FC Bayern München: Ist Uli Hoeneß wieder ganz der Alte?

Seit gut 100 Tagen ist er wieder Präsident des FC Bayern, mittlerweile auch Boss im Aufsichtsrat. "Ich bin wieder da, wo ich hingehöre", sagt Uli Hoeneß. Ohne ihn geht nichts an der Säbener Straße.  
| Patrick Strasser
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Der Bauchmensch des FC Bayern: Uli Hoeneß im November 2016 bei der Jahreshauptversammlung, bei der er erneut zum Präsidenten gewählt wurde.
firo/Augenklick Der Bauchmensch des FC Bayern: Uli Hoeneß im November 2016 bei der Jahreshauptversammlung, bei der er erneut zum Präsidenten gewählt wurde.

Seit gut 100 Tagen ist er wieder Präsident des FC Bayern, mittlerweile auch Boss im Aufsichtsrat. "Ich bin wieder da, wo ich hingehöre", sagt Uli Hoeneß. Ohne ihn geht nichts an der Säbener Straße.

München/London - Ein Präsident auf Reisen. Der Trip nach London zum Achtelfinal-Rückspiel seines FC Bayern gegen Arsenalin der Champions League  (20:45 Uhr im AZ-Liveticker) ist Uli Hoeneß’ erste Reise seit seiner Wiederwahl im Herbst. Prächtig gelaunt gibt er sich. Nah dran zu sein, das ist die Rolle, in der sich Hoeneß gefällt.

Enger Kontakt zu den Spielern - mal mittels eines jovialen Spruches, mal durch sein immer offenes Ohr. Kumpel sein, Ansprechperson sein, Vertrauen schaffen. "Der Alte" sagen manche über ihn hinter vorgehaltener Hand an der Säbener Straße - was respektvoll gemeint ist. Seit dem 6. Februar ist der 65-Jährige wieder Aufsichtsratsvorsitzender der AG - legitimiert von den mächtigsten Wirtschaftsbossen des Landes, von Dax-Vorständen.

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Für Hoeneß jedoch viel wichtiger: Seit Ende November bekleidet er wieder das Amt des Präsidenten, gewählt von den Vereinsmitgliedern. Am Sonntag waren es genau 100 Tage. Es sei "der Wille des Volkes, dass ich jetzt wieder da bin, wo ich aus deren Sicht hingehöre", sagte er kürzlich

Der Oberbayer als höchster Mann im Staate FC Bayern neben Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandsvorsitzenden. Deren Verschiedenheit, deren freundschaftliche Symbiose prägt den Verein seit Jahrzehnten.

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2014 war Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, er kam nach der Hälfte der Zeit auf freien Fuß, arbeitete als Freigänger bei Bayern. Doch was macht Hoeneß seit Ende November? Ist er wirklich wieder ganz der Alte? Die Antwort: ja und nein.

Einerseits hat er die Dinge rund um seinen Verein wieder an sich gerissen, spricht mit allen und jedem. Beinahe jedes Spiel seiner Basketballer verfolgt er live vor Ort. Die neue Halle in München, ursprünglich von Platzhalter Karl Hopfner verworfen, als Hoeneß im Gefängnis saß, wird gebaut. Darauf einigte sich Hoeneß mal eben mit Red-Bull-Chef und Milliardär Dietrich Mateschitz. Ein Deal unter Männern, unter Machern.

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Stichwort Stallgeruch

Hoeneß’ wichtigstes Projekt im Fußball ist das neue Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) im Norden von München, das im Sommer fertiggestellt werden soll. Bayern hat Hermann Gerland, seit ewigen Zeiten Co-Trainer und ein Fan-Hero, zum sportlicher Leiter ausgerufen. Was ganz klar auf Hoeneß zurückzuführen ist. Gerland hat Stallgeruch. Beide sind Bauchmenschen, keine Akademiker. Und wer Hoeneß kennt, weiß, dass er sich Max Eberl, mit dem er gut kann, als neuen Sportdirektor vorstellen kann.

Stichwort Stallgeruch. Der Ex-Spieler bei Bayern, pflegt einen engen Draht zu Hoeneß, zur "Seele des Vereins", wie man in München sagt. Der Gladbacher Sportdirektor ist Favorit auf den vakanten Posten. Hoeneß muss sich entscheiden: Sucht er den nächsten Christian Nerlinger, mehr Teammanager als Sportdirektor, oder tatsächlich den nächsten Hoeneß? Einen Autodidakten, der sich wie er selbst ab 1979 als ehemaliger Spieler hocharbeitet? Das ist die momentan wichtigste Personalentscheidung.

Abteilung Attacke schlummert

Bei Spielertransfers spricht Hoeneß mit, muss sie als Aufsichtsboss ab einer Summe von 25 Millionen Euro absegnen. Ohne ihn geht nichts bei Bayern.

Und warum er sich verändert hat? Die Haft habe ihn geprägt, gibt er zu, er sei nun "gelassener", rege sich "nicht mehr so schnell auf". Die Abteilung Attacke schlummert, ganz erloschen ist sie noch nicht. Als er Verfolger RB Leipzig als "Feind" ausrief, entschuldigte er sich rasch für die Wortwahl.

Er will ein "Kümmerer" (O-Ton) sein, trifft sich alle zwei, drei Monate mit Mitgliedern, die ausgelost werden. "So weiß ich, was an der Basis los ist." Über Politik reden, sich in Talkshows setzen wie einst, das macht er nicht mehr, "weil ich weiß, dass ich eine Schwachstelle habe, die nicht wegzudiskutieren ist". Es sprach: der neue Hoeneß.

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