FC Bayern München: Michael Ballack über Lewandowski, Brazzo und James

Vor den Spielen der Bayern gegen Wolfsburg und Paris sprach die AZ mit Michael Ballack über James und die Freiheiten von Lewandowski.
| Patrick Strasser
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"Intelligente Spieler können immmer zusammenspielen", sagt Ballack (im kleinen Bild mit AZ-Reporter Patrick Strasser) über Müller (l.) und James (Mitte).
firo/AK, AZ "Intelligente Spieler können immmer zusammenspielen", sagt Ballack (im kleinen Bild mit AZ-Reporter Patrick Strasser) über Müller (l.) und James (Mitte).

München - Der 40-Jährig spielte von 2002 bis 2006 für den FC Bayern und war Kapitän der deutschen Nationalmannschaft (98 Länderspiele). Bei einem Eurosport-Player-Event in München traf er AZ-Reporter Patrick Strasser.

AZ: Herr Ballack, haben sich die Bayern Ihrer Meinung nach mit dem 3:0 bei Schalke, dem dritten Sieg in einer Woche, aus der Krise geschossen?
MICHAEL BALLACK: Es hat sich beruhigt, ich habe es geahnt. Das ist ein ganz normaler Prozess, wenn die Bayern kritisiert werden. Eine gewisse Anspannung war da und wenn die in die richtige Richtung gelenkt wird, kommen Top-Leistungen heraus. Das 3:0 war eine relativ eindrucksvolle Antwort, auch wenn von der Papierform Schalke als schwierige Aufgabe galt.

Was kann die Mannschaft in dieser Saison erreichen?
Wenn man Bayern bewerten möchte, kommt es auf den März, April an, eben wie weit man in der Champions League kommt, wenn es dort ums Viertel- und Halbfinale geht. Die Frage ist: Wie leicht spazieren die Bayern durch die Bundesliga-Saison? Was passiert im Januar, Februar? Gibt es Verletzungen? Wie gut in Form sind die Superstars?

Apropos Superstars: Wie wichtig kann Real-Leihgabe James Rodríguez für die Bayern in seiner ersten Saison werden? Beim 3:0 auf Schalke hat der Kolumbianer erstmals aufgedreht.
Man hat gesehen, dass er ein Riesenfußballer ist, der aber noch Probleme mit dem Tempo und dem Rhythmus hat. Aber man konnte einen Unterschied erkennen zwischen seinem ersten Spiel von Beginn an gegen Anderlecht und dem beim FC Schalke. Seine Einstellung, Tempo und Rückwärtsbewegung – das Arbeiten nach hinten, was nicht so Spaß macht – waren besser. Alle typischen Zehner haben die gleichen Schwächen in Anführungszeichen. Er braucht eben eine Eingewöhnungszeit für die neue Mannschaft, für die neue Liga.

Trainer Carlo Ancelotti kann rotieren, wie er möchte. Mit James, Thomas Müller, Thiago, Arjen Robben, Franck Ribéry und Kingsley Coman.
Sie können alle mit einer Aktion den Unterschied ausmachen. James hat einen Vorteil: Er hat einen guten Draht zum Trainer, der in einer schwierigen Situation, als es Kritik gab, auf ihn gesetzt hat. Für einen Spieler ist es ein Plus, wenn du einen Trainer hast, der dir vertraut, wenn Druck von außen kommt, weil das erste Spiel nicht so gut war. Das wird ihm helfen. Ancelotti hat ja als Trainer alles erlebt und durchlebt, agiert da souverän.

Passen James und Müller auch zusammen?
Intelligente Spieler können immer gut zusammen spielen. Wenn die einzelnen Egos sich ein- und unterordnen, dann funktioniert das. Aber die Spieler müssen sich in ihren Rollen wohlfühlen, auch wenn sie in ein taktisches Schema gepresst werden.

"Topspieler nehmen sich Rechte heraus: Das dürfen sie auch!"

Wie haben Sie den Alleingang von Robert Lewandowski gesehen?
Er ist 29 Jahre alt, hat die Champions League noch nicht gewonnen. Sein primäres Ziel ist es, mit dem FC Bayern diesen Titel zu gewinnen. Deshalb macht er sich Gedanken um den Verein und die Ausrichtung, er will auf höchstem Niveau konkurrenzfähig bleiben, deshalb weist er ja auf diese Punkte hin. Er will den Finger in die Wunde legen. Er ist ein Weltklassespieler, ein Führungsspieler, der natürlich in erster Linie auch an sich denkt. Aber weil er mit seinem Verein Erfolg haben will, spricht er die Dinge eben an. Topspieler nehmen sich dieses Recht heraus. Und ich finde: das dürfen sie auch! Die Aussagen blieben ja absolut im Rahmen, er hat keinen Spieler persönlich angegangen, wollte früh genug, am Anfang der Saison, darauf hinweisen, damit der Zug nicht abfährt.

Wie beobachten Sie die Arbeit Ihres einstigen Teamkollegen Hasan Salihamidzic als Sportdirektor der Bayern?
Die Frage ist: Wie wird sein Aufgabenbereich intern definiert? Vielleicht wurde dies nach außen anders dargestellt, um ihm mehr Autorität zu geben. Vorher hat man sich gefragt: Was sucht Bayern? Einen Teammanager? Einen Sportdirektor? Oder einen Sportvorstand? Die Rolle ist nicht einfach auszufüllen, zumal er keine Erfahrung in diesem Job hat. Es ist eine komplexe Aufgabe, weil er sich in der Position immer mit Baustellen und Brandherden beschäftigen muss, als Vermittler agiert. Ich kenne Brazzo noch als Spieler, er war und ist ein Kumpeltyp. Du veränderst dich nicht von heute auf morgen und musst in so eine Rolle erst hineinwachsen, auch die Medien bedienen. Das hat ja früher Uli Hoeneß gemacht. Brazzo gibt sich authentisch, verstellt sich nicht. Er ist so, wie er ist.

Lesen Sie auch: Bayern-Plan: Rasantes Warm-up für Paris

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