Nur ausgeliehen: die Meisterschale

Am Samstag bekommen die jungen Dortmunder die Meisterschale – im nächsten Jahr will der FC Bayern sie zurück. Die AZ vergleicht die beiden Kontrahenten.
| Patrick Strasser
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Bur geliehen: Die Meisterschale soll bald wieder in München stehen.
firo Bur geliehen: Die Meisterschale soll bald wieder in München stehen.

Am Samstag bekommen die jungen Dortmunder die Meisterschale – im nächsten Jahr will der FC Bayern sie zurück. Die AZ vergleicht die beiden Kontrahenten.

Roman Weidenfeller ist der neue Schalenprimus. Der Torhüter wird am Samstag gegen 17.30 Uhr als erster der Dortmunder Partygesellschaft das silberne Zeichen des Triumphes in die Luft stemmen dürfen. Der Pott feiert. Da is dat Dingens!

Vor einem Jahr durfte van Bommel als Bayern-Kapitän die Schale entgegennehmen. Und nun? Als Dritter könnten die Bayern im Fernduell mit Leverkusen noch eine Stufe raufklettern. Und Rang zwei, zuvor nie erreicht an 33 Spieltagen, feiern. Vor der Saison wären sie ausgelacht worden: Der FC Bayern feiert Platz zwei, den ersten Verliererrang. Also haben sie sich geschworen: Einmal ist keinmal, in Jahren nach einem großen Turnier (EM oder WM) kann das schon mal passieren, siehe den Überraschungscoup des VfL Wolfsburg 2009 und den Erfolg des VfB Stuttgart 2007. Im Jahr darauf wurde der Titel wieder an die Säbener Straße geholt. Die Schale? Auch dieses Jahr nur ausgeliehen.

„Diese Saison hat Dortmund unsere Schwächen ausgenutzt, sie sind verdient oben“, sagte Bayerns Torschützenkönig Mario Gomez der AZ, „aber 2012 wollen wir die Schale – und wir holen sie.“ Begründung: „Wir haben die Möglichkeit, jede Mannschaft in der Bundesliga zu beherrschen. Zu Hause haben wir die Gegner oft zerlegt, auswärts ist uns das zu selten gelungen. In unserer Mannschaft steckt Energie und Spielwitz – das reicht eigentlich, um Meister zu werden.“ 2006, 2008, 2010 – 2012? Damit die Serie nicht reißt, muss der FC Bayern als Jäger der Dortmunder einiges besser machen.


der Schale. Wer ist besser? Was muss besser werden?

 

DIE TRAINER

Jupp Heynckes will es sich und Jürgen Klopp, der erstmals den Druck des Titelverteidigers spüren wird, beweisen. Trotz seiner 66 Jahre brennt Heynckes auf die Herausforderung FC Bayern, sein drittes Mal an der Säbener. „Ich übe meinen Beruf nach wie vor mit viel Freude und Leidenschaft aus“, sagte er der „Welt“, „und die Leute liegen falsch, die meinen, dass Bayern im Vergleich zu anderen Vereinen für einen Trainer ein besonders schwieriger Klub ist.“ Heynckes hat die Gelassenheit, die Vorgänger Louis van Gaal fehlte. Der Kumpel von Uli Hoeneß meinte: „Wir werden sehr gut arbeiten. Die Spieler, die Trainer und die Betreuer – dann läuft das Ding. Das ist ganz einfach. Ich mache mich doch nicht verrückt.“ Klopp nur hin und wieder an der Außenlinie.

Wertung: Remis.



DIE DEFENSIVE

Mit Hummels und Subotic bildeten die Dortmunder das Bollwerk der Liga, dazu überraschten Schmelzer und Piszczek auf den Außen. In der Bayern-Defensive verkörpert nur Philipp Lahm Weltklasse, ein Außenverteidiger muss noch geholt werden, etwa Arsenals Bacary Sagna. Dringender (Nach-)Holbedarf besteht in der Mitte, man kann nicht nur auf die Renaissance von Daniel van Buyten und Holger Badstuber hoffen – ein Kaliber wie Jerome Boateng (Manchester City) würde helfen. Das größte Plus der Bayern: Sie haben bald Manuel Neuer im Tor. Ihre Lektion haben die Bayern gelernt: Der beste Sturm nutzt nichts, die Titel gewinnt die Defensive.

Das Urteil: Vorteil Bayern – wenn sie sich verstärken.



DIE OFFENSIVE

Dortmund muss das Kunststück gelingen, den Verlust ihres Machers Nuri Sahin (zu Real Madrid) abzufedern – ob das Neuzugang Ilkay Gündogan leisten kann, ist fraglich. Ebenso unsicher: Haben Bender, Großkreutz, Kagawa und Götze noch mal jenes Feuer und den Drang wie auf dem Weg zu Titel 1? Wie belastet sie die Champions League? Da könnten die erfahreneren Schweinsteiger, Kroos, Müller, Robben und Ribéry (plus eventuell Leverkusens Vidal) im Vorteil sein. Vorne könnten Lucas Barrios und Mario Gomez um die Torjägerkanone streiten, Bayern hat zusätzlich Rückkehrer Ivica Olic in der Hinterhand.

Wertung: Vorteil Bayern.


Den Titel zu verteidigen ist schwerer als ihn zu gewinnen, das weiß Ottmar Hitzfeld, Trophäensammler bei beiden Klubs, am besten. Der Schweizer Nationalcoach sagte in der „Zeit“: „Es wird sehr schwer, weil es im nächsten Jahr eine andere Erwartungshaltung geben wird. Dann ist man der Gejagte, von Anfang an.“ Sein Rat an die BVB-Bosse: „Wichtig ist, dass man den Spielern wieder das Vertrauen schenkt. Dazu dann ein oder zwei Transfers, die qualitativ auch etwas bringen. Es hat keinen Sinn, den Kader einfach nur aufzublähen, weil man in der Champions League spielen wird. Denn das bringt Eifersüchteleien.

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