Fit und verletzungsfrei: Wie konnte Cuisance durch den Medizincheck fallen?

Michael Cuisance soll am Donnerstag überraschend bei Leeds United durch den Medizincheck gefallen sein - der Wechsel platzte. Doch was passiert bei einer solchen Untersuchung eigentlich genau? Die AZ hat einen Experten gefragt.
| Bernhard Lackner
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Michael Cuisance sollte eigentlich zu Leeds United wechseln - dann fiel er offenbar durch den Medizincheck.
Michael Cuisance sollte eigentlich zu Leeds United wechseln - dann fiel er offenbar durch den Medizincheck. © imago images / Philippe Ruiz

München - Für Fußball-Fans sorgen solche Nachrichten in der Regel für Freude: Der Wunschspieler des Herzensklub ist zum Medizincheck eingetroffen, die offizielle Verkündung des Wechsel ist nur noch eine Frage der Zeit. Meistens stimmt das auch.

Allgemein gilt ein Medizincheck mehr als Formsache denn als wirkliche Hürde auf dem Weg zu einem Transfer.  Fußballprofis werden fortwährend von spezialisierten Ärzten und Physiotherapeuten behandelt, wodurch Langzeitverletzungen weitgehend vermieden werden. Nur selten werden bei den verpflichtenden ärztlichen Untersuchungen im Vorfeld eines Transfers ernstzunehmende Probleme festgestellt.

Berichte: Cuisance fiel durch Medizincheck

Dass ein Medizincheck dennoch mehr ist als eine reine Formalie, zeigt der Fall Michael Cuisance. Der französische Mittelfeldspieler stand dieser Tage unmittelbar vor einem Wechsel zu Leeds United. Der FC Bayern soll sich mit dem Premier-League-Aufsteiger schon weitgehend einig gewesen sein, Cuisance hatte die Reise nach Yorkshire bereits angetreten. Am Donnerstagabend kam die überraschende Nachricht: Übereinstimmenden Medienberichten zufolge fiel der 21-Jährige durch den Medizincheck.

Laut "Sky Sport News" wurde bei Cuisance eine Verletzung festgestellt, Leeds befürchtete wohl eine mehrwöchige Pause. Die Vereinsführung entschied sich daher gegen den Transfer, für den der Aufsteiger eine kolportierte Ablöse von 20 Millionen Euro nach München überwiesen hätte.

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Tatsächlich kam die Nachricht relativ überraschend. Cuisance hatte zuletzt ganz normal das Mannschaftstraining bei den Bayern absolviert, beim Saisonauftakt gegen den FC Schalke wurde er eingewechselt. Seine letzte bekannte Verletzung datiert vom vergangenen Dezember, als ihn eine Blessur am Sprunggelenk für knapp drei Wochen außer Gefecht setzte. Von wirklich schwerwiegenden Verletzungen blieb Cuisance in seiner Karriere bislang verschont.

Wie läuft ein Medizincheck ab? Ex-DFB-Physio Eder erklärt

Warum fällt ein Profi dann durch einen Medizincheck? Und wie läuft eine solche Untersuchung ab? Die AZ hat bei einem Experten nachgefragt.

"Es geht dabei in erster Linie um die Herz-Kreislauf-Funktion, die genau untersucht wird. Ansonsten wird auch das komplette muskuläre und skelettäre System gecheckt", erklärt Klaus Eder, der zwischen 1988 und 2018 die Deutsche Nationalmannschaft als Physiotherapeut betreute: "Dabei schaut man sich zum Beispiel den Meniskus, die Gelenke oder die Wirbelsäule genauer an."

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So genau wird bei einem Medizincheck hingeschaut

Für die DFL-Lizenz müssen Spieler die Erfassung ihrer Krankengeschichte, einen orthopädischen Check, eine internistische Untersuchung, Blut- und Urinabgabe und Herz-Kreislauf-Kontrollen über sich ergehen lassen. Zudem gehört ein Ruhe- sowie ein Belastungs-EKG zur Untersuchung dazu. Sogar der Impfpass des Spielers wird genauer unter die Lupe genommen. Das ganze Prozedere dauert teilweise bis zu einem halben Tag.

Der aufnehmende Verein kann sich so ein eingehendes Bild über den körperlichen Zustand eines Spielers verschaffen und möglichen "Fehlinvestitionen" vorbeugen. "Wenn sich im Röntgen oder Kernspin ergibt, dass ein Spieler einen Knorpel- oder Meniskusschaden hat oder eine schlecht ausgeheilte alte Verletzung, dann wird man das Risiko natürlich nicht eingehen, viel Geld für einen Spieler zu bezahlen, der hinterher mehr im Lazarett liegt als auf dem Platz zu stehen", sagt Eder.

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