Nach Ballon d'Or: Matthäus-Rat an Bayern-Youngster Karl dürfte Hoeneß gefallen

So richtig angetan war Lothar Matthäus ja nicht von der Ballon-d'Or-Gala am Montag im Palladium Theatre in London. Daraus machte der Rekordnationalspieler auch kein Geheimnis. "Es war schlecht organisiert", sagte Matthäus bei einem Sky-Termin in München: "Ich habe gedacht, dass es glamouröser wird und professioneller. Mir hat die Moderation nicht gefallen, mir haben die langen Dankesreden nicht gefallen. Es hat sich alles in die Länge gezogen. Das könnte man knackiger machen."

Kritik an der Gala, Lob für Kane
Da sprach Matthäus, der bei der Veranstaltung als Sieger von 1990 mit im Publikum saß, wohl vielen Beobachtern aus der Seele. Was dem 65-Jährigen allerdings gefiel: Mit Bayern-Star Harry Kane wurde der seiner Meinung nach beste Spieler der vergangenen Saison mit dem goldenen Ball ausgezeichnet. "Das war die richtige Entscheidung", sagte Matthäus über den ersten Münchner Triumphator seit Karl-Heinz Rummenigge 1981: "Die Bundesliga und vor allem Bayern München kann stolz sein. Harry Kane hat einfach überragend gespielt."

Während der 33-jährige Engländer seine bisherige Laufbahn krönte und mit Michael Olise, Dayot Upamecano und Luis Díaz drei weitere Bayern-Profis nominiert waren, fehlte auf der Liste der 30 Kandidaten hingegen ein deutscher Spieler.
"Das ist ein Spiegelbild der Resultate bei der Weltmeisterschaft", sagte Matthäus: "Olise ist Franzose, Kane Engländer. Die waren beide im Halbfinale. Deswegen stehen sie auf dieser Liste drauf. Und deutsche Spieler? Wenn du mit der Nationalmannschaft wieder mal früh ausscheidest, auch mit schlechten Leistungen, und in den Klubwettbewerben die Unterschiedsspieler fehlen, dann sind die deutschen Spieler sehr weit entfernt, überhaupt in die Liste reinzukommen."
Deutsche Fußballer nur Zuschauer
Ob das im Jahr 2027 anders werden könnte? "Das hängt auch vom Erfolg der Mannschaft ab", meinte Matthäus: "Ich hätte schon gesagt, dass Joshua Kimmich da reinpasst. Aber bei der WM durfte er sich nicht auf der Position zeigen, auf der er gern gespielt hätte. Ich bin ein Fan von Kimmich, weil er ein Leader ist und über Jahre hinweg gute Leistungen gezeigt hat."
Neben Kimmich erwähnte Matthäus auch noch Florian Wirtz, Jamal Musiala und Felix Nmecha als potenzielle Kandidaten, doch alle hätten ihre Probleme gehabt.

Und Lennart Karl? "Da bin ich bei Uli", sagte Matthäus mit Bezug auf die jüngste Kritik von Ehrenpräsident Uli Hoeneß: "Lennart Karl soll sich auf Fußball konzentrieren, bei großer Konkurrenz muss er sich durchsetzen und seine Einsatzzeit bekommen."
Der Matthäus-Rat an den 18-Jährigen: "Ein bisschen weniger Pink, ein bisschen weniger Social Media, ein bisschen mehr Leistung auf dem Platz, ein bisschen mehr im Zweikampf mal nach hinten arbeiten wie Luis Díaz zum Beispiel."
Über diese Aussage dürfte sich Hoeneß, der demnächst mal ein ernstes Gespräch mit Karl führen will, freuen.
Matthäus: Mahnung an Lennart Karl
Generell zeigte sich Matthäus jedoch überzeugt von den Qualitäten des Youngsters. Karl sei "ein junger Spieler, und deswegen würde ich sagen: Gebt ihm ein bisschen Zeit. Ich glaube schon, dass er vom Talent her viel mitbringt, aber er muss es dann eben auch dementsprechend zeigen. Du musst Rückschläge verarbeiten und dann wieder angreifen, das ist das Wichtigste. Und dann hat Lennart Karl gute Voraussetzungen, zumindest ein Unterschiedsspieler zu werden."

Wie etwa Olise, der seit seinem Wechsel zu Bayern 2024 regelmäßig Topleistungen bringt und beim Ballon d'Or auf Platz neun landete. Nur auf Platz neun. Viele Experten sind sicher, dass der Franzose um den Titel mitkämpfen wird. Womöglich schon 2027?
Olise als künftiger Titelkandidat
"Ja, auf jeden Fall!", legte sich Matthäus fest: "Wie er gegen Magdeburg den Elfmeter geschossen hat: War das geil! Wenn ich ein zehnjähriger Junge wäre, würde ich sagen: Wow, das will ich auch machen. Weil es einfach anders ist. Er lässt gar nichts an sich rankommen." Da sei auch Olises zurückhaltende Art den Medien gegenüber nicht wichtig, ergänzte Matthäus: "Mich interessiert, was er auf dem Platz macht." Und das ist Weltklasse.
Bis zu einem deutschen Ballon-d'Or wird es hingegen wohl noch dauern, der bis dato letzte war Matthias Sammer 1996.