Verletzungsmisere beim FC Bayern: Ist Karl schon bereit für das Tollhaus bei Atlético Madrid?

Während Michael Olise wohl spielen kann, rückt Youngster Lennart Karl in den Fokus und die Verantwortung. Für die Offensive hat der FC Bayern nur noch wenige verbliebene Optionen.
Patrick Strasser |
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Aufgrund der angespannten Personallage beim FC Bayern wird Lennart Karl in Madrid wohl beginnen.
Aufgrund der angespannten Personallage beim FC Bayern wird Lennart Karl in Madrid wohl beginnen. © IMAGO/DeFodi.de

Beim Abschlusstraining am Montagvormittag an der Säbener Straße mischte Michael Olise mit. Der Franzose trug als Andenken an das 2:2 gegen Borussia Dortmund einen dicken Verband am rechten Knie. Das Gelenk zwickt weiterhin. Ein schlechtes Zeichen, weil etwas nicht stimmt oder ein gutes Zeichen, weil Olise trotzdem dabei sein konnte und am Nachmittag mit in der Maschine nach Madrid saß?

Mit oder ohne Olise? Eine heikle Frage vor dem Champions-League-Duell mit Atlético Madrid am Dienstag. Schließlich fallen mit Ismael Saibari (Riss des Syndesmose-Bandes im rechten Sprunggelenk) und Serge Gnabry (Muskelverletzung im hinteren linken Oberschenkel) weitere Offensivkräfte langfristig aus. Auch Jamal Musiala (Muskelfaserriss im September) und Luis Díaz (kleiner Muskelbündelrisses an der linken Oberschenkelrückseite) fehlen in Madrid, konnten am Montag lediglich individuelle Reha-Einheiten mit Ball machen.

Eberl lässt Olise-Einsatz in Madrid noch offen

Vor dem Abflug mit der Condor-Maschine DE9360 nach Madrid sagte Sportvorstand Max Eberl am Flughafen: "Bei Michael werden wir den Dienstag noch mal abwarten. Mein Kenntnisstand ist, dass wir von Tag zu Tag gucken wollen. Das Positive: Er ist dabei – das ist wichtig, weil er einfach ein herausragender Spieler ist. Aber wir meiden auch das Risiko, dass es eben eine längere Verletzung wird."

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Knifflig, knifflig. Heißt konkret? Eberl weiter: "Wenn nichts kaputtgehen kann und der Junge sich bereit fühlt, dann würde man den Schritt gehen. Aber: Wenn es eine hohe Gefahr der Verletzung gäbe, dann müsste man sich das genau überlegen."

Vizekapitän Joshua Kimmich betonte, dass sich die Mannschaft in der personell angespannten Lage nun beweisen müsse und zeigen könne, dass "wir ein Team sind" – und keine Resterampe-Truppe.

Verletzungsmisere beim FC Bayern: Jetzt ist auch Karl gefordert

"Think pink" heißt es also und da kommt einem Lennart Karl in den Sinn. Der 18-Jährige, der mit seinem frechen Schlenzer in der letzten Minute der Nachspielzeit beinahe das 3:2-Siegtor gegen den BVB erzielt hatte, rückt nun in den Fokus wie in die Verantwortung.

Kann Karl zum Kerl werden in der hitzigen Atmosphäre des Atlético-Stadions? Entweder in der Zehnerrolle oder als Rechtsaußen-Ersatz falls es bei Olise doch nicht – oder nicht über die gesamte Spielzeit – geht.

Welche Offensiv-Optionen hat Aaron Danks, der Stellvertreter des erkrankten Cheftrainers Vincent Kompany, noch? Wie nach den verletzungsbedingten Auswechslungen gegen Dortmund könnte Alphonso Davies auf dem linken Flügel agieren. Derart offensiv spielte er einst als "rising star" ("aufgehender Stern") der MLS für die Vancouver Whitecaps spielte.

Das Tempo hat der 26-Jährige und neuerdings auch die Abschlussstärke. Erst nach seinem Wechsel nach München im Januar 2019 war Davies zum Linksverteidiger umgeschult worden.

Madrid ist ein gutes Pflaster für den Kanadier. Im Mai 2024 traf er bei Real zur 1:0-Führung, die Bayern kassierten jedoch in der Schlussphase noch zwei Treffer und schieden aus.

2024 traf Davies im Bernabéu, konnte das Aus gegen Real aber nicht verhindern.
2024 traf Davies im Bernabéu, konnte das Aus gegen Real aber nicht verhindern. © IMAGO/Irina R. Hipolito

Für die Zehn hat Bayern noch zwei Alternativen

In der Zentrale dürfte Nathaniel Brown (23) den Musiala-Gnabry-Saibari-Ersatz geben. Schon in der Vorbereitung hatte Kompany mangels Alternativen den als Linksverteidiger von Eintracht Frankfurt für rund 50 Millionen Euro Ablöse verpflichteten Nationalspieler im Zentrum eingesetzt. Oder verstärkt gar Tom Bischof (21) das Mittelfeldzentrum, in dem er vor dem Sechser-Duo Kimmich/Pavlovic als abschlussstarker Achter mit Tordrang agiert? Ein paar Optionen finden sich ja doch noch im Kader, man muss nur kreativ sein – und mutig aufstellen.

Als Joker im Kader: Rechtsaußen Tim Binder (19), der beim 6:1 im DFB-Pokal gegen Magdeburg zu seinem Profi-Debüt kam. Ein Dribbler und Zocker wie Karl.

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