Schweinsteiger: Adrenalin gegen den Schmerz

Bastian Schweinsteiger quält sich im Dienste der Mannschaft durch die EM. Trotzdem kritisiert ihn Ex-Capitano Michael Ballack.
| Patrick Strasser
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Bastian Schweinsteiger quält sich im Dienste der Mannschaft durch die EM. Trotzdem kritisiert ihn Ex-Capitano Ballack.

Danzig - Lothar Matthäus hat er schon überholt, Michael Ballack auch. Mit Andreas Brehme steht er auf einer Stufe, ebenso mit Miroslav Klose. Zwölf Einsätze bei Europameisterschafts-Endrundenspielen hat Bayerns Superstar Bastian Schweinsteiger bei seiner dritten Turnierteilnahme bereits absolviert. Mit dem Halbfinale in Warschau gegen Italien (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht angepfiffen, d. Red.) hätte er dann auch Thomas Häßler und seinen ehemaligen DFB-Trainer Jürgen Klinsmann eingeholt. Nur einer hat noch einen EM-Einsatz mehr, einer aus dem aktuellen DFB-Team: Philipp Lahm.

Es ist die goldene Generation um Schweinsteiger, Lahm und Lukas Podolski, die bei der EM 2004 in Portugal erstmals dabei war – und dieses deprimierende Turnier wahrscheinlich, abgesehen von den rein persönlichen Emotionen der Premiere – schnell vergessen möchte.

Nach zwei Unentschieden und einer Pleite gegen Tschechien (1:2) war für die Mannschaft von Teamchef Rudi Völler damals schnell Schluss. Zwei Europameisterschaften und beinahe 300 Länderspiele später gehört das Trio zur absoluten Elite Europas. Doch Podolski (100 DFB-Einsätze), Schweinsteiger (94) und Lahm (90) haben nach der Finalniederlage vor vier Jahren gegen Spanien und zwei dritten Plätzen bei Weltmeisterschaften noch immer keinen Titel errungen. Ziemlich sicher ist, dass einer der Drei – oder alle – Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und seine 150 Länderspiele in ein paar Jahren einholen werden.

Es hätten schon weit mehr DFB-Einsätze sein können, doch die Geschichte von Bastian Schweinsteigers Karriere ist auch die von Verletzungen, besonders in dieser verflixten Saison. Erst der Schlüsselbeinbruch, dann der Außenbandriss plus kurz vor der EM auch noch Prellungen und Bluterguss in der Wade. „Wenn man da ganz tief reinschaut, brodelt es auch in mir”, sagte der 27-Jährige, „weil ich gern so spielen würde, wie mein Kopf es mir sagt. Aber mein Körper lässt es im Moment einfach nicht zu.”

Diese Aussagen waren es wohl, die Ex-Capitano Michael Ballack dazu veranlasst haben, in einer Kolumne für den „Express” Schweinsteiger harsch anzugehen: „Bastian darf nicht herumweinen. Er muss den Allerwertesten jetzt zusammenkneifen und vorangehen. Deutschland braucht einen starken und mutigen Schweinsteiger, um den Titel zu holen”, schrieb der 35-Jährige.

Im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark war Schweinsteiger wieder mit dem rechten Fuß umgeknickt, an dem er sich im Februar diesen Jahres einen Außenbandriss zugezogen hatte. Er musste eine Trainingspause einlegen und spielte beim 4:2 im Viertelfinale gegen Griechenland nicht so wie er kann – und will.

„Es gibt das eine oder andere Problem mit dem Sprunggelenk”, gestand Schweinsteiger dann auch ein. Schnelle Drehungen oder Außenristpässe bereiten ihm Probleme und Schmerzen. Doch Schweinsteiger hält durch, er sagte in Warschau: „Wenn das Spiel anfängt, bist du so voller Adrenalin, dass du den Schmerz verlierst.”

An der Kondition, der Ausdauer fehlt es nicht. Fast 48 Kilometer hat Dauerläufer Schweinsteiger nach vier Spielen bereits auf dem EM-Tacho. „Ich habe auch gegen Real Madrid und im Champions-League-Finale gegen Chelsea mit den gleichen Voraussetzungen gespielt. Da habe ich auch gute Spiele gemacht.”

Bundestrainer Joachim Löw hat in den vergangenen Tagen viel gesprochen mit seinem Vize-Kapitän. Weil er spürt: Da wächst ein späterer Trainer heran. „Bastian ist ein Spieler, der mitdenkt, der wissbegierig ist, der nachfragt, der sich wahnsinnig viele Gedanken macht, was die besten Lösungen für uns sind. Er ist unglaublich reif geworden.” Erst Rekordnationalspieler, später Trainer?

Schweinsteiger steht vor seinem 95. Länderspiel. Damit würde er seinen Boss beim FC Bayern einholen: Karl-Heinz Rummenigge. Und Torwart-Legende Sepp Maier. Eine illustre Runde, der er dann schon angehört. 

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