Joachim Löw und die Flick-Frage

Der Vertrag von Löw läuft bis nach der WM 2022 - doch wird der Bundestrainer wirklich über die EM hinaus weitermachen? "Jedes Turnier ist eine Zäsur", sagt Bierhoff, der voll des Lobes für Flick ist.
| Patrick Strasser
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Joachim Löw und Hansi Flick haben über Jahre hinweg erfolgreich zusammengearbeitet.
Joachim Löw und Hansi Flick haben über Jahre hinweg erfolgreich zusammengearbeitet. © Federico Gambarini (dpa)

Sevilla/München - Bundestrainer Joachim Löw trägt meist schwarz. Gerne Rollkragenpullover, dazu ein schwarzes Sakko.

Makellos. In seiner Vita jedoch hat der Bundestrainer einen weißen Fleck. Im Juli 2006 übernahm der heute 60-Jährige von Sommermärchen-Dompteur Jürgen Klinsmann den Job des obersten Trainers hierzulande. In 188 Partien hat Löw seine Nationalelf nun verantwortet, dabei 120 Mal gewonnen, 30 Mal verloren.

Aber gegen Spanien, den Nations-League-Gegner vom Dienstag in Sevilla, konnte er in seinen mehr als 14 Bundestrainer-Jahren noch kein Pflichtspiel gewinnen - das 1:0 im November 2014 in Vigo war ein Testkick.

Spanien ist Joachim Löws rotes Tuch

Gegen alle anderen großen Nationen gelang Löw mindestens ein Erfolg, wenn's drauf ankam. Die Spanier sind Löws rotes Tuch, sie triumphierten gegen die DFB-Auswahl im EM-Finale 2008 und waren bei der WM 2010 im Halbfinale Endstation.

Wann ist beim schier ewigen Jogi Endstation? Sein Vertrag läuft bis zum Ende der WM 2022 in Katar, die im November/Dezember ausgespielt wird.

Nächster Halt ist jedoch die EM 2021. "Am Ende des Tages müssen wir alle uns an Ergebnissen messen lassen. Das weiß Jogi auch. Jetzt ist aber noch nicht der Zeitpunkt für eine Entscheidung - das Turnier kommt noch", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff der "FAZ". Und weiter: "Den Weg, den der Bundestrainer eingeschlagen hat, gehe ich bis einschließlich der EM mit." Nur bis zur EM? Jedes Turnier sei "eine Zäsur", betonte er.

Bleibt Joachim Löw über 2021 hinaus Bundestrainer?

Über Löws Zukunftsplanungen sagte Bierhoff in einem anderen Interview in "Sport1": "Wer Jogi kennt, der weiß, dass er sich auch nach erfolgreichen Turnieren immer wieder hinterfragt, ob er noch Kraft und Inspiration hat für diese Aufgabe. Ich sehe das entspannt. Unabhängig davon, wie die kommende EM verläuft, wird man sich danach ein paar Tage Zeit nehmen, miteinander reden und erörtern, wie der weitere Weg aussieht."

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Ein sehr realistischer Ansatz. Ob Bierhoff aber glaubt, dass Löw wirklich in Katar seine vierte WM als Chefcoach bestreitet? "Davon gehe ich aus. Ich bin auch der Überzeugung, dass er der beste Bundestrainer ist, den wir haben können. Er hat sein Können in all den Jahren gezeigt und wir wissen, was wir an ihm haben", sagte Bierhoff: "Jetzt hat er mit einer jungen Mannschaft und trotz der grauen Stimmung positive Ergebnisse für den Neuaufbau erzielt. Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass er der richtige Mann ist."

Darauf angesprochen antwortete Löw am Montagnachmittag in Sevilla ganz entspannt: "Es ist natürlich immer so, dass man an einem Turnier gemessen wird." Sein Verhältnis zu Bierhoff bezeichnete Löw als "super Vertrauensverhältnis. Wir kommunizieren ständig. Er kennt meine Meinung zu manchen Dingen, ich kenne seine. Wir kennen uns also in- und auswendig."

Bierhoff traut Flick die Löw-Nachfolge zu

Bei den möglichen Nachfolgern von Löw fallen immer wieder drei Namen: Liverpools Erfolgscoach Jürgen Klopp (53), Ex-Leipzig-Trainer und -Sportdirektor Ralf Rangnick (62) und Hansi Flick (55), der Triple-Coach des FC Bayern, der Löw von 2006 bis 2014 bei der Nationalelf assistierte - bis zum krönenden Abschluss WM-Gewinn in Rio. Nach acht gemeinsamen Jahren bestehe eine "Seelenverwandtschaft", so Löw. Beerbt ihn also Flick? "Dass ich ihm das zutraue, ist keine Frage."

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Traut Bierhoff Flick diese Rolle zu? "Absolut. Ob es aktuell ein Thema ist? Nein. Hansi kennt den DFB in- und auswendig. Er hat seine Qualität und hat immer gesagt, wie er den Verband schätzt. In all den Jahren war er ein ganz wichtiger Faktor für den Erfolg dieser Mannschaft. Sowohl für uns als auch für ihn ist das aktuell kein Thema." Stand jetzt. Das Thema kommt auf Wiedervorlage.

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