Joshua Kimmich: "Wie ein kleiner Philipp Lahm"

Als Rechtsverteidiger überzeugt Kimmich gegen Nordirland – und wird mit Lob überhäuft. Neuer: „Ich habe immer ein gutes Gefühl mit ihm“.
| Patrick Strasser
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Hat gerade einmal 23 Bundesliga-Spiele – und spielt schon bei der EM: Bayern-Profi Joshua Kimmich.
dpa Hat gerade einmal 23 Bundesliga-Spiele – und spielt schon bei der EM: Bayern-Profi Joshua Kimmich.

Paris - Joshua Kimmich blickte kurz zur Seite und sah am Ausgang der Spielerkabine des „Parc des Princes“ in lauter erwartungsfrohe Gesichter. Er grüßte freundlich, ganz kurz, dann schaute er gerade aus Richtung Ausgang und beschleunigte, einen Rollkoffer ziehend, seine Schritte. Ab zum Bus. Ohne Wortspenden an die Journalisten.

Der 21-Jährige hatte wohl nach einem kurzen ARD-Interview am Spielfeldrand („Klar ist es was Besonderes. Alles ist anders, größer. Ich versuche, das nicht an mir vorbeirauschen zu lassen“), die Direktive der Verantwortlichen bekommen, nicht mit den Reportern zu reden. Nicht, weil zu befürchten war, dass der Bayern-Profi dabei den Mund zu voll nehmen würde. Nein, er sollte nicht schon an Ort und Stelle all die Lobeshymnen mitbekommen. Hat er dann ja auch früh genug. Mit dem Einschalten seines Handys. Zurück im Hotel schrieb er bei Facebook: „Wow – immer noch Gänsehaut! Ein super Gefühl! Ich kann es noch gar nicht fassen.“

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Der unerfahrenste Startelf-Debütant überhaupt

Er, der laut Statistik 131. deutsche EM-Spieler der DFB-Historie, hat mit seinem Einsatz beim 1:0 gegen Nordirland einen Rekord aufgestellt. Mit lediglich 23 Bundesliga-Spielen ist Kimmich der unerfahrenste Startelf-Debütant überhaupt – was man ihm in keiner Szene anmerkte. Im Gegenteil: Die Reife des Mannes mit dem Bubi-Gesicht verblüfft.

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Als neuer Rechtsverteidiger von Joachim Löw anstelle von Weltmeister Benedikt Höwedes, der seine Verbannung klaglos und weltmeisterlich aufnahm („Es war die richtige Entscheidung vom Trainer“) aufgestellt, machte Kimmich kaum einen Fehler. Nach vorne kurbelte er das Spiel an, mutig und entschlossen. Die rechte Abwehrseite ist keine Baustelle mehr, das neue Gesicht dürfte fortan gesetzt sein. Was für eine Turbo-Karriere im Nationaltrikot.

Clever und Selbstbewusst

Seine DFB-Premiere feierte Kimmich, der in der Saison 2014/15 noch bei RB Leipzig in der Zweiten Liga gespielt hatte, beim 1:3 gegen die Slowakei im vorletzten EM-Test Ende Mai in Augsburg – als Rechtsverteidiger. Wenige Tage danach bestätigte Löw Kimmichs Frankreich-Ticket. Nach nur zwei Gruppenspielen wurde er gebraucht. Und löste die Aufgabe souverän. „Joshua hat es auf der großen Bühne sehr gut gemacht“, lobte Löw, „ich konnte bei ihm keine Nervosität feststellen, er ist sehr clever und selbstbewusst.“

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Nur einer war nicht angetan – merkwürdigerweise. Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger meinte vor der Partie: „Ich halte wenig von ihm, er ist beim FC Bayern überbewertet.“ Und legte während des Spiels nach: „Kimmich spielt sehr gut. Aber er muss ja auch nicht verteidigen." Komisch.

Unter den Spielern ist man überrascht vom Selbstvertrauen Kimmichs. Mit „Josh“, so sein Spitzname, ist da einer, der seinen Weg machen wird, der sich unverzichtbar macht – das spüren die Teamkollegen. Einer, der sich im defensiven Mittelfeld zuhause fühlt, aber beinahe jede Position ausfüllen kann. Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola („Er ist fast mein Sohn“) machte ihn letzte Saison in der Not zum Innenverteidiger. „Josh kann alles spielen“, betont Jérome Boateng. Und Torhüter Manuel Neuer vertraut ihm „zu 100 Prozent“, er habe „immer ein gutes Gefühl mit ihm“.

Hat wie ein kleiner Philipp Lahm gespielt

Beim VfB Stuttgart hatte man nicht an Kimmich geglaubt, ihn nach Leipzig ausgeliehen. Jetzt startete er durch. Erst bei Bayern, nun in der Nationalelf. Wie einst Philipp Lahm. Seine Spielweise, seine Cleverness, seine Statur (mit 1,76 m sechs Zentimeter größer als Lahm) und seine durchdachten Aussagen erinnern an den Weltmeister-Kapitän.

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Schon ist der erste Vergleich da. Guido Buchwald, Weltmeister von 1990, meinte bei „Sky“: „Kimmich hat wie ein kleiner Philipp Lahm gespielt und ist auf der rechten Seite immer wieder marschiert, war sehr ballsicher und auch zweikampfstark.“ Momentan rechts, aber künftig – wie beim FC Bayern – in zentraler und wichtigerer Rolle im Zentrum, das wird Kimmichs Weg in der Nationalelf sein. Am Sonntag in Lille (18 Uhr) wartet sein nächster Einsatz, wohl erneut gegen die Slowakei.

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