Deutschlands erste Elf: A - wie alternativlos

Die Testspiele gegen Österreich und Saudi-Arabien offenbaren, dass der B-Elf des Weltmeisters die Konstanz fehlt. Doch Bundestrainer Löw verspricht: "Wenn das Turnier beginnt, werden wir da sein."
| Patrick Strasser
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"In der zweiten Hälfte haben wir alles vermissen lassen", kritisiert Routinier Sami Khedira nach dem 2:1 gegen Saudi-Arabien.
GES/Augenklick "In der zweiten Hälfte haben wir alles vermissen lassen", kritisiert Routinier Sami Khedira nach dem 2:1 gegen Saudi-Arabien.

Leverkusen - Das Sprichwort mit der verpatzten Generalprobe und der gelungenen Premiere dient immer auch als Rettungsanker, als Hoffnung in der Not. An diese Devise klammert sich die deutsche Nationalelf nach dem ernüchternd schwachen 2:1 im letzten WM-Test gegen Saudi-Arabien.

Wenigstens konnte der Weltmeister den Anti-Lauf von fünf Spielen ohne Sieg beenden. Eine statistische Nebensache. Denn tatsächlich entfachte der Auftritt der Mannschaft von Joachim Löw mehr Sorgen als Hoffnung mit Blick auf die Mission Titelverteidigung. Großflächige Lücken im Mittelfeld, eine zu offene Deckung bei Kontern nach Ballverlusten. Der Bundestrainer fasste die Beinahe-Blamage kompakt zusammen: "Zu viele Chancen ausgelassen und zu viele Chancen zugelassen. Die erste Halbzeit war ordentlich. Dann haben wir nachgelassen."

Nur das A-Team hat Weltklasse-Qualität

Weder in der Defensive noch in der Offensive stimmt's, mit Ausnahme des Beginns, als man höher als 2:0 hätte führen können. Vor allem Bald-WM-Debütant Marco Reus spielte erfrischend kreativ. Im Mittelfeld schlug man zu viele lange Bälle, vorne wurde man einfallsloser und kam zu weniger Gelegenheiten. Der Gegner, gewiss kein Schwergewicht im Weltfußball und am Donnerstag Russlands Gegner im WM-Eröffnungsspiel, spürte, dass was geht. Die DFB-Abwehr wackelte vor allem in der Endphase bedenklich. Ein Trend oder lag dies nur an den vielen Wechseln (fünf bis zur Schlussviertelstunde)?

Nicht weltmeisterlich! Die DFB-Noten zum Spiel gegen Saudi Arabien

Auffällig nicht erst seit der 1:2-Schlappe im Test vor acht Tagen in Österreich: Den Spielern aus der zweiten Reihe fehlt das Attribut Weltklasse. Nur das A-Team, sprich die Helden von Brasilien 2014, also Torhüter Manuel Neuer, die Innenverteidigung um Mats Hummels und Jérôme Boateng, sowie die Mittelfeld-Zentrale mit Toni Kroos und Sami Khedira, haben die Qualität für die Titelverteidigung – wenn sie in Topform kommen!

Die B-Elf wird zur Wundertüte

Beim zuletzt verletzten Boateng sowie Thomas Müller erscheint dieser Weg aktuell am weitesten zu sein. Joshua Kimmich hat Steigerungspotenzial, wirkt nicht so giftig wie seit der EM 2016, auf der anderen Abwehrseite bildet Jonas Hector eine Schwachstelle. Erfreulich: Die Torjägerqualitäten von Timo Werner, der Esprit von Confed-Cup-Siegerkapitän Julian Draxler und eben Reus, der an beiden Treffern beteiligt war. Der Pfosten verwehrte ihm einen eigenen Treffer. Der Dortmunder hat den an Knie und Rücken verletzten Mesut Özil den Platz in der WM-Startelf vorerst abgeluchst. Dennoch gilt: Die A-Elf ist (beinahe) alternativlos.

Die B-Elf um Niklas Süle, Antonio Rüdiger, Ilkay Gündogan, Leon Goretzka und Mario Gomez kommt als Wundertüte daher. Talentiert, aber inkonstant, daher unberechenbar. Khedira nervte der Leistungsabfall: "In der zweiten Hälfte haben wir alles vermissen lassen." Für Hummels war es "kaum zu erklären". Doch Löw behält seinen Optimismus, seine Siegessicherheit, gespeist aus den Erlebnissen von fünf Turnieren als Chefcoach.

"Wir können Dinge verbessern, absolut. Aber nach zwei Wochen Trainingslager fehlen die Kräfte, das ist normal. Nächste Woche werden wir mehr Power haben." Der Bundestrainer ganz cool: "Sorgen mache ich mir keine, weil ich weiß, dass wir uns steigern. Wenn das Turnier beginnt, werden wir da sein." Kommt es am kommenden Sonntag in Moskau gegen Mexiko (17 Uhr) zur Form-Punktlandung? Ja, ja, die gute, alte Turniermannschaft... – das nächste Sprichwort. Kann man sich wieder auf das stetige Steigern verlassen?

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