Blatter bleibt FIFA-Präsident - Prinz Ali gibt auf

Sogar höchste politische Kreise hatten Joseph Blatter zum Rückzug aufgefordert - ohne Erfolg. Der Schweizer wurde im Amt des FIFA-Präsidenten bestätigt. Gegenwind ist von der UEFA zu erwarten. Niersbach wird seinen Platz im Exekutivkomitee vorerst einnehmen.
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Joseph Blatter.
dpa Joseph Blatter.

Trotz der skandalösen Vorkommnisse rund um den FIFA-Kongress ist Joseph Blatter als Präsident des Fußball-Weltverbandes wiedergewählt worden. Der umstrittene Schweizer erhielt zwar einen Denkzettel, setzte sich bei dem Votum am Freitag in Zürich aber trotzdem mit 133:73 Stimmen gegen seinen jordanischen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein durch. Damit geht der 79 Jahre alte Blatter, der alle Rücktrittsforderungen ignoriert hatte, in seine fünfte Amtszeit.

Zur notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit reichte es für Blatter im ersten Wahlgang nicht, al-Hussein verzichtete aber auf ein zweites Votum. «Wir brauchen keine Revolution, wir brauchen eine Evolution. Ich möchte die FIFA neu gestalten, damit am Ende meines Mandats eine solide FIFA weiterregieren kann. Eine starke FIFA, die den Sturm überstanden hat», sagte Blatter, der nach dem neuerlichen Korruptionsskandal mit sieben Festnahmen von Spitzenfunktionären in Zürich abermals ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war.

Sogar höchste politische Kreise haben sich in die Diskussion eingeschaltet. Der britische Premierminister David Cameron forderte Blatter zum Rückzug auf. «Nach meiner Meinung sollte er gehen. Wir erleben die hässliche Seite eines schönen Spiels», sagte Cameron am Freitag bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Auch Merkel verlangte einen Neuanfang bei der FIFA. «Was für mich im Zentrum steht, ist das, dass mit der Korruption dort gebrochen wird, dass dort Transparenz einkehrt.»

Gegenwind erhält Blatter vor allem vonseiten der Europäischen Fußball-Union. Die UEFA hatte bereits am Donnerstag angekündigt, das Verhältnis zur FIFA im Falle einer Wiederwahl Blatters zu überdenken. So ist auch noch offen, ob DFB-Präsident Wolfgang Niersbach tatsächlich seinen Platz im FIFA-Exekutivkomitee einnehmen wird. Niersbach war am Freitag als Nachfolger von Theo Zwanziger in das umstrittene Gremium gewählt worden. Liga-Präsident Reinhard Rauball und Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatten dies begrüßt. Nur so könne Niersbach etwas bewegen. Vorgänger Zwanziger war aufgrund der Vorkommnisse nicht zum Kongress gereist.

Turbulent ging es auch am Freitag wieder zu. Wegen einer Bombendrohung wurde das Hallenstadion kurzzeitig evakuiert. Für Brisanz sorgte neben der Blatter-Wahl auch der Antrag des palästinensischen Fußball-Verbandes auf einen Ausschluss Israels aus dem Weltverband abgestimmt werden. Auf Intervention einiger Verbände wurde der Antrag zurückgezogen, stattdessen soll eine Kommission die Bewegungsfreiheit der Spieler in Palästina überwachen.

Mit einer Kommission ist es bei den Korruptionsvorwürfen nicht getan. Inzwischen haben sich auch die britischen Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet und ermitteln gegen FIFA-Offizielle. Die US-Behörden haben insgesamt 14 Funktionäre, darunter die FIFA-Vizepräsidenten Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo, der Korruption in einem Umfang von mehr als 150 Millionen US-Dollar angeklagt.

Bei den weiteren Kongress-Entscheidungen des Tages wurde der Schweizer Cornel Borbély zum Chef der Ethikkommission gewählt. Der Jurist hatte das Kontrollgremium bereits seit Dezember 2014 kommissarisch geführt, nachdem der Amerikaner Michael Garcia zurückgetreten war. Finanziell konnte die FIFA wieder Top-Zahlen präsentieren. Die Reserven hätten sich zum Dezember 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 91 Millionen auf 1,523 Milliarden US-Dollar erhöht.

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