Kommentar

Pro und Contra: Sollte Löw bei Müller und Boateng zurückrudern?

Immer wieder wird über eine DFB-Rückkehr von Thomas Müller und Jérôme Boateng diskutiert, Bundestrainer Joachim Löw hat sich jetzt allerdings erneut dagegen ausgesprochen. Geht er damit den richtigen Weg? Ein Pro und Contra.
| Christina Stelzl Michael Schleicher
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Jérôme Boateng (l.) und Thomas Müller sind seit März 2019 keine Option mehr für die deutsche Nationalmannschaft.
Jérôme Boateng (l.) und Thomas Müller sind seit März 2019 keine Option mehr für die deutsche Nationalmannschaft. © imago/Sven Simon

München - Sie feierten große Erfolge mit der deutschen Nationalmannschaft, doch seit März 2019 sind Thomas Müller und Jérôme Boateng keine Option mehr für Bundestrainer Joachim Löw. Die Bayern-Stars wurden nicht mehr nominiert, der Bundestrainer hält weiterhin an seinem Kurs fest. Aber ist das auch der richtige Weg? Sollte Löw nicht vielleicht doch zurückrudern? In der AZ-Redaktion ist man sich uneins – ein Pro und Contra.

Löws konsequenter Weg ist richtig

Zweifellos überzeugen Müller und Boateng beim FC Bayern und sind wichtige Eckpfeiler der Triple-Mannschaft. Dennoch ist die Entscheidung von Joachim Löw, weiterhin auf die Weltmeister von 2014 zu verzichten, richtig.

"Wir wollen mit jungen Spielern in die nächste Phase gehen und ihnen den Platz und die Verantwortung geben", sagte Löw einst nach der Ausbootung im März 2019. "Sie müssen beweisen, dass sie damit umgehen können. Das geht nicht von heute auf morgen."

Mit einer Rückholaktion der Bayern-Stars wäre genau jener Plan erst mal ad acta gelegt. Was sollen sich die jungen deutschen Spieler denken, wenn ihnen auf einmal wieder ein Boateng in der Abwehr oder ein Müller in der Offensive vor die Nase gesetzt wird? Für das Selbstvertrauen und die Entwicklung der neuen Generation keineswegs förderlich.

Müller und Boateng sind mit 31 und 32 Jahren zwei erfahrene und starke Persönlichkeiten. Die Verantwortung auf dem Platz würden beide deswegen sicherlich nicht einfach an die jungen Kollegen abgeben. Die von Löw eingeläutete "nächste Phase" wäre somit um zwei, drei Jahre nach hinten verschoben. Die nachfolgende Generation muss jetzt aber lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Das beste Beispiel dafür ist Kai Havertz: Der 21-Jährige wird immer wichtiger für die DFB-Elf und reift an seinen Aufgaben. Bei einer Müller-Rückkehr hätte der Chelsea-Profi wohl kaum eine Chance im offensiven Mittelfeld. Der Bundestrainer sollte deshalb konsequent an seinem Plan festhalten. Eine Rückkehr der Weltmeister würde noch mehr Unruhe ins DFB-Team bringen.

Christina Stelzl

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Tür auf für die Charakterköpfe

Die DFB-Tür für Müller und Boateng bleibt zu, Bundestrainer Löw hat den beiden Bayern-Spielern eine erneute Absage erteilt. "Wir können das jetzt nicht rückgängig machen", sagte Löw jüngst im "kicker" zur getroffenen Entscheidung.

Dabei sieht es doch eigentlich ganz anders aus: Der Bundestrainer könnte seine Entscheidung rückgängig machen – und sollte das auch! Sowohl Müller als auch Boateng zeigen unter Flick seit Wochen und Monaten wieder Top-Leistung, gehören beim FC Bayern zu den Stützen der Mannschaft.

Stützen, die die aktuelle Nationalmannschaft dringend notwendig hätte. Denn die Routiniers Neuer und Kroos, zwei der verbliebenen Rio-Helden von 2014, alleine können's nicht richten. Müller und Boateng würden das derzeit noch wacklige DFB-Konstrukt weiter stabilisieren, könnten mit ihrer Erfahrung Ansprechpartner für die vielen jungen Kollegen sein, die teilweise gerade erst ihre ersten Länderspiele absolvieren.

Doch neben der hervorragenden Leistung und dem Standing auf dem Platz sind die beiden Bayern-Spieler vor allem eins: Echte Charakterköpfe und Kicker, zu denen sich die Fans hingezogen fühlen. Eine Rückholaktion der Identifikationsfiguren könnte das stetig sinkende Interesse an der Nationalmannschaft wieder steigen lassen.

Löw sollte deshalb zurückrudern und die Tür für Müller und Boateng wieder öffnen.

Michael Schleicher

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