmann (Knieprobleme). Anschließend ging es per Bus zum Spielort München.

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"Gut, dass das nächste Spiel so schnell wiederkommt", hatte Löw direkt nach dem 0:1 gegen Frankreich gesagt und versprochen: "Es ist nichts passiert. Wir können noch alles geradebiegen."

Können sie. Aber vor dem Duell mit Portugals Superstar Cristiano Ronaldo, dem nun aktuell besten EM-Torschützen aller Zeiten (elf Treffer), wird deutlich, wie eklatant die Angriffsschwäche der DFB-Auswahl ist.

In den letzten sechs Turnierspielen (drei bei der WM 2018, zwei bei der EM 2016) traf kein Stürmer. Die drei erzielten Törchen verteilen sich auf Mesut Özil, Marco Reus und Toni Kroos. Thomas Müller ist sowieso ganz ohne EM-Tor, ein Störsender verhindert das Müllern.

Seit 2006 vier DFB-Siege gegen Portugal bei WM oder EM

Da hilft die Beschwörung einer Serie. Bei einer WM oder EM gab es seit 2006 vier Siege gegen die Portugiesen (11:2 Tore). "Wir hoffen, dass wir mit dem fünften Sieg einen draufsetzen können", sagte Matthias Ginter, der ein "Jetzt-erst-recht-Gefühl" ausgemacht hat. Der Abwehrspieler hat sich keine Best-of-Videos von CR7 angeschaut, denn "das könnte nicht so gut enden".

Das Video aus Budapest, als der fünfmalige Weltfußballer mit grimmigem Blick zwei Cola-Flaschen vom Pressekonferenz-Tisch entfernte und mit dem Wort "Agua!" ein Wasser in die Kameras hielt, wird Ginter sicher gesehen haben.

Löw wird es gesehen haben, kam er bei der Pressekonferenz vor dem Portugal-Spiel kurz darauf zu sprechen: "Ronaldo kann mehr als Cola-Flaschen verschieben, das wissen wir. Er hat andere Qualitäten. Er kann Tore machen. Das muss man im Verbund verteidigen. Wir kennen seine Laufwege und das ist wichtig."

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Gegen Deutschland hat Ronaldo in vier Länderspiel-Duellen immer verloren und noch nie getroffen, lediglich eine Vorlage geliefert. Der irre Vergleich: In 176 Länderspielen war Portugals Hero und Kapitän 106 Mal erfolgreich.

Am Samstag geht es bei der Hitzeschlacht von Fröttmaning um das Erreichen des Achtelfinals (wenn Portugal gewinnt, sind sie durch) bzw. einer guten Ausgangsposition. Mehr als 30 Grad werden erwartet.

Wer macht wen nass? Für Löw heißt es fast schon: Alles oder Nichts - oder, um im Bild des Wasserpredigers Ronaldo zu bleiben: Sekt oder Selters.

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