Uli Hoeneß in neuer Rolle: Der Wohlfühldirektor des FC Bayern

Uli Hoeneß sieht sich jetzt als Wohlfühl-Direktor, doch er teilt heftig gegen David Alabas Berater aus: "Pini Zahavi ist ein geldgieriger Piranha." Zu Liverpool und ManUnited sagt er: "Sie versuchen, uns bei Thiago zu erpressen".
| Julian Buhl
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Uli Hoeneß, Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München, ballt beim Reden die Faust. Foto: Marijan Murat/Archiv
Uli Hoeneß, Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München, ballt beim Reden die Faust. Foto: Marijan Murat/Archiv © dpa

München - Dass Uli Hoeneß Abteilung Attacke immer noch kann, zeigte der Ehrenpräsident des FC Bayern am Sonntagmittag im Doppelpass.

Denn der 68-Jährige hatte sich vom Tegernsee auf den Weg zum Fußballstammtisch bei Sport1 gemacht, um dort Klartext zu reden. Als Erster bekam das David Alabas Starberater Pini Zahavi zu spüren - in aller Deutlichkeit.

"Wir alle wünschen uns nichts sehnlicher, als dass er bleibt. Jeder in diesem Verein liebt ihn", sagte Hoeneß über Alaba, "aber er hat einen geldgierigen Piranha als Berater. Und der Vater (George, d. Red.) lässt sich von dem sehr beeinflussen."

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Alaba-Poker: "Es geht nur um Geld"

Rumms. Hoeneß plauderte auch gleich noch die "zweistellige Millionensumme" aus, die Zahavi im Falle von Alabas Unterschrift alleine für sich als Provision beanspruche. Hoeneß' Aussagen belegen, wie verhärtet die Fronten im Poker um die Verlängerung von Alabas 2021 auslaufendem Vertrag derzeit sind. "Es geht nur um Geld", meinte Hoeneß.

Angeblich fordert Zahavi ein Brutto-Jahresgehalt von 25 Millionen Euro für seinen Klienten. Dessen Argumente dafür gehen laut Hoeneß "auf keine Kuhhaut".

"Ich hoffe, dass sein Vater und David am Ende begreifen, dass Bayern das Beste ist und sie sich in die Gehaltsstruktur einordnen", sagte Hoeneß: "Eines ist klar: Robert Lewandowski und Manuel Neuer sind das Maß aller Dinge. Darüber gibt es nichts."

Kein Spieler beim FC Bayern verdient mehr als 20 Millionen Euro

Und beide Top-Verdiener überschreiten die 20-Millionen-Marke (noch) nicht. Die von der Alaba-Seite geforderte Summe würde dagegen "die ganze Struktur durcheinanderbringen. Deshalb muss der Verein sehr hart bleiben."

Heißt: Das erhöhte Angebot der Bayern, das Alaba - laut "Bild" - bis zu 17 Millionen pro Jahr garantieren soll, ist auch das letzte der Münchner.

Sofern der Österreicher das nicht annimmt, könnten die Bayern nur noch in diesem Sommer eine Ablösesumme von 60 bis 80 Millionen für ihn aufrufen. "Der Super-Gau wäre, wenn Alaba nächstes Jahr ablösefrei geht", sagte Hoeneß. Das sei "das Szenario, das der FC Bayern unbedingt verhindern muss", aber auch genau das, worauf Zahavi hinarbeite.

Man darf gespannt sein, welche Wirkung Hoeneß' Worte haben werden.

Hoeneß zum Fall Thiago: "Sie versuchen uns zu erpressen"

Der Vereinspatron äußerte sich aber auch zu anderen Themen - mit gewohnter Schärfe. Im Fall Thiago, der Bayern mitgeteilt hat, nach dem Triple-Triumph nun eine neue Herausforderung zu suchen, richtet sich diese gegen die interessierten Klubs. Möglicherweise habe sich der Spanier sowohl mit dem FC Liverpool als auch mit Manchester United geeinigt, führte Hoeneß aus. "Beide Vereine bluffen jetzt. Sie versuchen, uns nun zu erpressen und uns am Ende ein billiges Angebot hinzulegen", schimpfte er: "Das werden noch heiße drei Wochen." Am 5. Oktober schließt das Transferfenster.

Hoeneß missfällt die Vorgehensweise der beiden Premier-League-Teams: "Da beginnt im Moment ein Stil auch unter großen Klubs sich breitzumachen, den ich so nicht gekannt habe." Thiago sei jedenfalls "ein super Junge. Vom Sportlichen und Menschlichen her würde der wunderbar weiterhin bei uns reinpassen." Der Vertrag des 29 Jahre alten Spaniers läuft ebenfalls noch bis 2021.

Keine weiteren Mega-Transfers in dieser Periode?

Was mögliche Neuzugänge betrifft, gab sich Hoeneß dagegen entspannt. Der für rund 50 Millionen von Manchester City verpflichtete Leroy Sané werde in München der "Königstransfer" des Sommers bleiben. Denn auch beim FC Bayern sitzt das Geld in Zeiten der Corona-Krise nicht allzu locker. "Solange wir keine Zuschauer in den Stadien haben, fehlen auch dem FC Bayern 50 bis 60 Millionen Euro", sagte er und ergänzte zu den Wünschen von Chefcoach Hansi Flick nach Verstärkung: "Auf die Kaderplanung hat er alleinigen Einfluss, auf den Finanzstatus keinen."

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Sané traut Hoeneß sehr viel zu. Die Erwartungshaltung an den 24-Jährigen sei "natürlich groß. Aber der hält das schon aus. Der kann ja kicken", sagte er: "Das ist ein guter Junge. Er hat alles, was einen Weltstar ausmacht. Wenn er vernünftig und am Boden bleibt, wird er das schaffen." Hoeneß berichtete auch von dessen Besuch am Tegernsee. Sané sei mit seiner Tochter vorbeigekommen, die dort mit Hoeneß' Hund gespielt habe. Danach habe der Nationalspieler gesagt, dass er sich einen Wechsel nach München vorstellen könnte, sagte Hoeneß und grinste. Seine aktuelle Rolle bei Bayern beschrieb er dann so: "Ich bin mehr der Unterhaltungsdirektor, der Wohlfühldirektor." Wenn es sein muss, kann Bayerns Abteilung Unterhaltung aber eben auch immer noch Attacke.

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