FC Bayern: Warum der Druck auf Kovac weiter gewaltig ist

Bayern-Trainer Kovac feiert den wichtigsten Sieg seiner Amtszeit beim FC Bayern – und steht dennoch unter Druck. Karl-Heinz Rummenigge erklärt: "Bei uns gibt es keine Jobgarantie."
| Patrick Strasser
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Luftsprung nach dem Treffer zum 3:0 gegen Borussia Dortmund: Bayern-Trainer Niko Kovac.
sampics/Augenklick Luftsprung nach dem Treffer zum 3:0 gegen Borussia Dortmund: Bayern-Trainer Niko Kovac.

 

Bayern-Trainer Kovac feiert den wichtigsten Sieg seiner Amtszeit beim FC Bayern – und steht dennoch unter Druck. Karl-Heinz Rummenigge erklärt: "Bei uns gibt es keine Jobgarantie."

Dann hebt er ab – völlig losgelöst. Der Jubel-Sprung von Niko Kovac nach dem Treffer von Javi Martínez zum 3:0 kann als das Sinnbild (s)eines emotionalen Ausbruchs gewertet werden. Mit dem 5:0 gegen Borussia Dortmund erklommen Hochspringer Kovac und die Bayern wieder den Gipfel der Bundesliga (AZ-Einzelkritik).

Ein Tag nach Sieg folgt Ernüchterung für Kovac

Der 47-Jährige freute sich riesig über den wichtigsten Erfolg seiner etwas mehr als neunmonatigen Amtszeit: "Wir haben den Gegner sofort unter Druck gesetzt und das Spiel in die Hände genommen. Ein Sieg in dieser Art und Weise ist richtig gut." Am Morgen danach folgte die Ernüchterung. Mit dem Auftritt seines Bosses Karl-Heinz Rummenigge beim sonntäglichen Fußball-Talk auf Sky.

Rummenigge bei Sky: "Es gibt keine Jobgarantie"

Denn Kovacs Zukunft bei Bayern ist nun ungewisser denn je. Trotz Vertrages bis 2021 verweigerte ihm Rummenigge die Zusage der Weiterbeschäftigung über die Saison hinaus. "Bei uns gibt es keine Jobgarantie. Für niemanden. Jeder, der bei Bayern München arbeitet, muss liefern." Sky-Moderator Jörg Wontorra hakte nach: "Darf Kovac Vizemeister werden?" Rummenigge wich kühl aus: "Wir werden Meister!" Vielleicht rettet nicht mal das Double Kovacs Job. Alles eine Frage der Alternativen auf dem Trainer-Markt.

Die Unsicherheit, ob Kovac der richtige Mann ist für die neue Saison, in der neben Benjamin Pavard und Lucas Hernández noch weitere Stars (Timo Werner? Callum Hudson-Odoi? Vielleicht sogar schon Kai Havertz und nicht erst 2020?) eingebaut werden müssen in eine Mannschaft, die Teil zwei des Umbruchs bewerkstelligen soll, hält sich an der Säbener Straße hartnäckig. Die Überlegungen entzünden sich an Kovacs Fokus auf eine defensive Spielweise und eine Fehleinschätzung.

Kovac habe in großem Stil rotiert, sagt Rummenigge

Der Vorstandsboss, erklärte, wie man Kovac in der Herbstkrise seitens der Vereinsführung auf die Sprünge geholfen habe. Rummenigges Rückblick: "Was im Oktober und November passiert ist, war selbstkreiert. Wir haben uns selbst das Bein gestellt, weil der Trainer in unglaublich großem Stil rotiert hat. Das hat zu Unruhe in der Mannschaft geführt."

Der ehemalige Stürmer – der einst Ottmar Hitzfeld vorgehalten hatte, Fußball sei keine Mathematik – bezeichnete sich als "erbitterten Gegner" der Rotation. Er sei "ein Fan davon, dass die elf besten Spieler in der Startelf sind. Da sind ein paar Dinge in die falsche Richtung gelaufen." Ergo: "Das haben wir deutlich angesprochen und das ist dann korrigiert worden", sagte Rummenigge. Mehr kann man einen Trainer nicht enteiern. Künftig werde man Kovac "im positiven Sinne begleiten". Klingt nach betreutem Coaching. Er betonte jedoch auch: "Es hat ihn bei Bayern bisher keiner infrage gestellt."

Aber auf Linie gebracht. "Der Trainer und die Mannschaft haben aus dem Liverpool-Spiel ihre Lehren gezogen", sagte selbst Sportdirektor Hasan Salihamidzic, ansonsten sehr eng an Kovacs Seite. Und siehe da, gegen Dortmund ließ Defensiv-Verfechter Kovac keinen Kovac-Fußball spielen. "Wir sind am besten, wenn wir aktiv mit und gegen den Ball sind. So wollen alle, die es mit uns halten, die Bayern sehen", erklärte Mats Hummels. Der Torschütze zum 1:0 noch deutlicher: "Das passive Verteidigen liegt uns nicht. Wenn wir aktiv sind, ist das eine ganz andere Klasse."

Champions-League-Aus: "Dominant, mit Ballbesitz" hat gefehlt

Was beim Aus in der Champions League gegen Liverpool, dem zu zaghaften, mutlosen Auftritt im Rückspiel (1:3) versäumt wurde. Rummenigge: "Wir hätten wie gegen Dortmund mit offenem Visier angreifen sollen. Das ist eigentlich der Stil des FC Bayern: Dominant, mit Ballbesitz."

Torjäger Robert Lewandowski meinte: "Offensiv spielen, das ist unsere DNA, offensiv viel Druck machen und Situationen kreieren, um zu versuchen, Tore zu schießen. Das passt besser zu unserer Mannschaft." Verstanden, Trainer? Dass Kovac seine Spieler mit nicht oder nur bedingt lernfähigen Kindern (Kovac: "Das war eine Metapher") verglichen hatte, kam in der Kabine nicht gut an. Eine gezielte Provokation pro Leistungssteigerung? Hummels: "Wir wissen schon selbst, wenn wir Sachen falsch machen." Schon gut, Trainer. Kovac – folgt auf dem Jubelsprung am Samstag am Saisonende der Abflug?

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