FC Bayern: Wie sich Serge Gnabry in die Geschichtsbücher schoss

Serge Gnabry schnürt beim märchenhaften Kantersieg des FC Bayern bei Tottenham Hotspur einen Viererpack. "Es ist einfach grandios", sagt der Mann des Spiels, der nach der Partie erst einmal mit Problemen zu kämpfen hatte.
| Patrick Strasser
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Umjubelter Held beim Kantersieg in London: Serge Gnabry
imago images / PA Images Umjubelter Held beim Kantersieg in London: Serge Gnabry

London - Und was ist der Lohn? Der Dank? Ein Tackling. Eine Grätsche, mit der Serge Gnabry über die Außenlinie fliegt. Während sich der "Fourminator", der vierfache Torschütze des FC Bayern München des atemberaubenden 7:2 bei Tottenham Hotspur, mit Aggressor Niklas Süle noch kabbelt, folgt der nächste Nackenschlag. Javi Martínez bolzt gedankenlos den Spielball in die Kurve der Bayern-Fans. Hoch und weit. Auch das noch. Eigentlich beides eine klare Gelbe Karte.

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Zu Fall Nummer eins, der Jubelgrätsche, sagte Abwehrchef Süle: "Serge ist ein guter Freund von mir. Es freut mich unglaublich für ihn, das war sein Abend. Deshalb hab' ich ihn nach dem Spiel auch abgegrätscht. Er hatte mir vorher eine verpasst, das müssen wir noch klären." Er lachte herzhaft.

Und zu Fall Nummer zwei, dem Ballwegbolzer Martínez: Der Spanier durfte aufatmen, denn der Ball, das Prestige-Souvenir für Gnabrys historischen Abend, kam tatsächlich zurückgeflogen auf den Platz. So konnte der 24-Jährige den Spielball mitnehmen – wie üblich nach einem Hattrick.

Mit Viererpack: Serge Gnabry stellt Rekord auf

Doch Gnabry hatte keinen Dreier-, nein einen Viererpack erzielt. Da wartete der Außenstürmer seit elf Champions-League-Spielen auf einen Treffer auf Europas größter Bühne und dann lässt er es gleich vier Mal krachen. Fünf Torschüsse, vier Treffer, alle in einer Hälfte.

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"Ein wunderschönes Gefühl in einer für uns super Nacht", sagte Gnabry, der fast ein wenig geschockt wirkte von seiner plötzlichen Tor-Explosion in der Königsklasse. "Dass ich jetzt gleich vier schieße, hätte ich mir auch nicht erträumen lassen. Es ist einfach grandios. 7:2 habe ich bis jetzt selten gewonnen. Und vier Tore habe ich seit der F-Jugend nicht mehr gemacht", stammelte er vor Glück.

Internationale Pressestimmen:

Freudentränen purzelten zwar nicht, aber Rekordmarken, welche die historische Dimension des Viererpacks unterstreichen: Gnabry ist erst der fünfte Spieler, dem in der Champions League vier Tore glückten. Darüber hinaus ist der gebürtige Stuttgarter der zweite deutsche Spieler und zugleich der zweite Spieler des FC Bayern, der einen Viererpack in der Königsklasse schnürte. Zuvor war dies lediglich Mario Gomez im März 2012 beim 7:0 gegen Basel gelungen. Und, last but not least: Gnabry ist nun der erste Spieler, der vier Tore in der zweiten Halbzeit eines Champions League-Spiels erzielt hat. Alles Stoff für Geschichten für seine Enkel – eines Tages.

Kovac über Gnabry: "War sicherlich sein bestes Spiel"

Noch vor Mitternacht am 1. Oktober hatten ihn die Mitspieler auf dem im Mannschaftsquartier "Courthouse Hotel Shoreditch" mit Sonderapplaus und Sprechchören gefeiert. Danach prasselte das Lob auf den "Man of the Match" nur so ein wie seine Schüsse ins Netz von Tottenham-Keeper Hugo Lloris.

"Die ganze Mannschaft hatte eine Sternstunde und Serge mit vier Toren, das ist die Krönung", sagte Trainer Niko Kovac, "es war sicherlich sein bestes Spiel. Die Qualitäten, die Serge nach vorne hat, sind sensationell. Mit seiner Geschwindigkeit, mit seiner engen Ballführung. Mit links, mit rechts, hat er einen Schlag, das ist fantastisch. Es freut mich aber vor allem, wie er verteidigt hat." Klassische Trainersicht. "Eine riesige Leistung", fand Sportdirektor Hasan Salihamidzic und berichtete: "Serge hat gesagt, dass er selbst nicht mehr weiß, wie er den letzten gemacht hat, weil er so müde war. Er hat einfach geschossen."

Warum das Gastspiel in London für Gnabry so besonders war

Und einfach nur den Rat seines Vaters befolgt. "Papa hat mittags noch einmal gesagt, dass ich gut spielen muss und das habe ich erledigt", erzählte der brave Sohnemann. Familie und Freunde waren in der ehemaligen Wahlheimat der Gnabrys im Stadion. "Ich glaube, der Druck hat ein bisschen geholfen."

Die Begegnung mit Tottenham war also ein halbes Heimspiel. Als 16-Jähriger war Gnabry aus dem Nachwuchs des VfB Stuttgart zum FC Arsenal gewechselt. Den Durchbruch schaffte er bei den Gunners nicht, auch die Leihe zu West Bromwich für mehr Spielpraxis misslang. Das Abenteuer Premier League endete 2016 vorzeitig. Über Werder Bremen und die TSG Hoffenheim kam er letzten Sommer zum FC Bayern. Für den Schnäppchenpreis von acht Millionen Euro Ablöse. In der Nationalelf (zehn Spiele neun Tore) ist er gesetzt, Bundestrainer Joachim Löw sagte: "Bei mir spielt der Serge immer." Kovac wird daran künftig kaum noch vorbeikommen trotz der Außenbahn-Konkurrenten Kingsley Coman und Ivan Perisic.

Im Überschwang der Gefühle twitterte Gnabry in der Nacht noch vier Jubel-Bilder und schrieb dazu: "North London is RED!!!" Ein Gruß an Erzrivale Tottenham, vom Ex-Gunner, nun der rote Kanonier.

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