Nerlinger: „Warmer Empfang für Herrn Pinto“

Sportdirektor Christian Nerlinger verhöhnt den bei den Bayern unbeliebten Profi aus Hannover. Dort ist er der Liebling der Massen.
| Frank Hellmann
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Schauspieler Pinto? Bayern-Präsident Uli Hoeneß wünschte den Kicker schon nach Hollywood.
dpa Schauspieler Pinto? Bayern-Präsident Uli Hoeneß wünschte den Kicker schon nach Hollywood.

Erfolg macht erfinderisch. Zumindest beweisen die Anhänger von Hannover 96, dass sie nicht nur ein Faible für Fußball, sondern auch für Musik besitzen. Für Christian Pander haben die Fans den AC/DC-Klassiker „Thunderstruck“ umgetextet, doch seit geraumer Zeit steht eine andere Version noch höher im Kurs, die sich an den derzeit in aller Munde befindlichen Fußball-Song „Ai Se Eu Te Pego“ (Nossa Nossa) von Michel Teló anlehnt und der derzeit in der Arena am Maschsee als „Ai, Ai Sergio Pinto“ ertönt.
Eine Hommage auf Sergio Pinto, einen der wichtigsten Profis bei Hannover 96, dem Gegner des FC Bayern am Samstag. Dass die Stadionregie des FC Bayern, dem der Spieler Pinto als Intimfeind gilt, Ähnliches plant, steht nicht zu erwarten. Dennoch versprach Sportdirektor Christian Nerlinger am Freitag voll beißender Ironie: „Wir werden Herrn Pinto einen sehr warmen und freundlichen Empfang geben.“
Der Hintergrund: Im Oktober vergangenen Jahres tobte Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach der 1:2-Niederlage in Hannover, ließ mächtig Dampf ab und gebrauchte gar das Wort „Schande“ – in Bezug auf Pinto. Er sei ein Schauspieler, zürnte der Bayern-Präsident, „der gehört nach Hollywood zur Oscar-Verleihung und nicht auf den Platz“. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sprach eingedenk des Platzverweises gegen Jerome Boateng, den Pinto provoziert haben soll, sogar davon, nicht Täter und Opfer zu verwechseln.
Tatsächlich hat der 31-Jährige bei 96 eine Doppelrolle: als Balleroberer und Impulsgeber, aber auch als Giftzwerg und Provokateur.
Seine sportlichen Qualitäten sind tatsächlich unumstritten: Nach einer Balleroberung obliegt es der Nummer sieben, den ersten vertikalen (Risiko-)Pass zu spielen – und selbst wenn drei von fünf Versuchen schiefgehen, würde ihn der Fußballlehrer Slomka nie dafür tadeln. Pinto, 2007 noch von dem ihm aus Aachener Zeiten gut bekannten Trainer Dieter Hecking an die Leine gelotst, ist der Mann, der Takt und Tempo vorgibt, um die blitzartigen Überfallangriffe zu inszenieren. „Durch Slomka haben wir gelernt, eine andere Art von Fußball zu spielen“, erklärt Pinto, „es geht hauptsächlich darum, innerhalb von zehn Sekunden zum Abschluss zu kommen.“ Erst Slomka hat Pinto für die Mittelfeld-Zentrale entdeckt und vertraut dem Spieler bedingungslos. „Das war in meiner Karriere nicht immer der Fall“, sagt Pinto.
Jedoch ist der Heißsporn auch für seine Ausraster auf dem Platz bekannt. Nicht nur im letzten Spiel gegen die Bayern stand er sich selbst im Wege: So sah er etwa im Frühjahr 2008 binnen weniger Wochen zweimal die Rote Karte, erst wegen einer Tätlichkeit, dann wegen Nachtretens. Doch der gebürtige Portugiese, der mit seiner Familie im Alter von 14 Jahren nach Westfalen kam und sich zuvor auf Bolzplätzen aus Beton, Gummi oder Sand behaupten musste, gibt sich unbeeindruckt von der Kritik. Er sieht sich seit jeher als Kämpfer.
Die Niedersachsen waren so klug, Pinto in dieser Woche zum Schweigen zu raten. Gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ hatte der Spieler bereits im Vorjahr offenherzig seine Sicht der Dinge geschildert. „Ich habe noch nie jemanden verletzt, außer Michael Ballack. Deshalb verstehe ich die ganze Aufregung auch gar nicht.“ Die geharnischten Hoeneß-Vorwürfe beantwortete er ohne freche Replik, denn abseits des Platzes gilt Pinto seit jeher als umgänglicher Zeitgenosse. Auf dem Rasen ist es allerdings bei ihm mit der Freundschaft vorbei; wie viele andere auf seiner zentralen Position kommt er notgedrungen als Grenzgänger daher, davon zeugen auch neun Gelbe Karten. Pintos Credo: „Ich versuche immer, das Beste für meine Mannschaft herauszuholen. Dafür tue ich alles.“

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