Vor 20 Jahren: Als Oliver Kahn von einem Golfball erwischt wurde

AZ-Serie "Bayerns verrückte Liga-Spiele". Im sonst so friedlichen Freiburg wird Bayerns Oliver Kahn von einem Golfball übel erwischt.
| Patrick Strasser
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Der blutende Oliver Kahn ist kaum zu halten, nachdem er von einem Golfball getroffen wird, Uli Hoeneß versucht zu beruhigen.
GES/Augenklick Der blutende Oliver Kahn ist kaum zu halten, nachdem er von einem Golfball getroffen wird, Uli Hoeneß versucht zu beruhigen.

München - Ehre, wem Ehre gebührt? Nicht immer. Aber mit einem Golfball, der in einem Fußballstadion zu einem kriminellen Wurfgeschoss zweckentfremdet wird, konnte auch niemand rechnen – noch dazu im sonst so beschaulichen Breisgau. Inklusive Treppenwitz der Geschichte: Der SC Freiburg, der allseits beliebte Underdog des Profibetriebs, wurde kurz vor dem Anpfiff noch für vorbildliches Verhalten während der Vorsaison mit dem Fairness-Preis der Uefa ausgezeichnet – samt 12 500 DM, die an die Fanklubs weitergereicht werden sollten.

An jenem Abend des 12. April 2000, der sich am Ostersonntag zum genau 20. Mal jährt, fliegt Bayern-Torhüter Oliver Kahn in der 89. Minute aus dem Freiburger Fanblock hinter ihm ein Golfball an den Kopf, die Schläfe blutet stark.

Bananen und andere Südfrüchte in seinem Strafraum zusammenzusammeln, daran hatte sich Kahn in den 90er-Jahren gewöhnt. Der Golfball bringt ihn zu Boden. Der Nationaltorwart greift sich an die Schläfe, registriert Blut an seinen Handschuhen – und bleibt dennoch zunächst cool. Er findet sogar noch das Objekt der Schande, holt es aus einem Pappbecher hinter der Seitenlinie und präsentiert es Schiedsrichter Uwe Kemmling.

Ottmar Hitzfeld fordert Spielabbruch

Dann rennt der blutende Keeper zur Bayern-Bank und lässt seine Platzwunde klammern. Trainer Ottmar Hitzfeld macht mit einer Geste klar, was er fordert: Spielabbruch. Aufgebracht zeigt Manager Uli Hoeneß Freiburgs damaligem Manager Andreas Rettig die Wunde des Getroffenen. Hitzfeld berät mit Kapitän Stefan Effenberg, was zu tun ist. Und weil Bayern schon drei Mal gewechselt hat, streift sich Effenberg ein Torwarttrikot über. Doch Kahn kehrt zurück. Mit wütenden Kommentaren und bösen Blicken Richtung Fanblock.

Nach Schlusspfiff, der den 2:1-Erfolg des amtierenden Meisters besiegelt, muss der nun laut schimpfende und tobende Kahn von Hoeneß in den Schwitzkasten genommen und in die Kabine eskortiert werden. Dort wird er genäht.

"Oliver hat eine tiefe Fleischwunde am Auge", erklärt Hoeneß und relativiert: "Die Freiburger Verantwortlichen können nichts dafür, wenn ein Verrückter sowas macht." Markus Babbel meint lässig: "Gott sei Dank hat der Olli so einen harten Schädel, dass nicht mehr passiert ist als eine Platzwunde." Mehmet Scholl wäre nicht Mehmet Scholl, wenn er sprüchetechnisch nicht noch einen draufsetzen würde: "Ich habe ihm gesagt, jetzt hältst du nicht nur die Fußbälle, sondern auch die Golfbälle."

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FC Bayern drehte in Unterzahl die Partie

Die Freiburger Verantwortlichen entschuldigen sich in aller Form, Manager Rettig meint geknickt: "Ich würde den Fairness-Preis am liebsten zurückgeben." Bayern legt keinen Protest ein, die Polizei ermittelt zwei Tage später den Täter, einen 16-jährigen Schüler. Er ist geständig.

In der aufgeheizten Atmosphäre bleibt Effenberg cool: "Schade, dass dies hier passiert ist. Man darf nicht den Fehler machen, zu sagen, alle Freiburger Fans sind so. Das war mit Sicherheit nur eine bestimmte Gruppe, die da drinsteht. Wir haben sie mit unserem Sieg bestraft." Durch das 2:1 übernimmt Bayern dank des besseren Torverhältnisses die Tabellenführung, da der bisherige Spitzenreiter Bayer Leverkusen bei Hansa Rostock nur 1:1 spielt.

Und damit zum Sport: Levan Kobiashvili hatte die Elf von Trainer Volker Finke in Führung gebracht. Nach einer Roten Karte wegen Notbremse gegen Sammy Kuffour (17.) musste Bayern 73 Minuten in Unterzahl agieren, schaffte aber durch Carsten Jancker (23.) den Ausgleich. Der Siegtreffer fiel durch einen heftig umstrittenen Elfmeter, den Scholl (87.) verwandelte – mit Vollspann in die Mitte. "Wir haben mit zehn Mann Moral bewiesen", sagte Effenberg, "es bleibt offen bis zum Schluss, aber ich gehe davon aus, dass wir Meister werden." Wurden sie auch. Am letzten Spieltag. Dank der SpVgg Unterhaching. Aber das ist eine andere Geschichte.

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