FC Bayern München: Uli Hoeneß bemängelt fehlende Privatsphäre für Fußball-Profis
München/ Friedrichshafen - Bayern-Präsident Uli Hoeneß gilt nicht als Verfechter der modernen Kommunikationsmittel.
Auf einer Podiumsdiskussion in Friedrichshafen hat der 65-Jährige mit seiner Meinung über Smartphones nicht hinter dem Berg gehalten: "Dieses Handy und dieses iPhone ist ein totaler Scheiß für die Spieler." Hoeneß will sein Leben selbstbestimmt führen und sich nicht von irgendwelchen E-Mails oder Push-Nachrichten treiben lassen. "Ich habe ein Handy, aber ich habe noch nie eine E-Mail verschickt. Und immer wenn ich 100 Nachrichten habe, drücke ich auf 'tilt' - weil ich sie fast nie abhöre", erklärte der Bayern-Präsident.
Auch eine E-Mail-Adresse besitzt Hoeneß nicht und verriet den Grund: "Wenn ich eine E-Mail-Adresse hätte, würde ich am Tag etwa 500 E-Mails bekommen. Bei mir zu Hause habe ich natürlich einen Computer - meine Frau bedient den. Ich kann relativ ruhig durchs Leben gehen."
"Total gläsern"
Der frühere Profi-Fußballer hat beinahe Mitleid mit der heutigen Spieler-Generation, denn "die Jungs haben kein Privatleben mehr - weil sie total gläsern sind." Besonders schlimm sei es bei öffentlichen Auftritten, wie beim Besuch des Oktoberfests: "Wenn unsere Spieler heute auf das Oktoberfest gehen und vom Löwenbräuzelt zum Armbrustschützenzelt spazieren - das sind etwa 100 Meter - dann müssen sie etwa 300 Selfies machen. Die haben keinerlei Intimsphäre mehr."
Geht es nach Hoeneß war früher mehr möglich. Franz Beckenbauer habe bei Udo Lattek angefragt, ob das Training auf den Vormittag verlegt werden könne, um anschließend auf die Wiesn gehen zu können. "Dann haben wir um 10 Uhr trainiert und anschließend ist der FC Bayern geschlossen aufs Oktoberfest", sagte der ehemalige Stürmer: "Wir sind dann in irgendein Zelt, haben getrunken und gegessen und sind dann auf allen Bahnen gefahren."
"Kein Mensch hat sich aufgeregt"
Ein Lieblingsfahrgeschäft hatte Hoeneß auch: "Beim 'Fliegenden Teppich' sind wir manchmal eine halbe Stunde gefahren - wenn dann einer hintenrübergekotzt hat, war's gerade lustig." Der Oktoberfest-Besuch konnte auch mal länger werden: "Wir sind danach ins nächste Zelt und erst um Mitternacht nach Hause - kein Mensch hat sich darüber aufgeregt. Heute wäre wahrscheinlich eine Anfrage im Bundestag."
"Heute würden wir das Zelt kaum verlassen, da würden zehn Kameras hinter uns herlaufen. Und so eine Szene, wie ich sie gerade beschrieben habe, würde abends in der Tagesschau kommen", polterte Hoeneß gegen die Entwicklung der heutigen Zeit.
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