Guardiola ist da! Die Pep-Show

Guardiola ist da! Der neue Bayern-Trainer überrascht alle mit gutem Deutsch und lockeren Sprüchen. Seine Frau Cristina lauscht ebenfalls, Präsident Hoeneß nimmt er später lustig aufs Korn.
| Florian Bogner
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Der neue Bayern-Trainer überrascht alle mit gutem Deutsch und lockeren Sprüchen. Seine Frau Cristina lauscht ebenfalls, Präsident Hoeneß nimmt er später lustig aufs Korn.

München - Es gibt einen Moment, nach gut einer Viertelstunde, da hat Pep Guardiola den Raum endgültig hinter sich. Mediendirektor Markus Hörwick unterbricht die erste Pressekonferenz des neuen Bayern-Trainers kurz, um den Spanier für sein hervorragendes Deutsch zu loben.

Bislang hat jedoch nur Hörwick die Fragen gestellt. Und Pep Guardiola gesteht: „Ich habe alles auswendig gelernt.” Gelächter im Raum. „Wenn eine andere Frage kommt, dann alles kaputt.” Die Pep-Show!

Man hat beim FC Bayern viele Trainer kommen sehen. Otto Rehhagel stellte sich 1995 mit „Otto find' ich gut”-Kappe vor, Jürgen Klinsmann wollte 2008 „jeden Spieler jeden Tag ein Stück besser machen”. Und Louis van Gaal äußerte 2009 die Fehleinschätzung, der FC Bayern passe wie ein „warmer Mantel” zu ihm.

Guardiola passt vor allem erst mal sein Anzug. Grauer Edelstoff, weinrote Krawatte, wie Uli Hoeneß, neben dem er um 12.05 Uhr im Presseraum der Allianz Arena Platz nimmt. 240 Journalisten aus elf Nationen blicken nach vorne, 32 Kameras surren.

„Guten Tag. Grüß Gott, meine Damen und Herren.” Das sind Peps erste Worte. „Bitte verzeihen Sie mir mein Deutsch. Ich habe es ein Jahr in New York gelernt, aber es ist nicht der optimale Ort, um Deutsch zu lernen. Ich hoffe, ich verbessere es in nächster Zeit.”

Dann wird's rührselig: „Was ich heute fühle, ist ein Geschenk, ein Glück, hier zu sein. Auch, dass Bayern München überhaupt an mich gedacht hat.” Der vermeintlich beste Trainer der Welt stellt sich also voller Demut vor.

Uli Hoeneß grinst daneben, trotz Steuer-Affäre. „Pep ist genau der richtige Mann, um diese enorme Herausforderung nach einem gigantischen Jahr anzunehmen. Wenn nicht er, wer dann?”, fragt er. Zu viert sitzen sie dort vorne: links neben Guardiola noch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, der seinen Urlaub auf Sylt unterbrochen hat, und Sportvorstand Matthias Sammer.

Guardiolas Frau Cristina und seine älteste Tochter Maria sind mit im Raum. Man wolle dafür sorgen, dass sich die Familie so schnell wie möglich integriere, „damit Pep frei arbeiten kann”, wie Sammer sagt.

„Ich bin ein bisschen nervös”, gibt Guardiola zu. Als ein Videofilm läuft, der Guardiola vorstellt, holt er ein schwarzes Notizbuch heraus und schlägt Wörter nach. In seiner rechten Sakkotasche hat er Karteikarten – falls ihm das Deutsch einmal ausgeht. Einmal fragt er Hoeneß, einmal Rummenigge nach einem Wort.

Den Rummel an sich kennt er aus Barcelona. Aber eben nur aus Barcelona. Dort wurde er ausgebildet, dort trainierte er von 2008 bis 2012, gewann 14 von 19 Titeln.

Jetzt sagt er: „Bayern hat alle Titel letztes Jahr gewonnen, da ist diese hohe Erwartung normal.” Vergleiche mit dem Triple-Sieger Jupp Heynckes müsse er akzeptieren, sagt er selbst. „Ich muss in der Lage sein, damit zu leben. In großen Vereinen hat man als Trainer immer, immer großen Druck. Aber ich nehme diese riesige Herausforderung an. Ohne Problem.”

Warum er sich für Bayern entschieden hat? „Vor allem wegen der Spieler. Und der Geschichte. Es gibt wenige, wenige Vereine in der Welt, die so speziell sind. Wenn Bayern dich ruft, ist das eine Riesenehre. Deshalb bin ich hier.” Seine Regierungserklärung an sich fällt noch etwas dünn aus.

„Lasst mir bitte Zeit. Schritt für Schritt. Mein Deutsch ist nicht gut genug. Ich versuche, das hohe Niveau meines Vorgängers fortzusetzen. Aber es wäre arrogant zu sagen, wir werden jetzt eine neue Ära einleiten”, tastet er sich vor. „Ich bin bereit!”

Nach 51 Minuten ist alles vorbei. Zumindest der gesprochene Teil. Pep lässt er sich noch der Kabine fotografieren und inspiziert seinen neuen Arbeitsplatz, den Trainerstuhl in der Arena. Er kickt ein bisschen mit zwei Kids im Bayern-Trikot, nimmt Geschenke für seine Familie entgegen. Dann wird ihm auch noch auf dem Platz sein neuer Dienstwagen übergeben.

Fotos mit der neuen Trainingsjacke gibt's auch. „PG” steht drauf, seine Initialen. Aber Pep sagt: „Die ist mir zu groß, vielleicht für Uli?"

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