Oliver Pocher im AZ-Interview: Was bei Bayern abgeht, hat Comedypotenzial

Im Interview mit der AZ spricht Hannover-Fan Oliver Pocher über das Duell von 96 mit den Münchnern, die legendäre Pressekonferenz der Bayern-Bosse, Robert Enke und Parodien. "Özil ist nicht wegen mir zurückgetreten."
| Julian Buhl
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"Uli Hoeneß hat grundsätzlich eine gewisse Parodierbarkeit", sagt Oliver Pocher über den Bayern-Präsidenten (r.), hier neben Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.
Lino Mirgeler/dpa "Uli Hoeneß hat grundsätzlich eine gewisse Parodierbarkeit", sagt Oliver Pocher über den Bayern-Präsidenten (r.), hier neben Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Comedian Oliver Pocher (40) ist in Hannover aufgewachsen und Fan von 96. Er ist regelmäßig im "Fantalk" auf Sport1 zu sehen.

AZ: Herr Pocher, am Samstag (15.30 Uhr) kommt der FC Bayern nach Hannover. Schießt Ihr Lieblingsverein die Münchner zurück in die Krise?
OLIVER POCHER: Aktuell haben sie sich etwas gefangen, aber die Bayern sind definitiv verwundbarer als in den vergangenen Jahren. Da wurde es schnell mal sehr unangenehm: 0:6, 1:7, solche Sachen. Aktuell muss man gegen Bayern sogar auf Sieg spielen.

Sie rechnen sich etwas aus?
Klar. Also wenn schon Düsseldorf, Augsburg und Freiburg in München Unentschieden spielen und Gladbach da gewinnt...

Woher kommt Ihre Leidenschaft für 96?
Ich bin in Hannover aufgewachsen und war bei 96 zum ersten Mal im Fußballstadion. Sein Herz vergibt man ja nur einmal für eine Fußballmannschaft. Das war bei mir eben Hannover 96. Ich hätte mir auch gerne etwas Spektakuläreres gewünscht, aber so so ist es jetzt halt. (lacht) Meine Stimmung ist aber nicht von 96-Spielen abhängig, ansonsten wäre ich die ganze Zeit relativ mittelmäßig gelaunt.

Haben Sie Kontakt zu Profis?
Bei Per Mertesackers Abschiedsspiel habe ich mitgemacht. Auch mit Lars Stindl, Ron-Robert Zieler oder Jan Schlaudraff habe ich ganz guten Kontakt. Schlaudraff hätte man öfter mit einem neuen Vertrag locken müssen, weil er immer dann zu Höchstform aufgelaufen ist. Man hätte ihm nur Halbjahresverträge geben dürfen. Niclas Füllkrug kommt manchmal bei meinen Auftritten in Hannover vorbei.

Pocher über Enke: "Sein Selbstmord war ein Riesenschock"

Wie haben Sie den tragischen Selbstmord von Ex-96-Torhüter Robert Enke 2009 erlebt?
Das war schon ein einschneidendes Erlebnis. Ich war ganz gut mit Robert befreundet. Seine Frau Teresa hat am gleichen Tag wie ich Geburtstag und wir haben mehrmals zusammen reingefeiert. Dass Robert jetzt nicht nur fröhlich war, sondern tendenziell ein nachdenklicher Typ, hat man schon gemerkt. Aber sein Selbstmord war ein Riesenschock. Auch der Tag danach in der Marktkirche und das alles, das hat einen schon komplett umgehauen. Ich habe nach wie vor Kontakt zu Teresa, aber Robert ist auch ansonsten hier immer ein Thema. Es hat die Bundesliga verändert, das Thema Depression wird nicht mehr so tabuisiert wie davor.

Hat das Thema auch Sie als Comedian sensibler gemacht?
Als Comedian macht man sich nun mal über alles und jeden lustig. Wenn ich damit anfange, wie das jemand vielleicht finden könnte, dann kann man gar keinen Witz mehr machen. Irgendjemand ist immer beleidigt, wenn man einen Witz macht, egal worüber oder über wen.

Hört bei 96 der Spaß auf?
Nein, da mache ich kein Halt vor. Wir haben ja schon alleine durch unseren Präsidenten Martin Kind ein gewisses Comedypotenzial.

Von Seiten der Mitglieder bekommt Kind ja durchaus Widerstand.
Es gibt demokratische Abstimmungen, mit deren Hilfe Mitglieder Dinge im Verein hinterfragen oder vielleicht nicht haben möchten. Da kann ich nicht sagen: „Ich nehme das mal als Stimmungsmesser, aber mache es eh so, wie ich es möchte.“ Das wird auch für Martin Kind nicht funktionieren. Man muss so etwas schon ernstnehmen, das haben auch Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge bei ihrer Pressekonferenz gemerkt. Es geht nicht mehr einfach so, indem man sagt: So und so sieht es aus.

Pocher über Peinlich-PK: "Dachte, die verkünden einen Megatransfer"

Haben Sie die Pressekonferenz der Bayern-Bosse auch als Comedian verfolgt?
Selbstverständlich! (lacht) Was bei Bayern aktuell abgeht, hat schon ein gewisses Comedypotenzial. Ich dachte, die verkünden vielleicht einen Megatransfer. Aber dann übers Grundgesetz die Schleife zu machen, jeden Medienvertreter persönlich anzuzählen. Für mich war es auch interessant zu erfahren, wofür Uli Hoeneß alles Zeit hat. Selbst NTV-Berichte werden da auseinandergenommen und die Journalisten teils persönlich attackiert. Haben Rummenigge und Hoeneß Ihnen also die perfekte Vorlage geliefert?

 
"Uli Hoeneß hat grundsätzlich eine gewisse Parodierbarkeit", sagt Oliver Pocher über den Bayern-Präsidenten (r.), hier neben Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.
"Uli Hoeneß hat grundsätzlich eine gewisse Parodierbarkeit", sagt Oliver Pocher über den Bayern-Präsidenten (r.), hier neben Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. © Lino Mirgeler/dpa


Uli Hoeneß hat grundsätzlich eine gewisse Parodierbarkeit. Aber oft muss man da ja auch gar nichts mehr machen und kann das Original einfach so durchlaufen lassen. Jedes Interview von ihm hat hohes Comedypotenzial, aber das trifft zum Beispiel genauso auf Jérôme Boateng zu, der aussieht wie ein Gangsterrapper, aber spricht wie der netteste Mensch von nebenan.

Was erwarten Sie sich von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder als Aufsichtsratsvorsitzendem bei 96?
Ich gehe davon aus, dass wir demnächst von Gazprom eine Standleitung direkt ins Stadion bekommen werden. Es wäre wichtig, dass er uns den ein oder anderen Oligarchen, der uns demnächst mit Geld zuschüttet, zuliefert. Diese Leute sollte er kennen.

Sind Sie bei einer Fußball-Parodie mal zu weit gegangen?
Nein, ich parodiere Leute, die über den Sprachduktus oder das, was sie machen, lustig sind. Mesut Özil, Jérôme Boateng oder Lukas Podolski haben eine hohe Wiedererkennbarkeit. Auch Louis van Gaal und Pep Guardiola waren da sensationell. Ich wüsste jetzt nichts, was da dramatisch wäre. Ich glaube nicht, dass Mesut Özil wegen mir zurückgetreten ist.

Ihre Torhymne "Schwarz und Weiß" hat der DFB nun abgesetzt. Zufall?
Mit diesem Song ist alles erreicht. Das ist ein Evergreen geworden, beim WM-Titel 2014 lief er im Maracana-Stadion bei der Ehrenrunde. Ob der Mark-Forster-Song jetzt die Hymne ist, der die Leute bewegt, mag ich bezweifeln. Aber wichtig ist doch, dass irgendwas nach einem Tor läuft und man überhaupt mal eins schießt. Mit meinen Parodien hat der Wechsel der Torhymne jedenfalls nichts zu tun. Der DFB hat gerade andere Sorgen.

Würden Sie sich beim FC Bayern jemanden als neue Parodievorlage wünschen? Vielleicht Ihren speziellen Freund Boris Becker?
Da ist das Festgeldkonto aber ganz schnell leergeräumt. Vielleicht lieber nicht im finanziellen Bereich, sondern von mir aus als Markenbotschafter.

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