FC Bayern: Europas Schießbude

„Wir brauchen uns vor niemandem verstecken“, sagt Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann vor der Auslosung. Doch genügt Bayerns Abwehr für den Champions-League-Sieg?
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Budenzauber: Lukas Podolski erzielt das zweite von sieben Toren gegen Sporting Lissabon.
Rauchensteiner/Augenklick Budenzauber: Lukas Podolski erzielt das zweite von sieben Toren gegen Sporting Lissabon.

„Wir brauchen uns vor niemandem verstecken“, sagt Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann vor der Auslosung. Doch genügt Bayerns Abwehr für den Champions-League-Sieg?

MÜNCHEN Wünsch’ dir was... Das spielt Uli Hoeneß dieser Tage gern – und zwar nicht nur in Sachen TV-Gebühren, sondern auch was den Viertelfinalgegner in der Champions League angeht. „Eigentlich ist es mir egal, aber der FC Liverpool muss es nicht gerade sein. Die sind im Moment sehr, sehr stark“, sagte Bayerns Manager vor der Auslosung am Freitag in der Uefa-Zentrale in Nyon (12 Uhr, Eurosport live). Und weiter: „Gut wäre auch, wenn wir zuerst ein Auswärtsspiel hätten. Ich möchte nicht gegen Manchester United zu Hause ausgelost werden und dann im Rückspiel da hinfahren müssen, das wäre nicht so schön.“

Schön allerdings wäre, wenn der FC Bayern im Konzert der großen Acht ein notorisches Problem beseitigen könnte: das Abwehrverhalten im eigenen Stadion. Keiner der möglichen Viertelfinalgegner des FC Bayern, nicht einmal die Außenseiter FC Villareal oder FC Porto, kassiert zu Hause auch nur annähernd so viele Gegentore wie der Deutsche Meister. Es sind – alle Pflichtspiele eingerechnet – fast 1,5 im Schnitt. Bei sechs der sieben anderen Viertelfinalisten steht da eine Null vor dem Komma.

Zwar gab es in den bisherigen vier Champions-League-Heimspielen dieser Saison nur zwei Gegentore. Doch nun drohen eben nicht mehr die Stürmer von Steaua Bukarest oder Sporting Lissabon, sondern die besten Offensivkräfte der Welt – wie Christiano Ronaldo (ManU), Fernando Torres (Liverpool) oder Lionel Messi (FC Barcelona). Ob die Bayern-Abwehr, die in der Liga in elf Heimspielen bereits 20 Gegentreffer hinnehmen musste, mit ihnen klar kommt? Genügt sie für den Champions-League-Sieg? Außenverteidiger Philipp Lahm gibt zu: „Wir waren zu Hause sehr sehr konteranfällig. Und oft hat der Gegner dann gleich die erste Chance genutzt.“ Kollege Daniel van Buyten pflichtet ihm bei: „Wir hatten eine Zeit, in der es nicht so gut gelaufen ist. Da haben wir mehr so zugeschaut in der Defensive.“

Rensing hofft auf ein Spiel zu Null

Dabei war genau dies, das Abwehrverhalten, noch vergangene Saison die große Stärke des FC Bayern. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres hatte die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld in der Liga gerade mal vier Gegentreffer in Fröttmaning hinnehmen müssen. Jetzt sind es, obwohl mit Lucio, Martin Demichelis und Daniel van Buyten dasselbe Innenverteidiger-Personal zur Verfügung steht, 16 mehr. Nur die Abstiegskandidaten Gladbach und Bochum stehen mit 22 Heim-Gegentoren schlechter da als das Team von Jürgen Klinsmann. Kein einziges Bundesligaspiel in der Allianz Arena endete diese Saison zu Null - auswärts klappte das immerhin fünf Mal.

Insofern kann man Bayern-Keeper Michael Rensing gut verstehen, wenn er sagt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass wir in der Arena mal ein Spiel zu Null haben.“ Am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de) gegen den Karlsruher SC, zuletzt fünf Spiele in Folge gänzlich ohne Treffer, könnte man somit üben für die Champions League, für das Viertelfinal-Hinspiel am 7. oder 8. April.

Denn in Sachen Offensive müssen sich die Bayern europaweit nicht verstecken. Was das Spektakel angeht ist man den Zauberkickern des FC Barcelona haarscharf auf der Fährte – zumindest was die Heimspiele betrifft: 4,6 Treffer pro Spiel: In keinem anderen Stadion fallen mehr Tore als in der Allianz Arena, der Schießbude Europas.

In den bislang elf Bundesliga- und vier Champions-League-Spielen hat der FC Bayern zu Hause im Schnitt 3,13 Tore geschossen - nur marginal weniger als die Katalanen um Messi, Henry und Co. Danach klafft eine gewaltige Lücke bis zur Fabeltruppe von Manchester United, die auf 2,1 Treffer pro Heimspiel kommt. Überraschend mager sieht es auch bei der vermeintlichen Sturm-und-Drang-Truppe des FC Arsenal aus: gerade mal 1,68 Treffer erzielte das Arsène-Wenger-Team pro Heimspiel: One Goal statt One-Touch? Kein Wunder, dass Klinsmann sagt: „Wir haben deutliche Signale rausgeschickt. Wir sind hungrig und wollen mehr.“ Schade nur, dass Europas aktuell bester Torschütze – Miroslav Klose liegt mit sieben Treffern gleichauf mit Liverpools Steven Gerrard – ausfällt. Dennoch glaubt der Bayern-Coach: „Wir brauchen uns in Europa vor niemandem verstecken.“

Thomas Becker

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