Xabi Alonso vom FC Bayern München spricht im Interview über Uli Hoeneß

Vor drei Jahren wechselte Xabi Alonso von Real Madrid nach München - und merkte sofort, wie wichtig Uli Hoeneß für den FC Bayern ist. Er spricht über seine Erfahrungen beim einzige familiären Weltverein.
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Ist nicht mehr lange an den FC Bayern gebunden: Xabi Alonso.
dpa Ist nicht mehr lange an den FC Bayern gebunden: Xabi Alonso.

Vor drei Jahren wechselte Xabi Alonso von Real Madrid nach München - und merkte sofort, wie wichtig Uli Hoeneß für den FC Bayern ist. Er spricht über seine Erfahrungen beim einzigen familiären Weltverein.

München - Er hatte schon alles gewonnen, was es im Fußball zu gewinnen gibt. Und trotzdem hat sich Xabi Alonso 2014 dazu entschlossen, beim FC Bayern München noch einmal ganz neu anzufangen. Der spanische Mittelfeld-Lenker hat im Interview mit der SZ über seine Erfahrungen in München und seine Zukunftspläne gesprochen.

Ein Fußballer der alten Schule

Dass ihm der Abschied vom aktiven Fußball nicht leicht fällt, ist nach 18 Jahren Profikarriere einleuchtend. "Aber ich habe alles mit mir letztgültig ausverhandelt", sagt der 35-Jährige. Ein Wechsel nach China oder in die USA sei für ihn keine Option gewesen. Er habe auf höchstem Niveau aufhören wollen. Das ist ihm beim FC Bayern gelungen.

Der FC Bayern - ein besonderer Verein

Alonso ist 1981 im Baskenland zur Welt gekommen und ist seitdem viel in der Fußball-Welt herumgekommen. Dennoch war die Zeit in München etwas besonderes für ihn, "in dieser makellosen, spektakulären Stadt". Auch wenn er vom Großklub Real Madrid kam, beeindruckte ihn der FC Bayern: "Man kann von außen die Dimension des Klubs erahnen. Aber erst, wenn du drinnen bist, bekommst du ein Gespür für die Bedeutung, die der FC Bayern in Deutschland hat. Es dürfte nur wenige Vereine von vergleichbarer Größe geben, die finanziell so gesund sind."

Zugleich sieht Alonso die Bayern aber immernoch als heimatverbundenen Verein: "Was mich im Moment besonders beeindruckt, ist, wie der FC Bayern global wächst - und trotzdem ein Ambiente beibehält, das von Nähe geprägt ist."

Der Macher Uli Hoeneß

Und auch die Vereinsführung mit ihren starken Charakterköpfen Hoeneß und Rummenigge sieht er als Erfolgsmodell. "Es funktioniert. Und es wird bewahrt werden. Durch die Leute, die das Wesen des FC Bayern von jeher aufgesogen haben." Als Alonso zu den Bayern wechselte, fehlte allerdings die vielleicht einflussreichste Person im Verein: Uli Hoeneß. "Ich kannte ihn nicht persönlich." Trotzdem merkte man sofort, "dass er eine Figur gewesen sein muss, die etwas sehr Greifbares erschaffen hat. Man hatte immer das Gefühl: Hier fehlt einer, der wichtig war. Der sehr geliebt wurde." Und nach der Rückkehr von Hoeneß "hat mich die Zuneigung der Leute verblüfft. Es war, als ob hier alle sagen würden: Wir haben auf dich gewartet", so Alonso.

Die Bundesliga im Aufwind

Der Fußball im Allgemeinen hat sich während Alonsos langer Karriere stark verändert. Die Spieler denken anders über das Spiel nach, werden anders vorbereitet. Einer, unter dem selbst der damals 32-Jährige Alonso nochmal einen Sprung machte, war Ex-Bayerntrainer Pep Guardiola. "Es ging um Kontrolle, und darum, welche Schritte man gehen muss, um zum gegnerischen Tor zu kommen."  Und für diese Art zu spielen war Alonso der perfekte Mann. "Er suchte damals einen Spieler meines Typs. Woran ich mich besonders erinnern kann, ist der Vorabend meines Debüts in Schalke. Nach dem Abendessen haben wir über Fußball geredet, Fußball, Fußball, Fußball. Wie er das lebte - das war beeindruckend."

Und damit ist er Vorbild vieler junger Trainer (Nagelsmann, Hasenhüttl, Tuchel) in der Bundesliga, denen der Xabi Alonso in Zukunft Großes zutraut. "Da bewegt sich was. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen: Die Mentalität des deutschen Fußballs ändert sich. Diese jungen Trainer gehen nicht einen deutschen Weg, sie versuchen, einen technisch-taktischen Reichtum zu entwickeln, den ich als europäischer empfinde."

Die Bundesliga ist für Alonso auf einem guten Weg, doch noch reicht es nicht ganz, um sich mit den Besten in Europa zu messen. Mehr Teams müssen in den europäischen Wettbewerben bestehen können, nicht nur Bayern und Dortmund. Das regt den Konkurrenzkampf in der Bundesliga an und hilft damit auch den großen Klubs, sich noch weiter zu steigern. "In gewissen Momenten hat in der Liga am Ende schon Wettbewerb gefehlt."

Das Ausscheiden gegen Real

Dass die Bayern es nicht ins Champions-League-Finale geschafft haben, war für den Spanier besonders bitter - gegen den eigenen Ex-Klub. Dennoch feierten ihn die Madrilener Fans nach dem Spiel: "Das hat mich sehr berührt. Ich hatte dort fünf tolle Jahre verbracht, und ich habe mich dort immer respektiert und geliebt gefühlt." Es war ein besonders schönes Rendezvous mit den Fans. "Die meisten 'Madridistas' halten mich für einen der ihren, und ich empfinde das auch so. Ich habe alles gegeben."

Und was kommt nach dem Karriereende?

"Natürlich bereitet einem so eine Entscheidung auch Schwindelgefühle. Ich nähere mich einer neuen Etappe, einem neuen Leben, nach 17, 18 Jahren als Profi, in denen ich immer wusste, was nach einer Saison passieren würde." Nach einem Urlaub möchte Alonso deshalb neustarten: "Jetzt muss ich eine neue Motivation suchen, meine Zeit anders verwalten - ein neues Leitmotiv für mein Leben finden." Ob es eine Rückkehr in den Fußball gibt, weiß er noch nicht. "Kann sein. Ich will mich nicht zu etwas zwingen. Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann: Mich reizt der Fußball immer noch."

Xabi und Philipp: Zwei Große hören auf

Am Samstag wird Alonso zum letzten Mal das Trikot des FC Bayern tragen - und ist dabei in guter Gesellschaft, denn auch Philipp Lahm beendet seine Karriere. Dieser zählt für Alonso zu den besten Spielern überhaupt: "Das ist einer der taktisch besten Spieler, die ich je kennengelernt habe." Jetzt hängt es an den Jüngeren, sie müssen die frei gewordenen Plätze in der Bayern-Hierarchie besetzen. Kein Problem für den Spanier, denn "die Basis des Projekt und der Mannschaft steht." Spieler wie Thomas Müller, Thiago oder Mats Hummels reifen, Nachwuchsstars wie Kimmich oder Sanches werden die Zukunft des Vereins verkörpern - und mit Manuel Neuer haben die Münchner einen absoluten Führungsspieler in ihren Reihen, der auch einen alten Hasen wie Alonso zum Staunen bringt. "Er hat mich beeindruckt, als ich kam. Und er hat mich dann die ganzen drei Jahre über immer wieder beeindruckt, jeden Tag."

Mit dem besten Keeper der Welt im Tor muss den Münchnern auch in den nächsten Jahren nicht angst und bange werden.

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