Kommentar

Umdenken bei Bayern-Star: Joshua Kimmichs Impf-Entscheidung verdient höchsten Respekt

AZ-Sportreporter Bernhard Lackner über die Äußerungen von Joshua Kimmich und dessen Umdenken hinsichtlich einer Corona-Impfung.
| Bernhard Lackner
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Die vergangenen Wochen dürften die schwierigsten im Leben von Joshua Kimmich gewesen sein - und das in Zukunft hoffentlich auch bleiben.

Nachdem der Nationalspieler aufgrund seiner zurückhaltenden Haltung zur Impfung massiv in den Fokus der ohnehin schon aufgeheizten Öffentlichkeit geraten war, musste der 26-Jährige nach Bekanntwerden seiner Infektion jede Menge Hohn und Spott über sich ergehen lassen. Als dann auch noch bekannt wurde, dass die Hinrunde für ihn aufgrund von Lungenproblemen gelaufen ist, kochte die Stimmung vor allem in den (un-)sozialen Netzwerken endgültig über.

Corona-Chaos und Impf-Debatte: Kimmich mit bemerkenswertem Interview

Vor dem Hintergrund des Spießrutenlaufs in den vergangenen Wochen wirkt der Auftritt des Nationalspielers, der am Sonntag in einem intimen Interview mit dem "ZDF" ausführliche Einblicke in sein Innenleben gegeben hat, umso beeindruckender. Trotz aller Geschehnisse um seine Person - bei der Beerdigung seines Großvaters erlaubte sich laut seiner Aussage gar ein Kamerateam, vor Ort zu sein - war Kimmich weder Trotz noch Verbitterung anzumerken. Bemerkenswerterweise schien genau das Gegenteil der Fall.

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Seine Haltung zum Impfthema habe auf einer Fehleinschätzung beruht, durch die er am Ende sowohl seine Teamkollegen als auch seinen Arbeitgeber "im Stich gelassen" habe, gab der Fußball-Star unumwunden zu. Dass ihm die Bayern vor seiner Infektion für die Zeit seiner insgesamt zweiwöchigen Quarantäne als Kontaktperson das Gehalt strichen, sei für ihn vollkommen nachvollziehbar. Sobald es möglich ist, wolle er sich impfen lassen. Diesen Entschluss habe er laut eigener Aussage bereits vor seiner Infektion getroffen und sogar schon einen Termin gehabt, doch Corona sei ihm zuvorgekommen.

Joshua Kimmich wirkt aufrichtig und selbstreflektiert

Es waren die Worte eines aufrichtigen, geläuterten jungen Mannes. Eines Mannes, der einen Fehler eingesehen hat, Verantwortung übernimmt und die Konsequenzen trägt. Nun mag so manch großspuriger Küchenpsychologe eben jene Reaktion auf ein Fehlverhalten voraussetzen und die dafür notwendige Charakterstärke verkennen. Selbstverständlich ist ein solcher Sinneswandel jedoch keineswegs. Es ist nie einfach, sich einen Fehler einzugestehen. Vor allem, wenn man selbst genau weiß, dass man falsch lag.

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Wie schwierig die Sache mit der Selbstreflexion tatsächlich ist, hat sich in den nun fast schon zwei Jahren dieser Pandemie auf fast schon bedrückende Art und Weise gezeigt. Ob die Gefahr des Virus, die politischen Maßnahmen zu seiner Eindämmung oder die vermeintlichen Gefahren einer Impfung – es gab die ganze Zeit über unzählige polarisierende Themen, die Risse durch Familien zogen und Freundschaften zerbrechen ließen.

Die Impf-Debatte polarisiert enorm

Weil es deutlich einfacher ist, sich in seine Echokammer zurückzuziehen und sich mit Personen gleicher Meinung zu umgeben, anstatt einander zuzuhören und seine eigene Meinung zu überdenken. Weil es deutlich einfacher ist, auf seinem Standpunkt zu beharren und sich in Trotz zu flüchten, als sich die Blöße eines Fehlereingeständnisses zu geben. Weil Bestätigung so viel einfacher zu akzeptieren ist als Gegenrede. Wer aber nur auf denjenigen hört, der seiner Meinung ist, wird langfristig in keinerlei Hinsicht auch nur einen Schritt weiterkommen.

Es ist ein Zeichen von Charakterstärke, dass sich Kimmich genau dessen bewusst ist. Freilich, der Nationalspieler mag in der Impf-Debatte nicht immer das beste Bild abgegeben haben. Dass er sich auf derart reflektierte Art und Weise stellt, ist jedoch absolut vorbildlich und verdient höchsten Respekt.

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