Schnäppchenjäger Brazzo: Was die Neuzugänge dem FC Bayern bringen

Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic nimmt kurz vor Transferschluss noch vier Spieler unter Vertrag, die Kosten dafür halten sich in Grenzen.
| Maximilian Koch
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Schnäppchenjäger des FC Bayern: Sportvorstand Hasan Salihamidzic hat am Deadline-Day noch vier Spieler unter Vertrag genommen.
Schnäppchenjäger des FC Bayern: Sportvorstand Hasan Salihamidzic hat am Deadline-Day noch vier Spieler unter Vertrag genommen. © imago images/Thomas Frey

München - Auch für Uli Hoeneß war der Montag, der sogenannte "Deadline Day", ein interessanter Tag. Schließlich handelte der FC Bayern die letzten Details mit einem Spieler aus, dem Hoeneß vor ein paar Jahren wohl nicht einmal mehr die Rolle des Greenkeepers in der Münchner Arena anvertraut hätte: Douglas Costa.

Der Brasilianer habe bei Bayern "nicht funktioniert, weil er ein ziemlicher Söldner war, der uns charakterlich nicht gefallen hat", polterte Hoeneß noch im August 2017, nachdem Costa die Münchner Richtung Juventus Turin verlassen hatte. Öffentliche Forderungen Costas nach mehr Geld und mehr Einsatzzeit hatten Hoeneß so wütend gemacht. Im Herbst 2020 scheint von dem Ärger nicht viel übrig geblieben zu sein - zumindest bei den Bayern-Verantwortlichen, die nicht Hoeneß heißen.

Denn Costa, inzwischen 30 Jahre alt, aber noch immer schnell und torgefährlich, unterzeichnete am Montag einen Vertrag bei Bayern. Für ein Jahr wird der Flügelstürmer von Juventus Turin ausgeliehen, eine Kaufoption gibt es nicht.

Brazzo, der Schnäppchen-Meister!

Weil die Verpflichtung von Chelseas Callum Hudson-Odoi erneut nicht klappte, setzte Sportvorstand Hasan Salihamidzic Plan B erfolgreich um. Ob es dafür wirklich Lob von Ehrenpräsident und Costa-Kritiker Hoeneß geben wird? Unklar. 

Sicher ist hingegen: Salihamidzic hat in den letzten Stunden der Transferperiode mit seinem Team um Chefscout Marco Neppe effektiv gearbeitet. Neben Costa kommt auch Angreifer Eric Maxim Choupo-Moting (31, Vertrag bis 30. Juni 2021) ablösefrei. Der defensive Mittelfeldspieler Marc Roca (23) kostet neun Millionen Euro, sechs Millionen können an Prämien hinzukommen. Und für Bouna Sarr (28), den neuen Rechtsverteidiger, zahlen die Münchner rund zehn Millionen Euro Ablöse. Brazzo, der Schnäppchen-Meister!

Endlich "einen Überblick": Mehr Alternativen für Flick

Ganz am Schluss hat er Hansi Flick doch noch die so wichtigen Verstärkungen ins Team geholt. "Super, super happy" sei er, dass diese quälenden 83 Tage der zweiten Transferphase nun enden würden, sagte Flick nach dem 4:3-Sieg gegen Hertha BSC .

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Endlich habe er "einen Überblick" über den Kader für diese Saison, und endlich könne er sich von Dienstag an "auf die Dinge konzentrieren, die wichtig sind". Bereits bei der nächsten Partie nach der Länderspielpause, am 15. Oktober in der ersten DFB-Pokal-Runde gegen Fünftligist 1. FC Düren, gibt es für Flick mehr Alternativen. Wie schon vor der Triple-Saison, als spät Ivan Perisic und Philippe Coutinho ausgeliehen wurden, hat Salihamidzic seine Aufgabe letztlich erfüllt. Und nebenbei dafür gesorgt, dass sich die finanziellen Belastungen für Bayern in der Corona-Zeit in Grenzen halten.

Nebeneffekt: Weniger Chancen für Bayerns Toptalente

Sportlich gesehen dürften alle vier Spieler sinnvolle Ergänzungen sein. Der Spanier Roca soll im Zentrum die Lücke nach dem Abgang von Thiago (FC Liverpool) schließen. "Er spielt meistens auf der Acht, ist ein bisschen wie Goretzka, aber ein kleiner, technisch feiner Spieler, der Spielintelligenz hat", sagte Lothar Matthäus bei Sky: "Er ist ein bisschen auch ein Thiago-Typ." Hinter Leon Goretzka und Joshua Kimmich wird Roca die Rolle des Back-ups einnehmen, ebenso wie die anderen Neuen.

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Costa ist als Flügelstürmer Nummer vier hinter Serge Gnabry, Leroy Sané und Kingsley Coman eingeplant. Der Bundesliga-erfahrene Choupo-Moting ("Es ist eine Ehre, für diesen Verein zu spielen."), der einen Vertrag bis 2021 unterschrieben hat, soll Robert Lewandowski vertreten, wenn der Pole mal nicht kann. Und Sarr (bis 2024) wurde verpflichtet, damit auch Benjamin Pavard Pausen bekommt.

Negativer Nebeneffekt der Transfers: Bayerns Toptalente wie Chris Richards, Joshua Zirkzee oder Jamal Musiala haben es nun noch schwerer, regelmäßig eingesetzt zu werden. Doch angesichts der drohenden Strapazen in dieser Saison sahen die Verantwortlichen keine andere Möglichkeit, als personell kräftig nachzulegen. "Wir hetzen praktisch von einem Spiel zum anderen", sagte Flick. Und deshalb bekommt sogar Costa eine zweite Chance.

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