FC Bayern: Jung, jünger, Alaba

Erst Badstuber und Müller (beide 20), nun setzt Bayerns Coach van Gaal sogar auf einen 17-Jährigen: „Sie haben die Qualität“
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Franck Ribéry (r.) bejubelt mit David Alaba sein Siegtor zum 1:0 gegen den HSV. Im Hintergrund: Coach Louis van Gaal.
dpa Franck Ribéry (r.) bejubelt mit David Alaba sein Siegtor zum 1:0 gegen den HSV. Im Hintergrund: Coach Louis van Gaal.

Erst Badstuber und Müller (beide 20), nun setzt Bayerns Coach van Gaal sogar auf einen 17-Jährigen: „Sie haben die Qualität“

FLORENZ Nun also David Alaba! Wieder einmal öffnete Bayerns Cheftrainer Louis van Gaal einem Teenie die Tür zur ganz großen Bühne. Nach Abwehrspieler Holger Badstuber und Jung-Nationalspieler Thomas Müller (beide 20) darf nun der jüngste überhaupt eingesetzte Bayern-Profi Champions-League-Luft schnuppern. Alaba fuhr mit zum Achtelfinal-Rückspiel des deutschen Rekordmeisters in der Champions League beim AC Florenz (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beendet).

„Ich mache das, weil ich sehr viel Vertrauen in die Spieler habe“, erklärte der Trainer im noblen Mannschafts-Hotel am Ufer des Arno. „Hätten sie die Qualität nicht, hätte ich das nicht gemacht. Und wenn ich Spieler in die A-Mannschaft nehme, ist es immer so, dass sie auch spielen können.“

17 Jahre, achte Monate und 13 Tage war der österreichische Nationalspieler Alaba („I bin a echter Wiener“) am Dienstag, am Tag des Spiels in der Toskana-Stadt, alt. Erwartungsfroh hatte der Sohn eines Nigerianers und einer Philippinin neben Hamit Altintop im Flieger Platz genommen. Die Nummer auf seinem Reiseköfferchen war provisorisch mit Klebeband befestigt – mit einem so schnellen Aufstieg des „Instinktfußballers“ (Mehmet Scholl) hatte man nicht rechnen können.

Im Winter war der Linksfuß wie Mehmet Ekici und Diego Contento schon im Trainingslager in Dubai an Bord. Weil die beiden anderen Spieler bereits 18 Jahre alt sind, haben sie einen Profi-Vertrag, auf den Alaba noch bis zur Volljährigkeit im Sommer warten muss. „Er hat Qualitäten in jungen Jahren, die er noch verbessern wird“, lobte BastianSchweinsteiger den in der Österreich als „Wunderkind“ gefeierten Kicker.

Schweinsteiger ist neben Philipp Lahm mittlerweile eine Art Eigengewächs-Urgestein beim Rekordmeister, dessen ausgezeichnete Nachwuchsförderung noch einmal einen Schub unter van Gaal bekam. Der Niederländer ist bekannt für die Entwicklung von Top-Talenten. In Barcelona waren es Xavi, Andrés Iniesta oder Carles Puyol, bei Ajax Amsterdam Clarence Seedorf, Patrick Kluivert oder Edgar Davids, die von van Gaal entdeckt, protegiert oder gefördert wurden. Seedorf, betonte der Coach in der Toskana, sei sogar erst 16 gewesen, als er in der ersten Liga debütierte.

Doch nur der Jugend Willen werden Leute wie Alaba nicht aufgebaut und eingesetzt. „Das sollte nicht Programm sein, sondern es darf nur nach Qualität gehen“, sagte Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger, „aber natürlich kommt es uns sehr gelegen, wenn man die Preise auch für die so genannten Durchschnittsspieler sieht, dass man vermehrt den Nachwuchs stärkt und einbaut.“ Sportlich haben es die Jungs dann selbst in der Hand. „Wenn ein Spieler das aufgrund seiner Qualität verdient, dann hat van Gaal auch das Kreuz, ihm den Rücken zu stärken und ihn aufzubauen“, betonte Nerlinger.

In der neuen Saison kommt nun auch noch Ausnahme-Kicker Toni Kroos aus Leverkusen zurück in den Talent-Pool. Der Aufstieg der Nobodys im Schatten der weit bekannten Bayern-Stars beeinflusst auch ein Stückchen die Personalpolitik. „Wenn sich die Spieler so entwickeln, ein Thomas Müller zum Beispiel Nationalspieler wird oder ein Holger Badstuber so eine dominante Rolle bei uns spielt, ist das sicherlich ausschlaggebend auch für das nächste Jahr, weil die hatten wir vor der Saison so natürlich nicht auf der Rechnung“, sagte Nerlinger.

Aber, warnte van Gaal, nach dem schnellen Aufstieg sei vor allem der Weg zur Konstanz schwierig. „Ich denke nicht, dass das erste Spiel schwer ist. Das ist niemals so“, dozierte er in Florenz. Einer oftmals leichtfüßigen Premiere folgen hohe Erwartungen – und die gilt es zu bestätigen. „Das zehnte Spiel ist schwierig für ein Jungtalent“, so van Gaal.

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