Interview

Sebastian Rode: "Wie Thomas Müller seine Kollegen mitreißt, ist phänomenal"

Der frühere Bayern-Spieler Sebastian Rode spricht im AZ-Interview über die Extraklasse der Münchner, seine Zeit unter Pep Guardiola und das Duell am Samstag: "Wir müssen mit breiter Brust auftreten."
| Maximilian Koch
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Sebastian Rode spielte zwei Jahre mit Thomas Müller beim FC Bayern.
Sebastian Rode spielte zwei Jahre mit Thomas Müller beim FC Bayern. © imago images / Jan Huebner

München - AZ-Interview mit Sebastian Rode: Der Mittelfeldspieler stand von 2014 bis 2016 beim FC Bayern unter Vertrag - am Samstag gastiert er mit Eintracht Frankfurt bei seinem Ex-Klub in der Allianz Arena (15.30 Uhr/Sky und im AZ-Liveticker).

AZ: Herr Rode, der FC Bayern hat sich beim 4:0-Sieg gegen Atlético Madrid in der Champions League in Topform präsentiert. Wie muss die Eintracht am Samstag auftreten, um ein besseres Ergebnis zu erzielen und etwas Zählbares aus München mitzunehmen?
SEBASTIAN RODE: Ich habe mir die Partie am Mittwoch angeschaut. Es war wirklich eine beeindruckende Leistung der Bayern, aber das kann man ja schon seit Monaten beobachten. Insofern war es eigentlich nichts Neues. Wir müssen mit breiter Brust in das Spiel gehen. Mit acht Punkten aus vier Spielen haben wir einen guten Saisonstart hingelegt. Wir sind der absolute Underdog und haben in München nichts zu verlieren. Das Pokal-Halbfinale in der vergangenen Saison (1:2, Anm. d. Red.) kann uns Mut machen: Da haben wir sehr gut dagegengehalten.

Rode: "Die Bayern rasten nicht, sie geben weiter Gas"

Also wird sich Ihre Mannschaft nicht nur hinten reinstellen?
Eine gesunde Mischung macht es gegen Bayern. Wenn man sich nur nach hinten verkriecht und abwartet, dann spielen die Bayern einen Gegner schwindlig. Ich bin der Meinung, dass wir vorne drauf gehen sollten, um früh den Ball zu gewinnen. Dann ist man auch schneller in der gefährlichen Zone und kann Tore erzielen.

Wie groß ist der Respekt vor den Bayern-Leistungen unter Trainer Hansi Flick?
Es gab mal Zeiten, da war man froh, Bayern am Anfang der Saison zu begegnen, weil sie da noch nicht so eingespielt waren. Das trifft jetzt allerdings nicht mehr zu. Ihre Dominanz liegt zum einen an den Spielern, die immer weiterarbeiten, auch nach einem so großen Triumph wie dem Champions-League-Sieg. Die Bayern rasten nicht, sie geben weiter Gas. Natürlich hat auch das Trainerteam einen großen Anteil und ebenso die Fitnessabteilung, wenn man sieht, was die Spieler alle drei Tage abspulen.

Rode: Titel des FC Bayern kommen nicht von ungefähr

Sie haben von 2014 bis 2016 selbst bei Bayern gespielt und kamen in 52 Partien zum Einsatz. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?
Es gibt noch Kontakt zu einigen Personen im Verein, vor allem zu Joshua Kimmich. Es war insgesamt eine sehr schöne Zeit. Ich habe beim FC Bayern vom ersten Tag an gemerkt, wie groß die Gier nach Erfolg ist, dieser unbedingte Wille, zu gewinnen. Dafür arbeitet jeder Spieler bei Bayern hart, und daher kommen die Titel auch nicht von ungefähr. Ich habe sehr viel aus den zwei Jahren mitnehmen können und mich sportlich enorm weiterentwickelt.

Inwiefern hat Sie Trainer Pep Guardiola geprägt?
Pep hebt einen Spieler auf ein neues Level, was den Fußball-Sachverstand angeht. Wenn man vorher denkt, man weiß schon gut Bescheid über den Fußball, dann ändert die Begegnung mit Pep alles. Und man denkt plötzlich, dass man vorher gar nichts gewusst hat (lacht). Er hat jeden Spieler weitergebracht.

Rode: Müller "hatte nie eine Leistungsdelle"

Gab es Bayern-Stars, von denen Sie sich besonders viel abgeschaut haben?
Fast alle Spieler haben in jedem Training 100 Prozent gegeben, das war beeindruckend. Ich habe mir von einigen was abschauen können, bei Bayern gibt es viele Weltklassespieler. Auf meiner Position waren damals Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso noch aktiv, zwei unterschiedliche Spielertypen, die ich bewundert habe. Alonso hatte diese Passgenauigkeit, er konnte die Räume für seine Mitspieler erkennen. Basti hat sich sehr clever zwischen den Ketten bewegt und den Ball gefordert. Das sind nur zwei von vielen Beispielen.

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Und was ist mit Thomas Müller, der unter Flick wieder unverzichtbar geworden ist?
Thomas hat eine unglaubliche Bedeutung für die Mannschaft und für den Verein insgesamt. Als Spieler aus dem eigenen Nachwuchs sorgt er nicht nur auf dem Platz für gute Stimmung, sondern auch außerhalb. Man sieht es jetzt wieder, wie er aufblüht. Aus meiner Sicht hatte er nie eine Leistungsdelle. Das sind immer nur Entscheidungen des Trainers, wie man als Spieler eingesetzt wird. Mit seinen Laufwegen ist Thomas sehr wertvoll. Wie er mit nach hinten arbeitet und die Kollegen mitreißt - das ist einfach phänomenal. Während der Corona-Zeit hört man seine Kommandos noch deutlicher.

Bei Bayern gab es mit Serge Gnabry nun den ersten Corona-Fall. Wie gehen Sie mit der Situation um? Leben Sie noch vorsichtiger in Ihrer Freizeit?
Man darf sich die Freude am Leben nicht nehmen lassen, auch wenn die Situation natürlich ernst ist. Frankfurt ist aktuell auch ein Risikogebiet, nur zwei Haushalte dürfen sich treffen. Infektionen in der Bundesliga bleiben nicht aus, es sei denn, wir werden komplett weggesperrt. Und ich glaube, das will keiner.

Rode bedauert: "Ohne Fans ist es trostlos in den Stadien"

Haben Sie Sorgen, was die Zukunft des Fußballs angeht?
Natürlich macht man sich Gedanken. Ich bin froh, dass Eintracht Frankfurt gut aufgestellt ist in der Krise. Für alle Bundesligisten und für die gesamte Gesellschaft ist die Situation schwer, für uns Spieler auch. Wenn du mal wieder vor 8.000 Zuschauern gespielt hast, ist das einfach ein geiles Gefühl, nicht zu vergleichen mit einer Partie vor 200 oder null Zuschauern. Ohne Fans ist es trostlos in den Stadien.

Was ist Ihr Ziel mit Frankfurt in dieser Saison?
Wir wollen auf einen einstelligen Tabellenplatz und den Anschluss zu den internationalen Plätzen herstellen. Unser Anspruch ist es, dass wir uns am Ende der Saison für die Europa League qualifizieren.

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