Kohler: Wenn auch Boateng geht, braucht Bayern einen Innenverteidiger

Jürgen Kohler, Weltmeister und ehemaliger Trainer der U21, spricht im Interview mit der AZ über das U21-EM-Finale am Sonntag und die Transfers der Bayern.
| Maximilian Koch
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Mit Powerfußball ins EM-Endspiel: Die deutsche U21 trifft am Sonntag auf Spanien.
dpa Mit Powerfußball ins EM-Endspiel: Die deutsche U21 trifft am Sonntag auf Spanien.

Weltmeister Kohler, der die U21 einst selbst trainiert hat und 1990 mit dem FC Bayern Meister wurde, spricht in der AZ über den Endspieleinzug bei der EM und den Bayern-Abschied von Hummels: "Mich hat der Wechsel nicht überrascht".

AZ: Herr Kohler, Sie waren von 2002 bis 2003 selbst Trainer der U21, die nun am Sonntag im EM-Finale auf Spanien trifft. Wie bewerten Sie die Auftritte der deutschen Mannschaft bislang?
Jürgen Kohler: Für mich war klar, dass Deutschland in der Gruppenphase weiterkommt und das Halbfinale erreicht. Rumänien hat als Außenseiter gut gespielt, aber am Ende ist der Mannschaft die Luft ausgegangen. Deshalb steht Deutschland verdient im Endspiel.

Und wie geht das aus?
Das Finale gegen Spanien ist ein Spiel auf Augenhöhe. Die Spanier waren in der Gruppenphase fast schon draußen und haben sich dann mit einem überragenden 5:0-Sieg gegen Polen gerettet. Die beiden besten Teams des Turniers haben das Endspiel erreicht.

Mit Powerfußball ins EM-Endspiel: Die deutsche U21 trifft am Sonntag auf Spanien.
Mit Powerfußball ins EM-Endspiel: Die deutsche U21 trifft am Sonntag auf Spanien. © dpa

"Fast alle aus der U21 sind Bundesliga-Stammspieler"

Sind Sie überrascht von den Leistungen des deutschen Goalgetters Luca Waldschmidt?
Nicht wirklich. Waldschmidt hat beim SC Freiburg in der vergangenen Saison oft gespielt und einige Tore geschossen. Auch Spieler wie Jonathan Tah, Lukas Klostermann oder Nadiem Amiri sind gestandene Bundesliga-Spieler. Das ist ein großer Unterschied zu meiner Zeit als U21-Coach. Da hatte man ja gerade erst die Leistungszentren installiert. Heute erntet man die Früchte. Fast alle Spieler der U21 von 2019 sind Stammspieler in ihren Bundesliga-Klubs.

Welcher Spieler ragt neben Waldschmidt heraus? Der Gladbacher Florian Neuhaus erhält viel Lob.
Neuhaus kenne ich noch aus Düsseldorf, als er von Mönchengladbach in die 2. Liga ausgeliehen war. Ich habe ihn einige Male live gesehen. Er ist ein außergewöhnlich guter Fußballer, der viele Räume erkennt und tolle Pässe spielt.

Wie sehen Sie die Entwicklung von Innenverteidiger und Kapitän Tah?
Tah und auch Klostermann sind talentierte Spieler, die weiter ihre Chancen bei Joachim Löw in der A-Nationalmannschaft bekommen werden. Beide sind natürlich noch sehr jung und müssen dazulernen. Ganz sattelfest hat die U21 bei der EM hinten nicht gewirkt. Wenn Nübel (Torhüter Alexander Nübel, Anm.d.Red) den Ball gegen Rumänien in der ersten Halbzeit nicht hält, steht es 1:3. Dann weiß ich nicht, ob die deutsche Mannschaft nochmal zurückkommt.

Kohler lobt U21-Trainer Kuntz

Stefan Kuntz wurde in den vergangenen Tagen schon als Bundestrainer der Zukunft ins Gespräch gebracht.
Das finde ich ein bisschen überzogen. Jogi Löw ist ja noch da als Trainer – und aus meiner Sicht ist es ein No-Go, über Nachfolger zu diskutieren, wenn ein Amt besetzt ist.

Sie haben in der Nationalmannschaft selbst mit Kuntz zusammengespielt. Wie haben Sie ihn in Erinnerung?
Stefan ist ein sehr geselliger Mensch – und er weiß sich zu artikulieren. Er macht es sehr gut bei der U21.

Bei Bayern muss sich etwas tun

Von der U21 zum FC Bayern: Haben Sie damit gerechnet, dass die Münchner Mats Hummels zu Borussia Dortmund ziehen lassen?
Mich hat der Wechsel nicht überrascht. Mats hat eine Vergangenheit in Dortmund und dort gute Leistungen gebracht. Es ist immer ein Risiko, Spieler zurückzuholen, da sie oft nicht mehr an ihre Leistungsgrenze herankommen. Das zeigt die Vergangenheit. In Sachen Erfahrung ist Hummels natürlich ein Gewinn für Dortmund, er kann die jungen und schnellen Spieler um ihn herum führen. Mats ist Weltmeister, hat zig Meisterschaften gewonnen und Europapokalspiele bestritten. Diesen Erfahrungsschatz will sich Dortmund zunutze machen.

Aber geht der FC Bayern nicht ein Risiko ein? Jérôme Boateng soll den Klub ebenfalls verlassen – dann sind kaum noch Innenverteidiger da.
Wenn Boateng auch geht, braucht Bayern einen weiteren Innenverteidiger. Und auch auf den offensiven Außenpositionen muss sich etwas tun. Kingsley Coman und Serge Gnabry sind stark, aber sie haben noch nicht die Klasse und Erfahrung eines Franck Ribéry oder Arjen Robben, um in den entscheidenden Spielen den Unterschied auszumachen. Ich denke, dass Bayern auch im defensiven Mittelfeld etwas machen muss und einen Back-up für Robert Lewandowski braucht. Lewy wird auch nicht jünger – und man hat gesehen, dass er international nicht mehr so zünden kann.

Lesen Sie hier: Transfer-Blog - FC Bayern offenbar an Spanien-Talent Marc Roca dran

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