Hertha BSC gegen FC Bayern: Klassentreffen der Weltmeister

Mit dem Wechsel von Sami Khedira zu Hertha BSC bekommt das Bayern-Spiel in Berlin ein besonderes Flair. Rio-Kollege Thomas Müller: "Freue mich, dass Sami wieder zurück ist. Er ist ein Kind der Bundesliga".
von  Patrick Strasser
Blick in die Vergangenheit: Von den Rio-Weltmeister sind Thomas Müller, Manuel Neuer, Jerome Boateng, Sami Khedira, Miro Klose und Hansi Flick im Berliner Olympia-Stadion vor Ort.
Blick in die Vergangenheit: Von den Rio-Weltmeister sind Thomas Müller, Manuel Neuer, Jerome Boateng, Sami Khedira, Miro Klose und Hansi Flick im Berliner Olympia-Stadion vor Ort. © imago images/Laci Perenyi

München/Berlin - Vier Treffer binnen sieben Minuten, von der 23. bis zur 29. Minute - insgesamt 5:0. Der Abend des 8. Juli 2014 in Belo Horizonte war schon zu diesem Zeitpunkt unwirklich, im Grunde surreal.

"Hansi, sag mal, ist das wirklich real?"

Die Nationalmannschaft demütigte im Halbfinale der WM Gastgeber Brasilien. Die Treffer von Thomas Müller, Miroslav Klose (heute Flicks Co-Trainer), der Doppelpack von Toni Kroos und das 5:0 von Sami Khedira bedeuteten die 5:0-Halbzeitführung. An der Seitenlinie flüsterte Bundestrainer Joachim Löw seinem Assistenten Hansi Flick zu: "Hansi, sag mal, ist das wirklich real, was hier passiert?" Denn, so Löw im Rückblick: "Es stand 5:0, es war das Halbfinale gegen den Gastgeber. Das war nicht zu begreifen." Der Endstand lautete: Deutschland 7, Seleção 1. Längst Legende.

Ein Weltmeister in den Reihen von Hertha BSC

Dass der FC Bayern an diesem Freitag als Tabellenführer in Berlin (live auf DAZN, 20 Uhr) antritt, ist recht einfach zu begreifen. Aber dass in den Reihen von Gastgeber Hertha BSC plötzlich ein Weltmeister aus dem historischen Brasilien-Spiel steht, hätte vor kurzem keiner für möglich gehalten. Nach zehneinhalb Jahren und den Stationen bei Real Madrid und Juventus Turin ist Sami Khedira zurück in der Bundesliga. Der 33-Jährige gilt als der spektakulärste Wintertransfer der Bundesliga, kam noch dazu ablösefrei. Und mit einem Rucksack von Erwartungen beim abstiegsbedrohten Hauptstadtklub mit den abenteuerlich hohen Ambitionen.

Stellt Pal Dardai ihn auf?

Ob Trainer-Rückkehrer Pal Dardai den Mittelfeldspieler (letztes Ligaspiel in Italien am 23. November 2019) einsetzen wird, ist unsicher. Khedira aber meldete sich fit: "Körperlich und mental bin ich definitiv einsatzbereit. Ich werde meine ganze Energie, mein ganzes Wissen sowie mein ganzes sportliches Repertoire einfließen lassen, um die nächsten Spiele erfolgreich zu gestalten."

Bester Comeback-Zeitpunkt für Khedira

Von allen Seiten gab es Grußworte für Khedira, allen voran von Weltmeister-Trainer Löw: "In Sami bekommt Hertha einen unglaublich erfahrenen Spieler mit viel Herz und Leidenschaft, das hat er immer wieder bewiesen - auf und neben dem Platz." Es könnte für Khedira also einen kaum passenderen Comeback-Zeitpunkt als gegen Abo-Meister FC Bayern mit Trainer Flick geben. Schließlich haben Hertha und der gebürtige Stuttgarter nichts zu verlieren. Und zweitens sorgt das Klassentreffen der 2014er-Weltmeister im Berliner Olympiastadion für ein schönes Ambiente. Dort trifft Khedira auf seinen ehemaligen DFB-Trainer Flick. "Sami ist ein absoluter Profi, ein Leader-Typ, der eine Mannschaft führen kann. Er wird Hertha unterstützen".

Müller freut sich auf das Wiedersehen

Neben Flick und dem DFB-Rekordtorjäger kommen weitere Spezl zum großen Hallo mit Sami zusammen: Torhüter Manuel Neuer (34), der einzig noch aktive Nationalspieler, sowie Jérôme Boateng (32) und Thomas Müller (31), mit denen er in Brasilien seinen größten Titel gewann. Letzterer fiebert dem Wiedersehen entgegen: "Ich freue mich, dass Sami wieder zurück ist. Er ist ein Kind der Bundesliga, ist hier groß geworden, hat hier schon in ganz jungen Jahren mit Stuttgart die Meisterschaft gewonnen und sich seine Sporen verdient", sagte Müller. "Ich bin gespannt, wie es für ihn nach seiner Rückkehr laufen wird, hoffe aber, dass es am Freitagabend noch nicht so gut für ihn ausgeht."

Auch französische Titelhelden sind dabei

Übrigens: Neben den DFB-Helden von 2014 sind in Berlin vier weitere Champions zugegen. Nein, der ehemalige Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann wird sich knapp ein Jahr nach seinem plötzlichen wie skandalösen Abgang nicht blicken lassen. Bei den Bayern sind Lucas Hernández, Benjamin Pavard, Corentin Tolisso, die französischen Titel-Helden von 2018, dabei. Ergibt: ein weltmeisterliches Stelldichein.