"Diese Transfers waren erstklassig": Gerland schwärmt von Olise und Díaz – und zieht einen Vergleich zu Robbery

Olise und Díaz begeistern als neue, fantastische Flügelzange des FC Bayern. Die Bosse schwärmen, Kompany bremst. So wie Kult-Co-Trainer Gerland, der in der AZ erklärt, wo das Duo noch Nachholbedarf hat.
von  Patrick Strasser
Michael Olise und Luis Díaz sind die neue Flügelzange des FC Bayern.
Michael Olise und Luis Díaz sind die neue Flügelzange des FC Bayern. © IMAGO/Sven Simon

Lediglich sechs Spieler stehen im aktuellen Kader des FC Bayern, die noch mit den Artisten der Seitenlinien, mit den legendären Flügelspielern Arjen Robben und Franck Ribéry, zusammengespielt haben. Die Außenstürmer haben ihre Karriere bei den Münchnern nach zehn (Robben) bzw. zwölf (Ribéry) Jahren im Sommer 2019 beendet.

Kapitän Manuel Neuer (seit 2011 bei Bayern), Joshua Kimmich (2015), Sven Ulreich (2015), Serge Gnabry (2017), Leon Goretzka (2018) und Alphonso Davies (ab 1. Januar 2019) hatten das Vergnügen mit dem von den Gegnern gefürchteten Duo "Robbery".

Für das Sextett muss es ein regelrechter Genuss sein, dass sie in dieser Saison ein Revival erleben: Spätestens durch das 8:1 am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg wurde klar, dass Robben und Ribéry nun Nachahmer – oder schon Nachfolger? – haben.

Arjen Robben und Franck Ribéry prägten über ein Jahrzehnt hinweg das Offensivspiel des FC Bayern.
Arjen Robben und Franck Ribéry prägten über ein Jahrzehnt hinweg das Offensivspiel des FC Bayern. © IMAGO / MIS

Sind Olise und Díaz schon auf dem Niveau von "Robbery"?

Es ist eine kolumbianisch-französische Kombination, die nun die Bundesliga aufmischt. Michael Olise (zwei Tore, eine Vorlage) und Luis Díaz (ein Tor, zwei Vorlagen) waren an sechs der acht Treffer gegen die Wölfe beteiligt. "Wir haben eine Flügelzange, die außergewöhnlich ist", meinte Sportvorstand Max Eberl und zog höchstselbst den Vergleich heran. Mit "Lucho", so Díaz’ Spitzname bei Bayern, habe man, laut Eberl "den Typ Franck Ribéry, den kreativen Chaos-Maker. Und mit Michael den filigranen, den eleganten, kreativen Typ." Ein kongeniales Duo, das auch beim Hinrunden-Abschluss am Mittwoch bei Aufsteiger 1. FC Köln (20.30 Uhr, RTL & Sky live) seine Künste präsentieren wird.

Die Kölner Defensive atmet schwer, die angeschlagenen Domstädter (sieben Spiele in Folge sieglos) könnten eine leichte Beute für die "Olisíaz" werden, die in der Liga zusammen auf 18 Tore (je neun) und 20 Vorlagen (Olise elf, Díaz neun) kommen – womit sie in der Vorlagen-Statistik auf Rang eins und zwei stehen. Aber sind sie tatsächlich schon auf dem Niveau von Robbery?

Gerland lobt Verpflichtungen von Díaz und Olise: "Eine exzellente Leistung"

"Ich habe gegen beide gespielt und gesehen, wie stark sie waren", meinte Trainer Vincent Kompany am Dienstag an der Säbener Straße. Der ehemalige Weltklasse-Innenverteidiger von Manchester City weiter: "Ich verstehe den Vergleich, aber diese Jungs haben über viele Jahre Großes für den Verein geleistet, so weit sind unsere noch nicht." Klar, er will den Druck auf Olise & Díaz dämpfen.

Wie sieht es einer, der Robben und Ribéry über Jahre trainiert hat? "Wenn Vincent etwas sagt, hat er grundsätzlich Recht, weil er ein ausgezeichneter Trainer ist", meinte Hermann Gerland zur AZ. Der 71-Jährige gilt als Kult-Co-Trainer der Bayern, hat mit Chefcoaches wie Jupp Heynckes, Pep Guardiola, Louis van Gaal und vielen mehr an der Säbener Straße von 2009 bis 2021 (mit Unterbrechungen, wenn er die U23 trainierte) zusammengearbeitet.

Legendärer Co-Trainer des FC Bayern: Hermann Gerland
Legendärer Co-Trainer des FC Bayern: Hermann Gerland © Christian Charisius/dpa/Archivbild

"Olise und Díaz sind herausragende, überragende Spieler – das sieht doch jeder", meinte Gerland und ergänzte: "Diese Transfers waren erstklassig, eine exzellente Leistung."

Den direkten Vergleich mit den "anderen beiden Granaten", so Gerland über seine ehemaligen Schützlinge Robben und Ribéry, stellt der gebürtige Bochumer nicht gerne an, geriet jedoch im Gespräch mit der AZ ins Schwärmen: "Arjen und Franck waren auf dem Platz nicht auszurechnen, nicht zu halten. Deren Gegenspieler wussten nie, was sie als Nächstes machen. Beide haben auf ihre Art für Chaos auf dem Platz gesorgt. Arjen hatte sein ganz spezielles Ding, wenn er mit dem Ball am Fuß von rechts unnachahmlich in die Mitte zog und mit links abschloss. Und Ribéry konnte alles." Alles außer immer ernsthaft bleiben, der Filou (heute 42) trieb einst seine Späße.

Gerland: Noch fehlt Olise und Díaz "der ganz große Titel"

"Franck war nicht schwierig und Arjen sowieso pflegeleicht", widerspricht Gerland, dessen Credo lautet: "Besondere Spieler müssen besonders behandelt werden, um Höchstleistungen zeigen zu können – am besten immer." Denn, so der Tiger: "Konstant Top-Leistungen zu zeigen, das ist die hohe Kunst." Den aktuellen Flügelstars fehlt "natürlich noch der ganz große Titel", so Gerland, der Robben und Ribéry 2013 zum Champions-League-Titel führte.

Mit beiden ist er weiterhin in Kontakt. Als Gerland neulich Robben (41) traf, zog er ihn auf. "Ich sagte zu ihm: Arjen, früher wolltest du nicht immer mit nach hinten arbeiten, heute läufst du Marathon."

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