Liveticker zum Nachlesen: Blatter startet in fünfte Amtszeit

Alles wie immer: Der umstrittene FIFA-Boss Joseph Blatter bleibt im Amt als Präsident des Weltfußballverbandes FIFA. Der Schweizer setzte sich durch - der  jordanische Herausforderer Prinz Ali gab auf.  
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Die Widersacher sind geschockt: Joseph Blatter bleibt FIFA-Präsident.
dpa Die Widersacher sind geschockt: Joseph Blatter bleibt FIFA-Präsident.

Alles wie immer: Der umstrittene FIFA-Boss Joseph Blatter bleibt im Amt als Präsident des Weltfußballverbandes FIFA. Der Schweizer behauptete sich erneut, der jordanische Herausforderer Prinz Ali gab auf.

Zürich/München - Trotz der skandalösen Vorkommnisse rund um den FIFA-Kongress ist Joseph Blatter als Präsident des Fußball-Weltverbandes wiedergewählt worden. Der umstrittene Schweizer erhielt zwar einen Denkzettel, setzte sich bei dem Votum am Freitag in Zürich aber trotzdem mit 133:73 Stimmen gegen seinen jordanischen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein durch. Damit geht der 79 Jahre alte Blatter, der alle Rücktrittsforderungen ignoriert hatte, in seine fünfte Amtszeit. Die Abstimmung über eine mögliche fünfte Amtszeit Blatters stand als 17. Punkt auf der Agenda des Treffens der 209 FIFA-Mitgliedsverbände.

Der Kongress selbst verlief sehr unruhig, die Tagung wurde unter anderem durch eine Bombendrohung empfindlich gestört.

 

Die wichtigsten Infos in der Übersicht:

 

  • Wegen Korruptionsverdacht haben die Schweizer und die US-amerikanische Justiz Ermittlungen gegen FIFA-Funktionäre eingeleitet. Sieben Verdächtige wurden am Mittwoch in Zürich festgenommenen. Die wurden von der FIFA von allen Fußball-Aktivitäten vorläufig suspendiert.

  • Bombendrohung erschüttert FIFA-Kongress

  • Niersbach in die FIFA-Exekutive gewählt

  • FIFA-Boss Blatter wittert einen Zusammenhang zum Zeitpunkt der Festnahmen.

  • Blatter eröffnet den FIFA-Kongress mit einer Rede und sagt: "Ich kann nicht alle kontrollieren"

  • Die Europäische Fußball-Union (UEFA) wird entgegen ursprünglichen Überlegungen den FIFA-Kongress nicht boykottieren.

  • UEFA-Präsident Michel Platini forderte Blatter persönlich zum Rücktritt auf. Der lehnte ab.

  • Kremlchef Wladimir Putin stellt sich hinter Verbandschef Blatter und wirft den USA ungerechtfertigte Einmischung vor. Die britische Regierung fordert Blatters Rücktritt.

  • Blatter sagte alle Termine für Donnerstag ab und setzte eine FIFA-Sondersitzung an.

  • Platini spricht im Falle eines Sieges von Blatter am Freitag von "drastischen Maßnahmen auf einer bislang nicht gekannten Eskalationsstufe"

 

Lesen Sie hier: Der FIFA-Skandal im Überblick
 

Lesen Sie hier: FIFA-Funktionären drohen 20 Jahre Haft

 

Verfolgen Sie hier die aktuellen Entwicklungen im Live-Blog!

 

Das war's mit dem Liveticker - wir wünschen Ihnen einen schönen Abend.

 

+++ Blatter weiter FIFA-Boss, Prinz Ali gibt auf +++

Sogar höchste politische Kreise hatten Joseph Blatter zum Rückzug aufgefordert - ohne Erfolg. Der Schweizer wird im Amt des FIFA-Präsidenten bestätigt. Gegenwind ist von der UEFA zu erwarten. Niersbach wird seinen Platz im Exekutivkomitee vorerst einnehmen.

+++ Keine Mehrheit für Blatter im ersten Wahlgang +++

Joseph Blatter verpasst im ersten Wahlgang die Wiederwahl als Präsident des Fußball-Weltverbands FIFA. Der umstrittene Schweizer erhält auf dem FIFA-Kongress in Zürich nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit gegen seinen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein. Für Blatter stimmen 133 Delegierte, für al-Hussein 73.

+++ Blatter: "Ich brauche Euch alle" +++

"Wir werden in der Zukunft ein paar Dinge verändern müssen - schon ab morgen", sagte FIFA-Chef Joseph Blatter in seiner Rede kurz vor Beginn der Präsidentschaftswahlen. Dabei warb er noch einmal für sich.

"Ich brauche Euch alle", appellierte der Schweizer an die Delegierten. "Einer allein kann das nicht schaffen". Für den 79-Jährigen steht fest: "Die schöne FIFA" hat noch eine große Zukunft vor sich. "Wir müssen nicht nur gegen die Korruption arbeiten, sondern müssen unser Haus gegen jegliche Störung intakt halten."

Blatter: "Wir müssen das Image der FIFA aufpolieren - und wir fangen gleich morgen damit an." Sein Appell: "Das ist meine Welt - und ich will gerne bei Ihnen bleiben! Fußball ist mehr als ein Spiel. Es braucht einen starken Leader."

Es gehe auch um Disziplin, Fairplay und Respekt...

+++ DFB-Chef Niersbach in der FIFA-Exekutive +++

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist in das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes aufgenommen worden. Der Einzug in das umstrittene Gremium beim FIFA-Kongress in Zürich als Nachfolger von Theo Zwanziger stand durch die Wahl beim UEFA-Kongress im März quasi fest.

+++ Palästinensischer Verband zieht Antrag auf Ausschluss Israels zurück +++

Der palästinensische Fußball-Verband hat beim FIFA-Kongress kurz vor der Abstimmung seinen Antrag auf einen Ausschluss Israels aus dem Weltverband zurückgezogen. Zahlreiche andere Verbandsvertreter hätten ihn darum gebeten, sagte der Chef von Palästinas Fußball-Verband, Jibril Al Rajoub. "Das heißt aber nicht, dass ich meinen Widerstand aufgeben werde." Stattdessen forderte Al Rajoub die Abstimmung über eine Kommission, die die angeblichen Vergehen Israels untersuchen soll. Die Palästinenser werfen den Israelis vor, die Bewegungsfreiheit von Spielern und die Entwicklung des Fußballs in Palästina zu behindern.

+++ Cornel Borbély neuer Chefermittler der FIFA-Ethikkommission +++

Der Schweizer Cornel Borbély ist zum Chef der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes gewählt worden. Der Topjurist bekam 199 von 201 abgegebenen Stimmen. Borbély hatte das Kontrollgremium bereits seit Dezember 2014 kommissarisch geführt. Zuvor war der Amerikaner Michael Garcia zurückgetreten, weil seine Untersuchungsergebnisse zur skandalumwitterten WM-Vergabe 2018 und 2022 nicht zu einer Anklage in seinem Sinne geführt hatten. Vorsitzender der rechtssprechenden Kammer der Ethikkommission bleibt der deutsche Strafrechtler Hans-Joachim Eckert. 
 

+++ Bombendrohung beim FIFA-Kongress! +++
 

Die FIFA hat die Eingangstore zum Kongress jetzt durch Polizeikräfte abriegeln lassen. Bloß keine weiteren Störungen, bloß keine Demonstranten im Gebäude. Dabei steht die Präsidentenwahl um den umstrittenen Paten Joseph Blatter erst noch an.

FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke sagt nach der Mittagspause: "Es gab eine Bombendrohung. Wir haben die Pause genutzt, um den Saal durchsuchen zu lassen. Es ist alles sauber. Danke, dass Sie alle hier sind. Wir können jetzt mit dem Kongress fortfahren." Blatter lapidar: "Jetzt kann ich wieder lachen."

Die Polizei hatte zuvor die Bombendrohung gegen den FIFA-Kongress bestätigt. In einer Redaktion war die Drohung telefonisch eingangen. Polizei und Einsatzkräfte untersuchten das Areal, gegen 13.30 Uhr wurde der Kongress fortgesetzt. Wie geplant arbeiteten die Delegierten nach ihrer Mittagspause die Agenda weiter ab.

+++ Zeitpunkt der Festnahmen kein Zufall? +++

FIFA-Präsident Joseph Blatter wittert einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Festnahmen im neuen Skandal um den Fußball-Weltverband und dem Wahlkongress. "Ich spreche da nicht von einem Zufall, ich stelle zumindest die Frage, ob es Zufall war", sagte der Schweizer in seiner 20-minütigen Ansprache am Freitag in Zürich vor Vertretern der 209 FIFA-Mitgliedsländer. Es gebe Beweise, dass etwas Negatives passiert sei. "Das ist nicht gut. Und es ist nicht gut, dass es zwei Tage vor dem Wahlkongress passiert." Wie bereits am Vortag zur Kongress-Eröffnung stellte Blatter den jüngsten Skandal mit Festnahmen von sieben Fußball-Funktionären nicht als Vergehen der FIFA dar. "Die Schuldigen, wenn sie denn als schuldig verurteilt werden, das sind Einzelpersonen, das ist nicht die gesamte Organisation", erklärte der Schweizer. "Die Ereignisse von Mittwoch haben einen langen Schatten auf den Fußball und den Kongress geworfen. Versuchen wir, den Schatten zum Verschwinden zu bringen."

+++ FIFA legt bei finanziellen Reserven zu +++

Wenn das keine tolle Bilanz ist: Der Fußball-Weltverband FIFA hat seine immensen Finanzrücklagen weiter gesteigert. Die Reserven hätten sich zum Dezember 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 91 Millionen US-Dollar auf 1,523 Milliarden erhöht, sagte FIFA-Finanzdirektor Markus Kattner beim Wahlkongress am Freitag in Zürich und bestätigte den bereits im März veröffentlichten Bericht. Im Finanz-Zyklus 2011-2014 wurden 5,718 Milliarden Dollar eingenommen, im vorherigen Zyklus 2007-2010 waren es noch 4,189 Milliarden gewesen. Als Gewinn verblieben 2011-2014 338 Millionen Dollar, damit sank der Gewinn im Vergleich zu 2007-2010 um 293 Millionen.

 

+++ WM-Finale 2022 am vierten Advent +++

Das Finale der WM 2022 in Katar geht tatsächlich am vierten Advent über die Bühne. Der Weltverband bestätigt den Endspieltermin 18. Dezember. "Darauf haben wir uns geeinigt", sagt Generalsekretär Jerome Valcke. Das Turnier dauert 28 Tage, es beginnt also am 21. November 2022.

+++ Zwanziger nicht dabei +++

Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger nimmt nicht am FIFA-Kongress teil. Der deutsche Funktionär - er scheidet bei der Vollversammlung aus dem Exekutivkomitee aus - verzichtete auf die Reise nach Zürich.

+++ Rauball für gemeinsames Vorgehen der Top-Nationen Europas +++

Reinhard Rauball hat eine Änderung des Wahlverfahrens beim Weltverband FIFA und ein gemeinsames Vorgehen der europäischen Top-Nationen gefordert. "Ich halte es für wichtig, dass innerhalb der UEFA die fünf großen Ligen England, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland untereinander eine Einheit bilden", sagte der deutsche Ligapräsident am Freitag vor dem FIFA-Kongress in Zürich. "Wir können nur ein Gegengewicht bilden, wenn sich diese fünf Nationen zusammenschließen." DFB-Präsident Wolfgang Niersbach werde "das ein oder andere Gespräch" dazu führen. "Wenn er merkt, dass das geht, sollte man das angehen", sagte Rauball. Die Mehrheit der Mitgliedsländer der Europäischen Fußball-Union UEFA spricht sich gegen eine Wiederwahl von FIFA-Präsident Joseph Blatter und für dessen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein aus. Dazu stellte Rauball das Stimmverhältnis bei Entscheidungen des Kongresses infrage. Derzeit hat jedes der 209 Mitgliedsländer gleichberechtigt eine Stimme. "Man muss nachdenken, ob man nicht ein Gremium einführen kann, das vorab entscheiden kann, dass wie in Unternehmen bei wichtigen Entscheidungen ein Aufsichtsrat entscheidet. Das muss proportional anders gemacht werden", betonte Rauball.

Kurz nach Beginn des Kongresses haben zwei Frauen im Veranstaltungssaal Parolen gerufen und eine Palästina-Fahne geschwungen. Mindestens eine von ihnen hatte offenbar eine offizielle Akkreditierung um den Hals. Sie wurden von Sicherheitskräften umgehend abgeführt. FIFA-Boss Joseph Blatter wurde in seiner Rede unterbrochen - und erklärte: "Das ist eine Störung des Kongresses, deshalb habe ich die Sicherheit gerufen." Der palästinensische Fußball-Verband stellt auf dem FIFA-Kongress den Antrag auf Ausschluss des israelischen Fußball-Verbandes wegen angeblicher Behinderung seiner Spieler durch Israel.

+++ Blatter-PK auf Samstag verlegt +++

Es dürfte ein langer Tag werden heute in Zürich: Die traditionelle Pressekonferenz mit dem Präsidenten wurde schon vor Sitzungsbeginn auf Samstagvormittag verschoben. Eigentlich war man davon ausgegangen, dass der Kongress am gegen 19 Uhr endet. Die Pressekonferenz soll nun am Samstag (11.30 Uhr) über die Bühne gehen - also nach der anberaumten Sondersitzung des FIFA-Exekutivkomitees im Hauptquartier in Zürich.

 

+++ Hauptthemen des heutigen Kongresses +++

Als Nachfolger von Theo Zwanziger zieht Niersbach ins FIFA-Exekutivkomitee ein. Der 64-Jährige war von den Delegierten der Europäischen Fußball-Union UEFA für das Amt bestimmt worden. Niersbach lässt sich eine Übernahme des Sitzes bei einer Wiederwahl Blatters zwar offen, ein sofortiger Rückzug ist allerdings kaum erwartbar. Die erste wichtige Amtshandlung wird das Ringen um die Anzahl der europäischen Startplätze bei der WM 2018 am Samstag. Der Verband Palästinas verlangt einen Ausschluss Israels aus dem Weltverband, da Spieler in ihrer Bewegungsfreiheit behindert worden sein sollen. Die benötigte Dreiviertelmehrheit dürfte der Antrag bei der Abstimmung wohl nicht bekommen - dass Blatter dieses Politikum allerdings auch durch Besuche bei Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nicht beenden konnte, ist ein Ärgernis für den Schweizer. Nach dem Rückzug von Michael Garcia wird ein neuer Chefermittler der FIFA-Ethikkommission bestimmt. Bislang hatte der Schweizer Rechtsanwalt Cornel Borbély den Vorsitz der Untersuchungskammer übernommen. Garcia hatte die Ermittlungen zu möglichen Korruptionsfällen bei der Vergabe der WM 2018 an Russland und 2022 an Katar geleitet. Gegen den Zwischenbericht seines 430 Seiten umfassenden Reports hatte er Einspruch eingelegt. Dieser war von der FIFA-Berufungskommission abgewiesen worden. Garcia war daraufhin von seinem Posten zurückgetreten.

+++ UN wollen Beziehungen zu FIFA überprüfen +++

Nach dem neuerlichen FIFA-Skandal mit Festnahmen von Spitzenfunktionären wollen auch die Vereinten Nationen ihre Beziehungen zum Fußball-Weltverband überprüfen. "Wir schauen uns die bestehenden Partnerschaften sehr genau an und beobachten, wie sich die Situation entwickelt", sagte ein UN-Sprecher am Donnerstag in New York. Die Vereinten Nationen hätten eine Reihe von befristeten Partnerschaften mit der FIFA gehabt, bei denen aber nie Geld geflossen sei.

+++ Netanjahu: Ausschluss Israels würde FIFA zerstören +++

Ein Ausschluss Israels aus der würde den Fußball-Weltverband nach Einschätzung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zerstören. "Wenn sie mit einem Staat anfangen, dann geht es mit anderen Staaten weiter, und das würde die Organisation zum Zusammenbruch bringen", sagte Netanjahu laut Medienberichten vor Journalisten in Tel Aviv. 

Auf dem FIFA-Kongress am Freitag in Zürich soll über einen palästinensischen Antrag zum Ausschluss Israels aus der FIFA abgestimmt werden. "Der Versuch, Israel auszuschließen, ist sehr schwerwiegend, und wir werden uns mit aller Macht dagegen wehren", sagte der israelische Regierungschef.

Eine erforderliche Dreiviertel-Mehrheit unter den 209 Mitgliedsländern des Fußball-Weltverbandes gilt allerdings als ausgeschlossen.

FIFA-Präsident Joseph Blatter hatte sich in Nahost vergeblich um eine Schlichtung bemüht. Der palästinensische Fußballverband wirft Israel vor, es behindere mit seiner Blockadepolitik den palästinensischen Fußball.

Lesen Sie hier: Das sagt die Presse über den FIFA-Skandal

+++ Platini entwirft neues Drohszenario für Blatter-Sieg +++

Europas Anti-Blatter-Fraktion wird den FIFA-Kongress und die Präsidentschaftswahlen am Freitag nicht boykottieren und stattdessen Prinz Ali bin al-Hussein mit so vielen Stimmen wie möglich unterstützen. "In meinen Augen bleibt Blatter Favorit, aber die Unbekannte ist, wie reagieren die anderen auf die Dinge, die am Mittwoch passiert sind", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zu den Chancen des Jordaniers.

Für Blatters Wahlsieg schloss Platini drastische Maßnahmen auf einer bislang nicht gekannten Eskalationsstufe bis hin zu einem WM-Boykott nicht aus. Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche "alle Möglichkeiten ins Auge fassen", sagte er. Auf eine entsprechende Nachfrage konkretisierte der Chef der Europäischen Fußball-Union, dass er einen WM-Boykott nicht ankündige, aber dass es "demokratische Entscheidungen" der Landesverbände geben werde. Eine weitere Option ist laut Platini offenbar ein kollektiver Austritt der europäischen Mitglieder aus dem FIFA-Exekutivkomitee.

+++ Blatter: +++

FIFA-Boss Sepp Blatter eröffnet den 65. Kongress ganz selbstverständlich mit seiner Rede. Zunächst begrüßt er der Sport-Minister der Schweiz und anwesende IOC-Mitglieder. Recht schnell kommt Blatter auf die Ereignisse der letzten Tage zu sprechen und nennt diese einen "Schatten auf den Fußball". Gleichzeitig weist der FIFA-Chef aber alle Vorwürfe der Verantortlichkeit von sich: Ich kann nicht alle kontrollieren. Wer etwas Verbotenes tut, wird dies auch verbergen wollen". Und weiter: "Es wird noch mehr schlechte Nachrichten geben". Groteskerweise fordert Blatter noch die Anwesenden abschließend auf, "die Show zu genießen" ("Please enjoy our show").

Den jüngsten Skandal mit Festnahmen von sieben Funktionären in Zürich stellte Blatter als individuelles Problem dar. "Ich werde nicht erlauben, dass einige wenige die harte Arbeit der Mehrheit, die so hart für den Fußball arbeitet, zerstören." Am Freitag stellt sich Blatter beim Kongress für eine fünfte Amtszeit zur Wahl.

+++ UEFA-Chef Platini denkt an Rückzug aus FIFA-Wettbewerben +++

 UEFA-Präsident Michel Platini hat für den Fall eines Wahlsiegs von FIFA-Chef Joseph Blatter einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen FIFA-Wettbewerben nicht ausgeschlossen. Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche "alle Möglichkeiten ins Auge fassen", sagte der Franzose in Zürich.

+++ Platini forderte Blatter persönlich zum Rücktritt auf +++

"Ich habe ihm gesagt: 'Bitte verlasse die FIFA'. Lass' es sein": UEFA-Präsident Michel Platini hat den umstrittenen FIFA-Boss Joseph Blatter persönlich zum Rücktritt aufgefordert. Das sagte der Franzose auf einer Pressekonferenz in Zürich nach einer Unterredung mit Blatter. "Es wäre ein Zeichen von Größe gewesen. Fußball ist wichtiger als Personalien, aber er hat gesagt: 'Es ist zu spät. Ich kann nicht aufhören, nicht zu Beginn dieses Kongresses.'" Platini gilt als großer Unterstützer von Blatter-Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein.

+++ UEFA wird FIFA-Kongress nicht boykottieren +++

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) wird entgegen ursprünglichen Überlegungen den FIFA-Kongress nicht boykottieren und will bei der Präsidentschaftswahl am Freitag zu großen Teilen für Prinz Ali bin al-Hussein votieren. Das teilten mehrere UEFA-Mitglieder mit. Der CONCACAF-Verband schloss sich dem an. "Boykott ist keine Lösung, das ist noch nie eine gewesen. Das war auch in der olympischen Bewegung so", sagte Reinhard Rauball als Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) und ergänzte: "Was hier passiert, ist ein absolutes Desaster. Wir müssen den Wandel herbeiführen. Das können wir nur, wenn wir Prinz Ali wählen."

+++ Sportpolitiker: FIFA soll Wahl verschieben +++

Deutsche Sportpolitiker fordern eine radikale Kehrtwende beim Fußball-Weltverband FIFA. Vor allem ihr Vertrauen in FIFA-Präsident Joseph Blatter ist tief erschüttert. Zahlreiche Bundestagsabgeordnete sprachen sich für eine Verschiebung der Wahl des neuen FIFA-Präsidenten aus. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte der "Saarbrücker Zeitung" mit Blick auf die Vergabe der Weltmeisterschaften an Katar und Russland: "Alle Fußballfans haben ein Recht darauf zu erfahren, was besonders im Vorfeld der WM-Vergaben wirklich passiert ist." Die Opposition sieht die Schuld zuvorderst bei FIFA-Präsident Joseph Blatter. "Blatter darf sich keinen schlanken Fuß machen und sich aus der Verantwortung stehlen", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Dietmar Bartsch. Die Korruption sei unter seiner Präsidentschaft regelrecht aufgeblüht. Der Parteivorsitzende Bernd Riexinger sagte: "Der Weltdiktator des Fußballs muss zurücktreten."

+++ Amnesty und Gewerkschaft: Gemeinsam gegen Blatter +++

In ihrem Kampf gegen die "menschenunwürdigen und sklavenähnlichen" Verhältnisse auf den Baustellen des WM-Gastgeberlandes Katar haben sich die Menschenrechtsorganisation Amnesty International und die Gewerkschaft IG Bau zum ersten Mal zusammengetan. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt am Main forderten sie am Donnerstag eine radikale Erneuerung des Fußball- Weltverbandes FIFA und den Rücktritt von Präsident Joseph Blatter.

+++ Afrikanische Fußball-Konföderation steht zu Blatter +++

Die afrikanische Fußball-Konföderation CAF hat sich gegen eine Verlegung der FIFA-Präsidentschaftswahl ausgesprochen und wird Amtsinhaber Joseph Blatter weiter unterstützen. "Die CAF ist gegen eine Verlegung des Kongresses und der Wahl am 29. Mai. Bei einem Treffen am Mittwoch hat die CAF Sepp Blatter erneut ihre Unterstützung versichert", teilt der Verband auf seiner Homepage mit. Die Konföderation werde in vollem Umfang bei der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe kooperieren. Die CAF vereint bei der Präsidentschaftswahl allein 54 der 209 Stimmen. Zuvor hatte bereits die asiatische Konföderation AFC (46 Stimmen) erklärt, Blatter weiter unterstützen zu wollen.

+++ Britische Regierung fordert Blatters Rücktritt +++

Die britische Regierung von Premierminister David Cameron unterstützt - wie auch der englische Fußballverband FA - die Gegenkandidatur von Prinz Ali bin al-Hussein bei der für Freitag geplanten Wahl zum Präsidenten des Fußball-Weltverbands - und fordert kategorisch den Rücktritt von Joseph Blatter. Der Premier schließe sich der Kritik seines Sportministers John Whittingdale an, sagte sein Sprecher in London. Rufe der britischen Boulevardpresse, die nächste Fußball-Weltmeisterschaft solle in England stattfinden, schloss sich der Sprecher nicht an. Der Fokus müsse nun auf den Ermittlungen und Reformen des Verbands liegen. England hatte sich um die WM 2018 beworben. Sportminister Whittingdale hatte im Parlament gesagt, Regierung und FA müssten über die Möglichkeit sprechen, sich aus der FIFA zurückzuziehen.

+++ Putin steht zu FIFA-Chef Blatter und kritisiert USA +++

Kremlchef Wladimir Putin stellt sich im FIFA-Korruptionsskandal hinter Verbandschef Joseph Blatter und wirft den USA ungerechtfertigte Einmischung vor. Die Ermittlungen seien ein Vorwand, Blatters Wiederwahl zu verhindern, sagte Putin in Moskau. Er forderte den Weltfußballverband der Agentur Interfax zufolge auf, wie geplant an diesem Freitag den Urnengang abzuhalten. "Wir wissen von dem Druck, der auf Blatter ausgeübt wurde, mit dem Ziel, Russland die WM 2018 wegzunehmen", sagte Putin. Washington versuche, mit den Festnahmen mehrerer internationaler Fußball-Funktionäre in der Schweiz US-Recht außerhalb der eigenen Grenzen anzuwenden. Die Verdächtigen seien wegen eines Auslieferungsantrags aus Washington festgenommen worden. "Diese Funktionäre sind keine US-Bürger. Die USA haben mit dem Fall nichts zu tun", meinte Putin.

+++ USA beantragen Auslieferung von drei Argentiniern +++

Die US-Justiz hat im Zuge des FIFA-Bebens offiziell die Festnahme und Auslieferung von drei argentinischen Staatsbürgern beantragt. Wie das argentinische Außenministerium in Buenos Aires mitteilte, handelt es sich um die Unternehmer Alejandro Burzaco, Hugo Jinkis und Mariano Jinkis. Alle drei sind im Sport-Marketing tätig.

+++ Blatter ruft FIFA-Sondersitzung ein +++

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat angesichts des jüngsten Korruptionsskandals Vertreter aller sechs Konföderationen zu einer Sondersitzung in Zürich eingeladen. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Situation vor dem FIFA-Kongress, der am Nachmittag in einem Theater in Zürich eröffnet werden soll. Die Europäische Fußball-Union UEFA hatte eine Verschiebung des Kongresses und der für Freitag anberaumten Präsidentschaftswahlen gefordert. Dies wurde von der FIFA bislang strikt abgelehnt.

+++ WM 2010: Südafrika weist Vorwürfe zurück +++

Die südafrikanische Regierung hat die im Zuge des FIFA-Skandals erhobenen Anschuldigungen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 zurückgewiesen. "Nach Abschluss der WM gab es einen sauberen Prüfungsbericht. Es gab niemals irgendwelche Hinweise, dass etwas Dubioses in Südafrika passiert ist", sagte Kanzleramtsminister Jeff Radebe.

+++ Ex-FIFA-Manager Tognoni: UEFA-Boykott wäre Gefahr für Blatter +++

Sollte die Europäische Fußball-Union die Drohung wahr machen, "dann wird das für Sepp Blatter eine schwierige Sache." Für den ehemaligen FIFA-Mediendirektor Guido Tognoni wäre ein Boykott des FIFA-Kongresses durch die UEFA eine Gefahr für den FIFA-Boss. Zwar sei eine Wiederwahl des FIFA-Präsidenten trotzdem wahrscheinlich, aber "ein FIFA-Präsident, der von einem Rumpfparlament gewählt wird, der blickt schwierigen Zeiten entgegen", erklärte Tognoni im Deutschlandfunk. Einen Rücktritt Blatters von sich aus schloss der Ex-FIFA-Manager aus: "So wie ich ihn kenne, wird er nicht zurücktreten. Er hat Angst vor dem großen Loch."

+++ Top-Sponsoren setzen FIFA unter Druck +++

Die FIFA-Topsponsoren werden unruhig: Das Kreditkartenunternehmen Visa mahnte "rasche und sofortige Maßnahmen" an, um die Probleme innerhalb der FIFA zu beheben. "Als Unternehmen, für das ethischen Normen und Transparenz den höchsten Stellenwert besitzen, sind wir extrem besorgt über die eingeleiteten rechtlichen Schritte gegen bestimmte FIFA-Führungskräfte", betonen die Verantwortlichen des südkoreanischen Automobilherstellers Hyundai. Visa und Hyundai (zusammen mit Schwesterfirma Kia Motors) zählen neben Coca-Cola, Gazprom und Adidas zu den ständigen Marketingpartnern der FIFA. Ein Sprecher des deutschen Sportartikelherstellers teilte mit, man erwarte die Einhaltung ethischer Standards und bestärke deshalb die FIFA darin, "auch weiterhin transparente Compliance-Standards zu setzen und diese konsequent anzuwenden".

+++ Blatter hat alle Termine für Donnerstag abgesagt +++

Blatter sagte angesichts der aktuellen Ereignisse alle seine geplanten Auftritt vor der offiziellen Kongress-Eröffnung am Donnerstag (17 Uhr) in einem Zürcher Theater ab. Kritik bekam der Weltverband von mehreren seiner Sponsoren.

Medien gehen mit Blatter hart in die Kritik

+++ Wirbel um Blatter-Ausreise: Darf er die Schweiz verlassen? +++

Nach Informationen der Daily Mail soll FIFA-Boss Sepp Blatter von der Polizei die Anweisung erhalten haben, die Schweiz nicht zu verlassen. Hintergrund: Er soll in den nächsten Tagen verhört werden. Der medienkritische "bildblog" schreibt, dass Blatter sehr wohl aus der Schweiz ausreisen dürfe und beruft sich dabei auf Statements der Schweizer Bundesanwaltschaft.

+++ Blatter meldet sich auf Twitter zu Wort +++

+++ Verschiebung der Wahlen gefordert +++

Die UEFA fordert eine Verschiebung der Wahlen. Blatter selbst hatte am Mittwoch auf einen öffentlichen Auftritt verzichtet und nur eine schriftliche Stellungnahme abgegeben. Dabei äußerte er sich nicht zu einer möglichen Verschiebung der Präsidentschaftswahl. Auch am Donnerstag machte sich Blatter zunächst rar und erschien nicht zum Medizin-Kongress.

 

 


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