Löw fordert Cleverness gegen Ghana

Alles oder nichts für Ghana, vorzeitiges Achtelfinale für Deutschland. Im zweiten Gruppenspiel setzt der Bundestrainer auf taktische Cleverness, Ghana kündigt einen Kampf „bis aufs Blut“ an.
| dpa
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Bundestrainer Joachim Löw (li.) bastelt am neuen Geheimplan für das Spiel gegen Ghana. Ob Bastian Schweinsteiger dabei eine Rolle spielt?
firo / Augenklick Bundestrainer Joachim Löw (li.) bastelt am neuen Geheimplan für das Spiel gegen Ghana. Ob Bastian Schweinsteiger dabei eine Rolle spielt?

Fortaleza – Portugal zählt nicht mehr, Deutschlands WM-Liebling Thomas Müller und seine euphorisch gefeierten Kollegen brennen auf das zweite heiße Match in Brasilien. Kontrahent Ghana hat dem Team von Joachim Löw für die Gruppenpartie in Fortaleza einen Kampf „bis aufs Blut“ angekündigt. „Er hat schon viele Dinge gesagt, aber das glaube ich ihm jetzt mal“, sagte Bundestrainer Löw zur martialischen Ansage des Schalkers Kevin-Prince Boateng, der seit der Fußball-Weltmeisterschaft vor vier Jahren in Südafrika für das Land seines Vaters spielt.

„Ghana kämpft um die letzte Chance. Für sie ist es ein Alles-oder-nichts-Spiel. Wenn man das erste Spiel verliert, muss man das zweite gewinnen, sonst ist man raus“, ergänzte ein konzentriert wirkender DFB-Chefcoach im ARD-Hörfunk. Löw möchte sich anders als beim Turnier 2010 ein Zitterspiel zum Gruppenabschluss ersparen. Zumal im Duell gegen Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann und dessen US-Boys am Donnerstag in Recife ohnehin schon viele Emotionen im Spiel sein werden.

Während die Westafrikaner in der Gruppe G nach der bitteren 1:2-Auftaktniederlage gegen die USA nun am Samstag (21.00 Uhr/MESZ/ARD) im 64 846 Zuschauer fassenden Estádio Castelão der schnelle WM-K.o. droht, könnte sich die deutsche Nationalmannschaft mit dem zweiten Turniersieg vorzeitig das Achtelfinal-Ticket sichern. Dazu müssten die Amerikaner gegen Weltfußballer Cristiano Ronaldo und dessen angeschlagene Portugiesen mindestens einen Punkt holen.

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„Wieder so ein entscheidendes Spiel, auf das wir uns hundertprozentig fokussieren müssen, bei dem wir die Anspannung spüren wollen“, sagte Jubilar Per Mertesacker. Die vielen missglückten zweiten WM-Spiele deutscher Mannschaften sah der Innenverteidiger als Warnung. Der 29 Jahre alte Abwehrchef läuft gegen Ghana zum 100. Mal im Adler-Trikot auf. „100 Länderspiele sind schön, das brennt sich ein, das fühlt sich gut an“, meinte Mertesacker. Doch im Vordergrund stehe natürlich die Aufgabe gegen „eine sehr gute Mannschaft“ aus Afrika: „Das wird ein hitziges Duell.“

Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. „Wir können davon ausgehen, dass es ein Gegner wird, der uns hart bearbeitet und uns alles abverlangt“, wies Löw auf die sportlich durchaus anspruchsvolle Aufgabe hin. Auch Keeper Manuel Neuer erwartet eine schweres Spiel. Man habe im Test gegen Kamerun gesehen, wie hart afrikanische Teams in die Zweikämpfe gingen. „Uns wird am Samstag etwas Ähnliches erwarten. Da müssen wir voll auf der Höhe sein“, forderte Neuer im Interview der „Bild“-Zeitung (Freitag).

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„Ghana hat immer hohe Ziele gehabt. Sie waren 2010 im Viertelfinale“, erinnerte der Bundestrainer vor allem die Fans zu Hause, die nach dem 4:0-Auftakt von einem weiteren lockeren WM-Schützenfest ausgehen. Vor vier Jahren in Johannesburg erlöste erst ein Treffer von Mesut Özil das Team und die schwarz-rot-goldene Anhängerschaft.

Zudem werden Hitze und Luftfeuchtigkeit in Fortaleza dem „Hunderter“ Mertesacker und dessen Mitspielern noch weitaus mehr abverlangen als im auch schon heißen Salvador gegen Portugal. Über 30 Grad sind vorausgesagt. Zwar hat sich das Löw-Team im Campo Bahia inzwischen zehn Tage akklimatisieren können. Doch der Bundestrainer warnte: „Wenn wir glauben, dass wir Vorteile haben, täuschen wir uns. Mit diesen Temperaturen sind die Spieler von Ghana aufgewachsen und leben ständig damit.“

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Der Matchplan, den Löw vor allem mit Chefscout Urs Siegenthaler aufgestellt hat, ist auf die Hitze und die Qualitäten des Gegners abgestimmt. „Wir haben den Vorteil, dass wir taktisch cleverer sein können“, meinte Löw: „Das wird vielleicht den Ausschlag geben. Wenn wir taktisch klug sind, werden wir unsere Möglichkeiten haben.“

An Taktik und Personal des Portugal-Spiels wird Löw nach dem Motto „Never change a winning team“ nicht allzu viel verändern. „Im Moment könnte es so sein“, verriet der 54-Jährige und ergänzte: „So viele Umstellungen wird es nicht geben.“ Die Position von Mats Hummels, dessen Wiedereinstieg ins Teamtraining für die abschließende Übungseinheit am Freitag in Fortaleza geplant war, würde ohne große Rotation besetzt.

„Dass Boateng ins Zentrum geht, ist nicht so ganz utopisch. Höwedes wird auf jeden Fall links bleiben“, legte Löw für den Fall fest, dass die Oberschenkelverletzung einen Hummels-Einsatz trotz aller medizinischen Anstrengungen nicht zulässt. WM-Neuling Shkodran Mustafi würde dann wie schon in den letzten Minuten gegen Portugal rechts verteidigen. In der Mittelfeld-Defensive bleibt es beim Trio Toni Kroos, Philipp Lahm und Sami Khedira.

Auch in der Offensivreihe werden neben dem Dreifach-Torschützen Müller die Portugal-Sieger Mesut Özil und Mario Götze erwartet, auch wenn Löw „verschiedene Lösungen“ in petto hat. „Wir haben Spielertypen, die im Moment sehr gut in Form sind. Da kann man variieren.“ Vor allem der wuchtige André Schürrle vom FC Chelsea drängt in die erste Elf. „Ich habe immer gesagt, wir haben auch die Möglichkeit, in unterschiedlichen Aufstellungen erfolgreich zu sein“, erklärte Löw.

Stürmer-Oldie Miroslav Klose muss bei seinem vierten WM-Turnier aber genauso wie Vizekapitän Bastian Schweinsteiger bei seinem dritten weiter auf eine Chance warten. Gegen Ghana kommen die beiden Mitglieder aus dem „Club der Hunderter“ wohl höchstens nur für ein paar Minuten infrage. „Da muss man sehen, wie das Spiel verläuft“, sagte der Bundestrainer. Klose und Schweinsteiger seien dennoch für das Team enorm wichtig und würden „unheimlich professionell“ arbeiten: „Das nenne ich unglaublich guten Geist, der bei uns herrscht, gerade bei den etablierten Kräften“, unterstrich Löw. Auch Ghana soll das zu spüren bekommen.

 

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