Das Trainerduell der Erfahrenen: Kontrastprogramm

Ancelotti coacht seine Bayern in Bestform – Arsenals Wenger steht vor dem Aus. "In den letzten Jahren war es etwas schwierig für ihn".
| Patrick Strasser
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Stehen sich morgen in der Champions League gegenüber: Carlo Ancelotti und Arsene Wenger.
dpa Stehen sich morgen in der Champions League gegenüber: Carlo Ancelotti und Arsene Wenger.

London - Ein unwürdiges Schauspiel erlebt der FC Arsenal in diesen Wochen: eine Kaugummi-Trennung vom ewigen Trainer. Arsène Wenger ist zur "lame duck", der lahmen Ente des englischen Fußballs geworden. Am Montagmittag sagte er auf der Pressekonferenz vor dem für Arsenal aussichtslosen Achtelfinal-Rückspiel der Champions League (20.45 Uhr, Sky live und im AZ-Liveticker) gegen den FC Bayern zu einer möglichen Vertragsverlängerung: "Ich möchte abwarten, wie wir die Saison beenden."

Out of Europe möglicherweise, wahrscheinlich ohne Ticket für die kommende Königsklassen-Saison. Was Wengers Ende nach 21 Jahren bei den Gunners bedeuten würde. Seit 1996 ist der mittlerweile 67-Jährige der Cheftrainer bei Arsenal, der Elsässer gewann drei Meistertitel (1998, 2002, 2004) und sechs Mal den FA Cup, zuletzt 2015.

Durch das 1:3 am Samstag beim FC Liverpool mit Coach Jürgen Klopp verlor man in der Premier League Platz vier an die Reds, gegen Bayern steht man nach dem 1:5 im Hinspiel vor dem Aus im Achtelfinale.

Wengers größte Krise

Was gute Arsenal-Tradition ist: zum siebten Mal in Folge. Wenger steckt in der größten Krise seiner Amtszeit. "Nach zwei würdigen Jahrzehnten winken wir zum langen Abschied von Arsène Wenger", so der Daily Mirror, für den der Franzose ein "mittlerweile nur noch verzweifelter Boss ohne Plan" ist. Die "Wenger out!"-Rufe der Fans werden lauter, die Anti-Arsène-Spruchbänder mehren sich. Einige Arsenal-Anhänger planen einen Protestmarsch am Abend vor dem Spiel.

FC Bayern-PK zum Nachlesen: Ancelotti über die beste FCB-Elf

Die Stimmung ist gereizt. Von den Bayern kommen blumige Worte. "In den letzten drei, vier Jahren war es etwas schwierig für ihn", sagte Franck Ribéry der AZ, "aber Wenger hat über all die Jahre Überragendes geleistet. Er ist ein großer Trainer und eine große Persönlichkeit." Er schätze ihn sehr, betonte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Montag. 1995 wollte Bayern diesen Wenger verpflichten, doch er entschied sich damals für die Herausforderung Nagoya Grampus in Japan. "Leider", so Rummenigge heute. Statt Wenger kam Otto Rehhagel.

Der Kontrast kann nicht größer sein

22 Jahre später lenkt Carlo Ancelotti die Bayern. Der Kontrast zum strauchelnden Wenger, gegen den der Italiener in sieben direkten Duellen nur zwei Mal verlor, könnte nicht größer sein. Bayerns Bestform kommt wie auf Bestellung, ganz nach dem Masterplan von Knopfdruck-Champ Ancelotti. Kaum ein Trainer beherrscht dieses Zielgeraden-Coaching so perfekt.

Das Frühjahr, im Fußball die Erntezeit der Trophäen, ist seine Zeit. Ancelotti kann entspannt rotieren und wie in Köln Stars schonen (Robben, Hummels, Alonso). Sie danken es ihm, auch den entspannten Umgang. "Er redet viel mit uns Spielern, gibt uns Vertrauen. Er ist locker, er ist cool. Wir lachen zusammen. Spaß muss sein", erzählte Ribéry, "aber wir müssen auch das umsetzen, was der Trainer verlangt."

Champions League: FC Bayern zwischen Lustreise und Ancelottis Albtraum

Onkel Carlo erinnere ihn an Jupp Heynckes, der mit den Bayern 2013 das Triple gewann, so Ribéry. Ist diese London-Reise für Bayern nur ein Betriebsausflug? "Wir brauchen nicht glauben, dass wir mit dem 5:1 durch sind", warnte Rummenigge, "die Tür ist auf, aber wir müssen jetzt noch seriös und respektvoll durchgehen." Aufrecht. In der Champions League wurde noch nie ein 1:5 gedreht, ein 1:4 schon. Der Trainer hieß Carlo Ancelotti.

Ein Vier-Tore-Rückstand wurde schon mal gedreht

2004 erlebte er mit dem AC Mailand im Viertelfinale eine Alptraum-Nacht. Bei Deportivo La Coruña setzte es ein 0:4 – bis dato Rekord für den höchsten aufgeholten Rückstand in der Königsklasse. "Ich möchte mich nicht einreihen in die Gruppe derer, die sowas mal vergeben haben", sagte Mats Hummels.

Nicht mit diesen Bayern. Mit einem "Schuss Demut" müsse man nun weitermachen, forderte Vorstandsboss Rummenigge. "Wie 2013 unter Heynckes. In der Hoffnung, dass wir im Mai oder vielleicht sogar im Juni noch dabei sind." Dieses Triple-Gerede mag Ancelotti (57) nicht. "In Italien sagt man: Viel Lob bedeutet später: viele Probleme."

Die hat im Moment der einst vielgelobte Wenger.

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