Rummenigge, Lahm, Völler, Sammer: Wer führt den DFB aus der Krise?

Nach dem Aus von Fritz Keller als DFB-Präsident braucht der größte Fußballverband der Welt dringend einen Neuanfang. Längst dreht sich das Kandidatenkarussell. Nur: Wer hat's auch drauf?
| Thomas Becker
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Vom Bundestrainer zum Präsidenten? Joachim Löw.
Vom Bundestrainer zum Präsidenten? Joachim Löw. © dpa/DFB

München - Beim Blick auf die Ahnengalerie der DFB-Bosse stellt man fest: Ein Präsident der Herzen war da schon lange nicht mehr dabei.

Genau genommen: noch nie. Grindel, Niersbach, Zwanziger, Mayer-Vorfelder, Braun, Neuberger: ein Grusel-Kabinett, wenn man ehrlich ist. Es kann nur besser werden. Höchste Zeit also für eine Lichtgestalt 2.0! Aber wer hätte die entsprechende Strahlkraft? Ein Überblick:

Sylvia Schenk: Die Anti-Korruptions-Expertin hat sich bislang als einzige proaktiv angeboten, jedoch nur für den Übergang, um den wankenden Riesen DFB "in ruhiges Fahrwasser zu bringen", bis ein neuer Präsident gewählt werden könne.

Als ehemalige 800-Meter-Läuferin und Ex-Präsidentin des Radsportverbandes geht der 68-Jährigen aus Rotenburg an der Wümme eins allerdings ab: Fußball-Kompetenz. Strahlkraft: 1 Birne

Hat sich interimsmäßig angeboten: Sylvia Schenk.
Hat sich interimsmäßig angeboten: Sylvia Schenk. © picture alliance/dpa

Nadine Keßler: Davon hat die Ex-Nationalspielerin und Europameisterin von 2013 mehr als genug: vier deutsche Meistertitel, drei Champions-League-Triumphe, Europas und Weltfußballerin des Jahres 2014: Viel mehr geht nicht.

Die 33-jährige Pfälzerin wäre für den traditionell männerlastigen DFB ein Quantensprung und so Garantin für einen echten Neuanfang. Als Uefa-Beraterin für die Entwicklung des Frauenfußballs kennt sie sich seit vier Jahren auch mit dem Kosmos Verbandsarbeit aus. Strahlkraft: 4 Birnen

Karl-Heinz Rummenigge: Der Mann für alle Fälle. War beim FC Bayern seit seinem Wechsel von Borussia Lippstadt 1974 schon alles, von Stürmerstar bis Vorstandsboss.

Er scheidet zum Jahresende aus, macht aber bei der Europäischen Klubvereinigung ECA und im Uefa-Exekutivkomitee weiter. Kernkompetenz: Strippen ziehen. Insofern die Idealbesetzung auf dem DFB-Thron.

Jedoch hat der 65-Jährige schon verlauten lassen: kein Interesse. Wobei: Auf das eine Amt mehr käme es auch nicht mehr an, oder? Strahlkraft: 4 Birnen

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Uli Hoeneß: Würde mit seiner Nemesis Rummenigge eine Top-Doppelspitze à la Waldorf & Statler abgeben. Nein, das wünscht sich keiner. Was der 69-Jährige künftig mit sich anstellen soll, weiß er wahrscheinlich selbst nicht so genau.

Gemütlich am Tegernsee sitzen jedenfalls nicht, TV-Analyst auch nicht, aber als Aufräumkommando in der Baustelle DFB ist der Bayern-Bulldozer nur schwer vorstellbar. Für Außenstehende wäre es vor allem eins: ein Heidenspaß. Strahlkraft: 5 Birnen

Philipp Lahm: Was macht der eigentlich so? Das Karriereende ist auch schon wieder vier Jahre her, und seit es mit dem Sportdirektor-Posten bei den Bayern nichts wurde, hört man wenig von dem 37-Jährigen.

Aber: Er ist für den EM-Spielort München zuständig und zudem Turnierdirektor der EM 2024, zudem Mehrheitseigner bei Schneekoppe. In seiner Unverbindlichkeit sicher ein Konsenskandidat. Und hey: Weltmeister-Kapitän! Strahlkraft: 2,5 Birnen

Matthias Sammer: Noch einer aus dem Bayern-Kosmos, wenn auch mit BVB-Stallgeruch, für den er seit drei Jahren externer Berater ist. DFB-Sportdirektor war er schon mal, gilt als unbequemer Geist, was zwar bitter nötig, aber sicher auch anstrengend wäre. Strahlkraft: 3 Birnen

Würde für neuen Wind sorgen: Matthias Sammer.
Würde für neuen Wind sorgen: Matthias Sammer. © picture alliance/dpa

Rudi Völler: Schon schade, dass es nur einen Rudi Völler gibt. Aber der, der nach der nächsten Saison bei Leverkusen die Koffer packt, hat wahrscheinlich weder Lust noch Nerv, sich den DFB-Trott anzutun. Wäre vom Tabula-rasa-Effekt her sicher ein Hauptgewinn, frag nach bei Waldi Hartmann. Strahlkraft: 5 Birnen

Christian Seifert: Wäre die ideale Kopf-Lösung: strukturiert, klar in der Ansage, vorausdenkend, einfach klug. Hat sogar selbst gekickt: immerhin Verbandsliga, in der Jugend des FC Rastatt 04. Wäre im DFB-Chaos ein 1a-Aufräumer, der jeden Stein umdrehen würde. Der Haken: Er will nicht. Strahlkraft: 3 Birnen

Gute Wahl - will aber nicht: Christian Seifert.
Gute Wahl - will aber nicht: Christian Seifert. © picture alliance/dpa

Cem Özdemir: Der VfB-Fan wird wie Ex-Innenminister Thomas de Maiziere und CDU-Mann Wolfgang Bosbach als Polit-Quereinsteiger gehandelt. Kennt sich daher mit Verbandsklüngel bestens aus, aber ob das reicht als Expertise? Strahlkraft: 3 Birnen

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Joachim Löw: Fußballexpertise: check. DFB-Insiderwissen: check. Frisur: check. Und überhaupt: Was soll er denn machen nach der EM? Etwa den HSV retten? Dann schon lieber DFB-Boss. Geht auch von Freiburg aus. Strahlkraft: 3 Birnen

 

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