Nagelsmann, Tuchel, Klopp: Wer beerbt Heynckes?

Jupp Heynckes bis Sommer – und dann? Während der Trainerroutinier bei Bayern München den Übergang moderiert, sucht der Rekordmeister händeringend eine Lösung für die Zukunft.
von  Marco Mader, SID
Jupp Heynckes trainiert die Bayern bis zum Saisonende.
Jupp Heynckes trainiert die Bayern bis zum Saisonende. © Angelika Warmuth/dpa

München - Wenn es doch immer so einfach wäre wie beim Adventskalender von Bayern München. Das Problem, dass sich auf Türchen Nummer 19 Ex-Coach Carlo Ancelotti an der Weihnachtsgans zu schaffen macht, löste der deutsche Rekordmeister elegant mit Aufklebern. Wer mag, kann Ancelottis Gesicht mit dem von Nachfolger Jupp Heynckes überkleben. Für Weihnachten 2018 muss aber schon wieder ein neues Motiv her – und da fangen die Schwierigkeiten bei den Münchnern von vorne an.

Julian Nagelsmann? Oder doch Thomas Tuchel? Vielleicht Jürgen Klopp? Joachim Löw? Oder hängt Heynckes gar noch ein Jahr dran? Alles scheint möglich an der Säbener Straße – sogar eine weitere Saison mit dem 72-jährigen Triple-Helden. "Ich bin mir gar nicht sicher, ob Jupp nach der Saison wirklich aufhört", schreibt Heynckes' Freund Berti Vogts in seiner Kolumne bei t-online, und die Begründung des früheren Bundestrainers leuchtet ein: "Ich kann mir vorstellen, dass das davon abhängig ist, welcher Trainer sonst wirklich zu bekommen ist."

Nagelsmann weiter der Top-Favorit

Das dürfte zunächst für Julian Nagelsmann gelten, der nach wie vor als Wunschkandidat von Präsident Uli Hoeneß gilt. Nagelsmann hat bei 1899 Hoffenheim einen Vertrag bis 2021, sein Klub schwor zuletzt Stein und Bein, dass es keinen Kontakt nach München gebe. Nagelsmann selbst reagierte dünnhäutig auf die Diskussionen. Sein Fokus liege auf der TSG, sagte er am vergangenen Wochenende, "alles andere ist ein Thema für die Medien, aber weniger für Julian Nagelsmann".

Bayern-Intimus Ottmar Hitzfeld meinte bei Sky, es wäre vielleicht besser für Nagelsmann, "wenn er noch ein paar Jahre bei Hoffenheim bleibt und auch internationale Erfahrung sammelt". Damit hat der 30-Jährige gerade erst begonnen – bislang ohne Erfolg. "Irgendwann", ist sich Hitzfeld dennoch sicher, "wird sein Weg sowieso zu Bayern München führen." Aber das muss nicht 2018 sein. In eine ähnliche Kerbe schlug auch der aktuelle Bayern-Trainer: "Für Julian wäre es vielleicht gut, wenn er noch ein paar Jahre in Hoffenheim bleibt und auch internationale Erfahrung sammelt. In einem kleineren Verein kann man noch Fehler machen", so Jupp Heynckes.

Tuchel dagegen stünde trotz neuester China-Gerüchte im nächsten Sommer bereit. Dass erste Gespräche nach dem Ancelotti-Aus nicht zu einer Übereinkunft geführt hatten, macht eine spätere Zusammenarbeit nicht unmöglich. "Das will ich nicht ausschließen", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vergangene Woche über ein mögliches Engagement von Tuchel (44), weiter wolle sich der FC Bayern 2017 aber nicht mehr äußern.

Löw und Hasenhüttl eher unwahrscheinlich

Vogts glaubt weder an Tuchel noch an Nagelsmann – und brachte Klopp ins Spiel. "Für mich ist klar, dass es sich um einen international erfahrenen Mann handeln muss. Klopp ist sicher ein Kandidat", schrieb er, der frühere Dortmunder (50) sei "da viel weiter" als die jüngeren Kollegen. Klopp gehöre "immer zu den Kandidaten beim FC Bayern", sagte Hitzfeld kürzlich. Allerdings: Klopp, den Hoeneß schon 2008 nach München hatte holen wollen, ist bis 2022 (!) an den FC Liverpool gebunden.

Unwahrscheinlich scheint, dass Bundestrainer Joachim Löw (57) seinen Posten zugunsten der Bayern aufgibt. "Zum einen hat Jogi bis 2020 einen Vertrag. Zum anderen: Wenn die Bayern um die Ecke schauen, werde ich schon einen Riegel vorschieben", sagte DFB-Manager Oliver Bierhoff jüngst bei Sport1. Er glaube zwar, "dass Interesse da ist. Aber wir denken da nicht dran." Leipzigs Ralph Hasenhüttl (50) äußerte sich am Wochenende ähnlich ablehnend.

Große Bedeutung bei der Suche nimmt die Frage ein, ob dem neuen Mann zugetraut wird, die Mannschaft nicht nur taktisch, sondern auch personell zu erneuern. "Wenn du die Mannschaft nicht hast", sagte Sky-Experte Dietmar Hamann, "dann kannst du einen Tuchel, Nagelsmann oder einen Löw hinsetzen. Dann wird es für alle schwer."

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